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Friedensaktivisten planen Menschenkette bei Ordensverleihung

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
Pk Verteidigungsminister Guttenberg
Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Foto: dpa

Aachen. Zur Karnevalssitzung? Immer vorbei an den Holzkreuzen und den Grablichtern - und dann durch die große Tür ins Eurogress! Für diese eigenartige Ausschilderung zur Ordenssitzung des Aachener Karnevalsvereins (AKV) wollen diverse Friedensaktivisten der Region am 19. Februar sorgen. <br />

Diesen Empfang halten sie für durchaus angebracht, wenn der AKV drinnen im Saal den Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg mit dem Orden wider den tierischen Ernst auszeichnen will.

Der „blaublütige Befürworter einer klaren Kante” sorge für Glanz im grauen Politikeralltag, meinen die Ordensverleiher. Aber die Gäste der noblen Veranstaltung sollten eben auch „die andere Seite der Glamour-Welt sehen, die Minister zu Guttenberg verkörpert”, sagt Ansgar Klein, der Sprecher der „Würselener Initiative für den Frieden”.

Der weiß zahlreiche Unterstützer hinter sich beim Protest gegen die närrische Ehrung des Ministers. Vertreter verschiedener Gruppierungen - darunter etwa der Aachener Friedenspreis, Pax Christi oder Attac - hatten am Dienstag bei einem Koordinierungstreffen im Aachener Welthaus beratschlagt, wie der Protest ausgedrückt werden soll.

Mit einer „Menschenkette gegen den Krieg” wollen die Friedensaktivisten am 19. Februar die Besucher der AKV-Sitzung enmpfangen. Niemand werde behindert, verspricht Otmar Steinbicker, ehemals Vorsitzender des Aachener Friedenspreis e.V. und heute Herausgeber des Internet-Friedensmagazins „Aixpaix” auf Anfrage der „Nachrichten”. Da werde sich „niemand in den Weg legen”.

Aber die Gäste des AKV, üblicherweise auch viel Prominanz aus Politik und Wirtschaft, solle die Demonstranten eben „optisch zur Kenntnis nehmen”. Nach derzeitigen Überlegungen müsste es dafür ausreichend Gelegenheit geben: Geplant ist eine Menschenkette von der Monheimsallee bis zum Eingang des Eurogress.



„Der Gang an uns vorbei wird nicht fröhlich und lustig”, meint Steinbicker, „wir werden zum Nachdenken anregen, das wird sehr viel wirkungsvoller.” Die Denkanstöße sollen von Plakaten und Transparenten ausgehen. Da habe es etwa sehr viel Zuspruch für die Losung „Krieg ist tierisch ernst” gegeben, berichtet Otmar Steinbicker. Sein Mitstreiger Ansgar Klein bringt die Losung des ökumenischen Friedensdekade 2010 ins Gespräch: „Es ist Krieg - entrüstet euch!”

„Wirtschaftskriege”

Der Protest soll in jeden Fall „still und mahnend” (Steinbicker) ablaufen, allenfalls könnte eine Trommel mit einzelnen monotonen Schlägen für das akustische Ambiente eines Trauerzuges sorgen, meint Ansgar Klein. Damit und mit Holzkreuzen und Grablichtern solle klargemacht werden, „dass es in Afghanistan und den folgenden Wirtschaftskriegen um Tote geht”.

Steinbicker will nicht ausschließen, dass in zeitlicher Nähe zur Aachener Ordenssitzung wieder deutsche Soldaten am Hindukusch ihr Leben lassen. Er verweist auf Ankündigungen, offensiver gegen die Taliban vorzugehen, und schließt daraus, dass es die sonst üblicher Winterpause in Afghanistan diesmal womöglich nicht gibt.

In solchen Zeiten einem Bundesverteidigungsminister einen Karnevalsorden umzuhängen, stößt den Friedensaktivisten sauer auf. Ausgerechnet in Aachen, der Stadt des Friedenspreises, werde ein Mann geehrt, „der offen Wirtschaftskriege gutheißt”, heißt es in einem offenen Brief an den AKV. Und das tue er mit einer „Selbstverständlichkeit”, die Ansgar Klein auf die Palme bringt.

Der Protest gegen diese närrische Auszeichnung soll in jeden Fall ganz ohne Aufgeregtheiten ablaufen, betont Otmar Steinbicker. Und auch die Personenschützer und Sicherheitsleute, die immer ein wachsames Auge auf die Hochkaräter im Saal haben, müssten sich vor den stillen und mahnenden Demonstranten nicht fürchten.
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