Düsseldorf - Gedenkgottesdienst für Absturzopfer

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Gedenkgottesdienst für Absturzopfer

Von: epd
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Düsseldorf. Viele der Besucher haben rotgeweinte Augen, manche werden gestützt. Andere lassen in sich gekehrt die Predigt auf sich wirken. Aus ihr scheinen sie Trost und Kraft zu schöpfen. „Die Fragen nach der Verantwortung für dieses Unglück müssen gestellt und beantwortet werden, damit Wunden heilen können”, sagt der rheinische Präses Nikolaus Schneider.

Mehr als hundert Angehörige sind aus ganz Deutschland nach Düsseldorf gereist, um in dem zentralen ökumenischen Gedenkgottesdienst am Samstag in der evangelische Johanneskirche im Herzen der Stadt Düsseldorf Abschied zu nehmen.

Auch der Weihbischof des Erzbistums Köln, Rainer Woelki, spricht vielen der trauernden Angehörigen aus der Seele. Mit allen von der Katastrophe Betroffenen stehe man „fassungslos, erschüttert, hilflos und ohnmächtig” vor dem, was sich bei dem Absturz ereignet haben müsse. Besonders betroffen mache die Ungewissheit, „ob es jemals einen Abschied an einem Grab geben wird”, sagt der Geistliche. Auch dafür solle der zentrale Gedenkgottesdienst eine erste Möglichkeit der Trauer und Erinnerung geben.

Monsignore Wolfgang Bender von der Konferenz der Diözesanbeauftragten für Notfallseelsorge der Deutschen Bistümer verliest während des knapp 90-minütigen Gottesdienstes die Namen der 28 deutschen Opfer des Absturzes, ebenso die Namen von fünf Passagieren der Unglücksmaschine, die deutsche Angehörige hatten. 33 Kerzen mit den Namen der Opfer werden angezündet, in ihrer Mitte steht eine große Kerze, die für alle anderen Opfer brennt.

Als kurz nach den liturgischen Eingangsworten das Lied „Aus der Tiefe rufe ich zu dir...” gesungen wird, müssen sich mehrere Gottesdienstbesucher Tränen aus dem Gesicht wischen. Heftiges Schluchzen begleitet die dritte Strophe, in der es heißt: „Aus der Tiefe rufe ich zu dir. Ich will nicht untergehen”.

Präses Schneider ermutigt die Hinterbliebenen in seiner Predigt, ihre Erinnerungen an die Toten zu pflegen und ihre - auch unausgesprochenen - Vermächtnisse in das eigene Leben aufzunehmen. „Wenn es wirklich darauf ankommt, dann ist es wichtig, dass wir Menschen an unserer Seite haben, dass wir nicht allein sind”, betont der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Der zentrale Gedenkgottesdienst für die deutschen Opfer der Flugzeugkatastrophe ist zugleich die Einleitung für einen Tag, an dem sich die Hinterbliebenen untereinander kennenlernen können. Nach dem Gottesdienst folgt ein gemeinsames Mittagessen im festlich geschmückten Bachsaal der Johanneskirche. Die zahlreich angereisten Pressevertreter haben dazu keinen Zutritt.

Ralf Radix, der Vorsitzenden der Konferenz Evangelischer Notfallseelsorge in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wünscht den Hinterbliebenen, dass sie „eine internationale Solidargemeinschaft” bilden. Laut Radix hatten die örtlichen Notfallseelsorger schon einen Tag nach der Absturzmeldung der Air-France-Maschine Kontakte zu den Angehörigen aufgenommen. Seiner Einschätzung nach wird psychologische oder seelsorgerliche Hilfe noch Monate, wenn nicht Jahre nötig sein.

Auch für Christoph Unger, den Präsidenten des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe steht außerfrage, dass mit dem Gedenkgottesdienst und einem anschließende dreistündigen Beisammensein lediglich ein Anfang gemacht ist. „Das ist ein Vermissenden-Treffen, um Trauerarbeit zu leisten,” sagt Unger, dessen Behörde auch über Erfahrungen bei der Betreuung von Opferangehörigen nach dem Brandanschlag auf eine Moschee auf der Ferieninsel Djerba und nach der Tsunami-Katastrophe hat. Für den Experten sind die Hinterbliebenen der Air-France-Katastrophe auch eine „Schicksalsgemeinschaft”, die vielleicht im Laufe der Zeit zu Gedenkveranstaltungen zusammenkommt.

„Ich weiß, wie wichtig nach einem solchen Schicksalsschlag der Kontakt mit anderen Betroffenen ist”, berichtet denn auch eine Frau unter den Teilnehmern, die bei der Tsunami-Flutkatastrophe in Südostasien einen Angehörigen verloren hatte. Das helfe sehr dabei, dass die Wunden schneller heilen, erinnert sie sich an Unterstützung durch die Notfallseelsorger. Als der Gottesdienst ausklingt, nehmen die Angehörigen jeweils die Kerze mit dem Namen ihres Familienangehörigen oder Freundes an sich.
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