Aachen/Eupen - Fühlen Sie sich sicher? Eine Studie fragt nach!

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Fühlen Sie sich sicher? Eine Studie fragt nach!

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
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Aachen/Eupen. Alle 29,3 Minuten wird in der Euregio Maas-Rhein eingebrochen. Schlimm für die Betroffenen - aber mit Blick auf Deutschland kein besonders alarmierender Wert. Denn bundesweit registrieren die Polizeibehörden alle zwei Minuten einen Einbruch.

Und laut Bundeskriminalamt gehen vor allem in Nordrhein-Westfalen mit seinen zahlreichen Großstädten viele Einbrecher zu Werke: 300 Mal und mehr verschafften sich Diebe 2011 je 100.000 Einwohner unerlaubt Zutritt zu einer Wohnung. Das Polizeipräsidium Aachen verzeichnete 2011 für die Städteregion 2062 Einbrüche, im Vergleich zu 2010 ein Anstieg von mehr als 23 Prozent und im Schnitt rund 250 Einbrüche pro 100.000 Einwohner.

Regelmäßig wird von Drogenplantagen in den benachbarten Niederlanden berichtet, Drogentourismus ist immer ein Thema. Grenzüberschreitend gingen die Strafverfolgungsbehörden zuletzt gegen Menschenhandel im Rotlichtmilieu vor. Dies legt den Gedanken nahe, dass die Euregio ein unsicheres Pflaster ist.

Wie empfinden das die Menschen, die in der Region leben? Diese Frage stellt eine Studie in den Mittelpunkt, die gerade im Rahmen des euregionalen Projekts Emrod erhoben wird. Den Aufhänger bilden laut Michael Dejozé, Kriminologe und Leiter des Projekts, jedoch nicht exorbitant hohe Fallzahlen, sondern die Erforschung „euregionaler Kriminalitätsphänomene”, wie er sie nennt: Drogendelikte, Wohnungseinbrüche und Menschenhandel.

Und er betont: Das Unsicherheitsgefühl basiere nicht automatisch auf Anzahl oder Schwere von realen Verbrechen. Beide können in Relation zueinander stehen, müssen es aber nicht. Dejozé will mit seinen Kollegen mehr über die Wahrnehmung der Bürger von Unsicherheit herausfinden. In der Beschreibung der Studie heißt es, es sei „das erste Mal, dass sich eine solche Beobachtungsstelle krimineller Vorkommnisse auf eine internationale, wissenschaftliche und sektorenübergreifende Art und Weise widmet”.

Emrod will einen euregionalen Überblick über das Gefühl der Unsicherheit erfragen und damit Neuland betreten. Wie beeinflussen Verbrechen das Sicherheitsgefühl von Menschen in der Grenzregion? Die Ergebnisse werden nach Abschluss der Studie und Auswertung der Daten den zuständigen Stellen, wie der Kriminologe sagt, zur Verfügung gestellt. Ihnen soll ein Bild von der Stimmung in der Bevölkerung vermittelt werden. Außerdem sollen die Daten Gradmesser für Polizei und Justiz in allen drei Ländern werden, wie ihre Arbeit in der Bevölkerung ankommt.

Nach einem möglicher Nutzen für die Menschen in der Region gefragt, nennt Dejozé ein Beispiel: „In Region A gibt es ein gutes Präventionssystem gegen Wohnungseinbrüche. Daraus resultiert ein niedriges Unsicherheitsgefühl. In Region B gibt es mehr Einbrüche und ein höheres Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung. Das wird sich in der Studie widerspiegeln und könnte eine Hinterfragung des Präventionssystems in Region B zur Folge haben.” Er betont: „In dieser Situation wird Emrod mit Rat und Tat zur Seite stehen, um die internationale Zusammenarbeit und den Austausch von effektiven Strategien zu fördern.” Es bestehe die Möglichkeit, von anderen Regionen zu lernen.

2000 Bürger aus der Euregio werden angeschrieben, in Orten der belgischen Provinzen Lüttich und Limburg sowie in den niederländischen und deutschen Grenzlagen. Sie werden gebeten, Fragen in einem circa 20-minütigen Interview zu beantworten. Ausgewählt werden sie nach Kriterien wie Alter, Geschlecht oder Wohnort. Das soll Repräsentativität garantieren. Inhaltlich geht es beispielsweise darum, ob sich der Befragte in seiner direkten Umgebung sicher fühlt und ob er in seinem direkten Umfeld Kriminalität etwa durch Vandalismus oder Graffitis wahrnimmt.

Zudem wird die Frage gestellt, wie oft der Befragte in die großen Städte der Euregio reist und wie sicher er sich im angrenzenden Ausland fühlt. Da Faktoren wie Einsamkeit das Unsicherheitsgefühl ebenfalls verstärken können, werden auch die allgemeinen Lebensumstände abgefragt. Die Interview-Phase endet am 19. November. Dejozé rechnet im März 2013 mit den ersten Ergebnissen.

Euregionales Projekt, Sitz in Eupen

Emrod (Euregio Maas-Rhein - Observatorium der Delinquenz) wurde im Jahr 2010 gegründet. Derzeit arbeiten drei Mitarbeiter für dieses Projekt, Sitz ist im belgischen Eupen. Ziel des Projekts ist, euregionalen Kriminalitätsphänomenen in internationaler Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg zu begegnen. Im Fokus stehen dabei vor allem Drogendelikte, Wohnungseinbrüche und Menschenhandel.

Sowohl bei der Polizei als auch in der Justiz waren in Belgien, Deutschland und den Niederlanden entsprechende Institutionen bereits etabliert. Was noch fehlte, war eine gemeinsame Einrichtung, die die Problemstellungen wissenschaftlich bearbeitet und in der Lage ist, Prognosen zu stellen oder Datengrundlagen zu liefern. Die aktuelle Studie ist ein europäisches Pilotprojekt, das von der Europäischen Union gefördert wird.

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