Gebündeltes Aachener Expertenwissen rund ums Auto

Von: Berthold Strauch
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Elektromobilität made in Aachen: Gleich elf dieser umgebauten Fiat 500 bringen dieses Thema ganz spannend voran. Foto: Berthold Strauch
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Führt das ika und CAR e.V.: Professor Lutz Eckstein.
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Ein vielversprechendes Projekt: Bald soll in Aachen die Vorserienproduktion von Streetscooter-Fahrzeugen für die Deutsche Post beginnen.

Aachen. Geballtes Expertenwissen rund um der Deutschen liebstes Kind: Das „Competence Center Automotive Region Aachen“ (CAR) bündelt – auch über die Grenzen hinweg in der Euregio Maas-Rhein – insgesamt rund 60 Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Automobiltechnik. Und an der Spitze steht ein Mann, dessen wissenschaftliche Kompetenz weltweit gefragt ist.

Professor Lutz Eckstein, Chef des renommierten Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) an der Elite-Universität RWTH.

Das wirtschaftliche Gewicht dieser Branche im Zuständigkeitsbereich der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), der über die Städteregion hinaus bis nach Düren, Heinsberg und Euskirchen reicht, machte IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting deutlich. In den Räumen der Kammer präsentierte sich CAR im Rahmen eines Empfangs zum Jahresbeginn, eines „neuen Formats“, wie betont wurde.

Mit dem Thema Automobil sind demnach etwa 200 Unternehmen mit insgesamt rund 15 000 Beschäftigten befasst, listete Rötting auf. Bei rund 300.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kammerbezirk macht die Autozunft also einen Anteil von fünf Prozent aus.

„Eine Erfolgsgeschichte“

CAR sei „eine Erfolgsgeschichte“, bilanzierte Rötting. Das Kompetenzzentrum wurde vor nunmehr knapp elf Jahren gegründet. Der Region drohten im Gegensatz zu anderen keine Werksschließungen von Automobilherstellern wie im belgischen Genk, wo Ford den Standort kappen will, oder Bochum, wo Opel auf dem Absprung ist. Rund um Aachen hingegen, so der IHK-Geschäftsführer weiter, böten demgegenüber Firmen wie der Reifenhersteller Continental oder der Autoglasproduzent Saint Gobain „ein Stück Stabilität“.

Und dies werde ergänzt durch „ambitionierte Projekte“, wie Rötting es nannte. Beispielhaft verwies er dabei auf die Entwicklung des Elektroautos „Streetscooter“ unter Federführung von RWTH-Professor Achim Kampker. Doch die von ihm gelenkte Streetscooter GmbH sei bislang noch nicht Mitglied in diesem CAR-Netzwerk, bedauerte der IHK-Geschäftsführer ein wenig.

Marine Dubrulle, Sprecherin des aufstrebenden Aachener Jungunternehmens, bestätigte dies auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach ihrer Rücksprache mit Kampker, fügte sie an, sei vorerst eine Mitgliedschaft bei CAR auch nicht geplant.

Zu den weiteren interessanten Initiativen zählte Rötting die „Task Force Elektromobilität“, die unter den Fittichen der Stadt Aachen den alternativen Fahrzeugantrieb mit Strom konzen-triert weiterentwickeln und fördern möchte. Er sei sicher, dass sich die Mobilität in nächster Zeit generell verändern werde. Dem trage die Region Rechnung. Insbesondere die Hochschulen seien „nah dran“ an diesen Themen, gleichfalls CAR mit der gebündelten Kompetenz seiner Unternehmensmitglieder und und Institutionen, so Rötting weiter. Die Zukunft liege in einer möglichst engen Kooperation. „Gemeinsam können wir mehr erreichen“, machte er deutlich.

Auch CAR-Vorsitzender und ika-Chef Prof Lutz Eckstein sprach von „großen Herausforderungen für die Industrie“, die es zu bewältigen gelte. Dabei sollte man keinesfalls „den Kopf in den Sand stecken, sondern die Köpfe zusammenstecken“, wählte Eckstein einen netten, überzeugenden Vergleich. Es gebe „hervorragende Voraussetzungen“ mit der FH und der RWTH Aachen, die sich intensiv um die Qualifizierung von „innovativem Humankapital“ kümmerten: Bis zu 400 junge Leute würden jährlich an beiden Hochschulen in den Fachrichtungen im vielfältigen Spektrum der Fahrzeugtechnik ausgebildet. Eckstein bekannte auch, dass im Fachbereich Maschinenbau, zu dem diese Sparte zählt, etwa 50 Prozent der Studenten durchfielen. Aber „daran arbeiten wir“, dass sich diese Zahlen verbesserten, so der Professor weiter.

Die Region, betonte Eckstein, sei ein „innovativer Standort, der auch durch „Mittelständler mit sehr viel Drive“ geprägt werde – „spannend“, fasste der Wissenschaftler dieses breite Engagement zusammen. Sein Fachwissen ist auch an höchster Stelle gefragt: Eckstein erläuterte ferner, dass er „mit am Tisch sitzt“ in der von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Leben gerufenen „Nationalen Plattform Elektromobilität“. Zudem, fügte er an, sei er seit gut einem Jahr Vorsitzender der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Kraftfahrzeug- und Motorentechnik (WKM), einem Netzwerk von rund 30 Professoren. Auch auf nordrhein-westfälischer Ebene mischt Eckstein mit: im Kompetenzzentrum Fahrzeugtechnik der Landesregierung.

Der ika-Leiter hat auch bei CAR noch viel vor, wie er vor den mehr als 70 Gästen im IHK-Foyer ankündigte. Dabei prägte Eckstein auch einen launigen Spruch: Ihm gehe es darum, vorzustellen, „wie durch das Zerspanen von Geld Wissen generiert und weitergegeben“ werde, um „Menschen in der Region zu halten und ihnen eine Perspektive zu geben“. Eckstein weiter: „Wir können alles produzieren rund ums Auto – und vor allem im Auto, was fast noch wichtiger ist.“ Die Präsentation des in der Region entwickelten Know-hows soll beispielsweise im Rahmen von mehreren Workshops erfolgen.

Dazu gehört auch die Vorstellung des „Aldenhoven Testing Centers“, wo Wissenschaftler der RWTH im Vorgriff des neu aufzubauenden Navigationssystems Galileo hochmoderne Anwendungen für die Automobiltechnik entwickeln wollen. Außerdem gehe es auch um die Herstellung von Fahrzeugen und Komponenten vom Prototypen bis zur Großserie. Weitere aufschlussreiche Veranstaltungen wie etwa der Besuch des Ford-Forschungszentrums in Aachen runden das CAR-Jahresprogramm ab.

Geschäftsführer des Netzwerks, das bei der Agit am Aachener Europaplatz seinen Sitz hat, ist Michael Preising.

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