Schleiden/Aachen - Frühere NS-Ordensburg Vogelsang muss ein Flächendenkmal bleiben

Frühere NS-Ordensburg Vogelsang muss ein Flächendenkmal bleiben

Von: Marlon Gego
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Ganz Vogelsang bleibt ein Denkmal: Das entschied das Aachener Verwaltungsgericht – zum Verdruss der Vogelsang-Vermarkter. Foto: dpa

Schleiden/Aachen. Die Vermarktung des Geländes der früheren NS-Ordensburg Vogelsang mitten im Nationalpark Eifel bleibt schwierig, das ergibt sich jedenfalls aus einem Gerichtsurteil. Denn das Aachener Verwaltungsgericht hat nun entschieden, dass die Gesamtanlage Vogelsang ein Denkmal bleibt.

Dagegen hatten der Kreis Euskirchen und der Bund als Eigentümer des Areals geklagt, allerdings wiesen die Aachener Richter die Klage in erster Instanz ab. Und was jeder Hauseigentümer weiß, das wissen auch die Vogelsang-Vermarkter: Wenn der Denkmalschutz kommt, wird es schwierig.

2012 hatten die zuständigen Denkmalschützer bei der Bezirksregierung Köln entschieden, dass das mehr als 100 Hektar große Vogelsang-Gelände als sogenanntes Flächendenkmal ausgewiesen werden muss, was es der Standortentwicklungsgesellschaft Vogelsang (SEV), an der der Bund über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben beteiligt ist, nachhaltig erschwert hat, Investoren für das Areal zu begeistern.

SEV-Geschäftsführer Thomas Fischer-Reinbach sagte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung: „Dass der Denkmalschutz die Hand über Vogelsang hält, ist insgesamt wichtig. Aber es hätte ausgereicht, die zentralen Gebäude und nicht die gesamte Fläche unter Schutz zu stellen.“

Dass Vogelsang zwar seit der Wiedereröffnung im September 2016 mit den beiden neuen Museen und der zentralen Anlaufstelle unter dem Adlerhof ein gutes Stück vorangekommen ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verantwortlichen sich eine sehr viel weiterreichende Entwicklung gewünscht hätten. Das ist auf Vogelsang ein offenes Geheimnis. Immer noch ist die Rede von einem Hotel, von einem Baumkronenpfad, von besseren Voraussetzungen für Tagungen und, und, und. SEV-Geschäftsführer Fischer-Reinbach sagte am Montag, die Denkmalschutzauflagen hätten einige Investoren davon abgehalten, sich auf Vogelsang zu engagieren.

Das Verwaltungsgericht machte in der am Montag veröffentlichten Urteilsbegründung allerdings deutlich, dass es keine Alternative dazu gegeben habe, die gesamte Fläche unter Denkmalschutz zu stellen. „Die Gesamtanlage Vogelsang bezeugt als Ensemble die Geschichte des Menschen in der Zeitspanne von 1934 bis 2005 anhand einer sich überlagernden Bautätigkeit.“ Die „singuläre Bedeutung“ dieser Gesamtanlage und „das Vorliegen wissenschaftlicher, namentlich politik- und militärgeschichtlicher sowie regional- und architekturgeschichtliche Schutzgründe“ lägen damit auf der Hand, heißt es in dem Urteil.

Der Kreis Euskirchen, einer von sieben Gesellschaftern der Vogelsang-Betreibergesellschaft, und der Bund haben nun einen Monat lang Zeit, beim Oberverwaltungsgericht Münster die Zulassung der Berufung zu beantragen.

 

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