Freitagsgebet in Köln: „Wir dürfen uns nicht provozieren lassen”

Von: Christoph Driessen, dpa
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Die Zentralmoschee in Köln, aufgenommen im August 2012. Foto: dpa

Köln. Die Kölner Zentralmoschee kurz vor Beginn des Freitagsgebets. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als gehe es zu einer Baustellenbesichtigung. Vorbei an Absperrgittern, Gerüsten und rotweißen Bändern.

Der Eingang ist nichts weiter als ein Bretterverschlag. Drinnen unverputzte Wände. Eigentlich sollte die Zentralmoschee, das größte islamische Kulturzentrum Deutschlands, längst fertig sein, doch der Architekt und der Bauherr, die Türkisch-Islamische Union (Ditib), haben sich verkracht. Nun geht es nicht mehr recht voran.

Dennoch gibt es hier schon islamisches Leben. Einige Männer sitzen auf einem großen Gebetsteppich, andere stehen im Vorraum und unterhalten sich. Zu dem antiislamischen Schmähvideo aus den USA will hier drinnen niemand etwas sagen. „Eine Moschee ist ein Ort des Friedens”, sagt ein untersetzter Herr und lächelt. „Kein Ort für Politik.” Er verweist auf den Text der Freitagspredigt, in der es heißen wird: „Der Islam lehrt uns, barmherzig zu sein.”

Tritt man ein paar Schritte vor die Moschee, ist die Zurückhaltung sofort weg. Vor allem die Jungen sagen gern ihre Meinung zu dem Video. „Natürlich hat der Film auch mit uns hier zu tun”, sagt Rahman Jami (44) aus Hamburg, der mit seinem Sohn Habib (22) hergekommen ist, um sich die neue Moschee einmal anzusehen. „Es geht schließlich um unseren Glauben.” Zwar hat er den Film selbst nicht gesehen, aber was er darüber gelesen hat, lässt für ihn keinen Zweifel daran, dass er sehr verletzend sein muss. „Wir machen doch auch keine Filme, in denen wir den christlichen Glauben verspotten.” Sein Sohn nimmt es gelassener: „Mit sowas muss man leben.”

Der Kuppelbau der Moschee erhebt sich mitten im Getümmel des Kölner Szeneviertels Ehrenfeld. Zwischen den Muslimen bahnt sich ein Transvestit mit schief sitzender Perücke und Netzstrümpfen seinen Weg vorbei an den Bauzäunen. Teilweise kommen drei Generationen zusammen zum Gebet. Viele begrüßen sich mit Schulterklopfen, man kennt sich.

„Wir dürfen uns nicht provozieren lassen” - dieser Satz fällt immer wieder. Einer derjenigen, der ihn mehrmals ausspricht, ist Kus Selahattin. Teilweise klingt es geradezu beschwörend. Warum können Muslime die ganze Sache nicht einfach ignorieren? Christen gehen doch nicht auch nicht immer gleich auf die Barrikaden. „Das liegt daran, dass wir Muslime unsere Religion noch ernst nehmen”, sagt Eyyub Kumas (21). „Die Religion spielt für uns eine ganz andere Rolle. Gott und den Propheten Mohammed darf man nicht beleidigen.”

Kumas ist ein sportlicher junger Mann mit gepflegtem Bart und Adidas-Jacke. Er ist in Köln geboren, spricht mit Kölschen Akzent, studiert Informationswirtschaft. Er hat mehr deutsche als türkische Freunde, sagt er. „Ich häng auch mehr mit den Deutschen ab.” Und doch hat er vor einiger Zeit seine deutsche gegen die türkische Staatsbürgerschaft eingetauscht. „Ich habe mich so wohler gefühlt”, sagt er. „Bei uns Türken ist das dieser nationale Stolz.” Mit der Religion habe es nichts zu tun.

Das Schmähvideo sieht er in einer Reihe mit den dänischen Mohammed-Karikaturen. „Wir sind das langsam gewohnt. Aber es tut weh.” Die Kommunikation zwischen den Muslimen und dem Rest der Welt funktioniere einfach nicht richtig. „Man versteht uns nicht, und wir können uns auch nicht richtig verständlich machen.” Vielleicht werde das ein wenig besser, wenn die Moschee erst einmal fertig sei. „Dann werden vielleicht manche Leute sagen: „Wow, was für ein tolles Gebäude.”” So wie beim Dom, hofft er. „Oder ein bisschen so.”
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