Früherer Aachener Neonazi steht in Leipzig unter Mordverdacht

Von: Michael Klarmann
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Leipzig. Als er noch Mitglied der Neonazi-Gruppierung „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) war, nahm er an rechten Aufmärschen teil. 2003 marschierte der damals 21-jährige Daniel K. etwa mit Neonazis durch Mönchengladbach und nahm in Aachen an einer Kundgebung der NPD teil, beide Male forderten die Rechten die „Todesstrafe für Kinderschänder”.

Der heute 28-Jährige sitzt nun in Leipzig in Untersuchungshaft, weil er mit einem 32-Jährigen im Zuge eines Streits einen 19-jährigen Iraker erstochen haben soll.

Fremdenfeindlicher Hintergrund?

Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Leipzig, Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz, sagte den „Nachrichten”, dass die Ermittlungen zu der Bluttat in der Nacht zum vorigen Sonntag „bisher noch kein konkretes und eindeutiges Motiv für die Tat ergeben” hätten. Die Ermittlungen liefen „weiter in alle Richtungen. Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann daher derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.” Bisher hätten die Verdächtigen keine Angaben zum Tathergang gemacht.

Nach Recherchen der „Nachrichten” war der gebürtige Leipziger K. über Jahre in der rechten Szene im Raum Aachen und Mönchengladbach aktiv, bevor er aufgrund Verurteilungen eine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Waldheim absitzen musste. 2008 stand K. mit anderen, teilweise sehr bekannten Neonazis auf einer Liste von inhaftierten „Kameraden”. Neonazi-Gruppen riefen dazu auf, ihnen Briefe „zu schreiben, um ihnen wenigstens einen kleinen Lichtblick im grauen Knastalltag zu spenden.” Im Mai 2010 wurde K. aus der Haft entlassen.

Seit dem Wochenende sitzen K. und der ebenso schon inhaftiert gewesene Erfurter Marcus E. (32) in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, in der Nacht zum Sonntag in einer Parkanlage am Hauptbahnhof in Leipzig den jungen Iraker niedergestochen zu haben. Beide Tatverdächtigen wurden kurz darauf in Tatortnähe festgenommen. Wenige Stunden später starb das Opfer im Krankenhaus. Ermittelt wird laut Oberstaatsanwalt Schulz gegen die beiden Verdächtigen wegen gemeinschaftlichen Mordes.

Das Todesopfer soll mit seiner Freundin und einem Deutschrussen am frühen Sonntagmorgen in einem Park auf die beiden angetrunkenen Deutschen getroffen sein. Bei einem Streit sollen sich die Tatverdächtigen auf den 19-Jährigen gestürzt und einer der beiden ihn mit einem tiefen Bauchstich schwer verletzt haben. Marcus E., bei dem die Polizei das Messer fand, war erst zwei Wochen zuvor aus der Haft entlassen worden.

Schon früh vermuteten die Ermittler einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat: K. hatte sich vor Fotografen mit einem Kleidungsstück vermummt, auf dem die Neonazi-Parole „Kick off Antifascism” stand - meint: Antifaschismus oder Antifaschisten wegtreten. Der Mann, der seit Jahren einen Schlagring auf seinem Hals tätowiert hat, war 2001 aus Leipzig in die Region Aachen-Düren gezogen und hatte gehofft, Arbeit zu finden.

Geiselnahme, Körperverletzung

Rasch fiel er in regionalen Neonazi-Kreisen auf. Trunkenheit am Steuer, Raub und Beleidigung von Polizisten bei Neonazi-Treffen in Mönchengladbach fanden sich bald in seinem Strafregister. Im Februar 2007 verurteilte das Landgericht Aachen K. gemeinsam mit dem KAL-”Kameradschaftsführer”, René L., wegen unterlassener Hilfeleistung, weil sie nach einem Saufgelage einen „Kameraden” nicht daran gehindert hatten, seine schwangere Freundin zu misshandeln. Mitte 2007 folgte gegen K. zudem ein Urteil wegen einer Geiselnahme in Stolberg sowie Körperverletzung. K. war deswegen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

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