Forum zur Heiligtumsfahrt verspricht fröhliches Pilgern

Von: Marlon Gego
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Meist lustig, manchmal bedächtig: Das Podium des Diskussion zur Aachener Heiligtumsfahrt im Forum M der Mayerschen Buchhandlung in Aachen bestand aus Lidia Aouba, Manfred Lütz, Heinrich Mussinghoff und Rolf-Peter Cremer. Foto: Andreas Steindl
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Die Moderatoren waren Bernd Mathieu und ... Foto: Andreas Steindl
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... Peter Pappert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn Manfred Lütz in den Raum kommt, ist es ja oft so, dass die anderen Menschen fast automatisch gute Laune bekommen, weil sie wissen: Gleich wird‘s lustig. Und was soll man sagen, genau so ist es ja auch oft, und so war es auch am Donnerstagabend im Forum M der Mayerschen Buchhandlung in Aachen, als Manfred Lütz einer von vier Gästen war beim Diskussionsforum unserer Zeitung zur Aachener Heiligtumsfahrt Ende Juni.

Zwar hat die Pilgerei und hat generell auch die katholische Religion durchaus ernste Aspekte, aber Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff gab den etwa 300 Besuchern am Donnerstagabend zu wissen: „Man lebt nicht allein aus der Bekenntnisschrift, sondern die Sinnlichkeit ist ein wichtiger Teil unserer Religion.“ Da gab‘s Applaus.

„Was ist heilig“

Bernd Mathieu, der Chefredakteur unserer Zeitung und gemeinsam mit unserem Redakteur Peter Pappert Moderator des Abends, versuchte im Gespräch mit dem Bischof zu eruieren, was es denn nun mit den Heiligtümern auf sich hat. Mussinghoff, das muss man wissen, ist Westfale und damit in seinem Wesen so ziemlich das Gegenteil von den Rheinländern Bernd Mathieu und Manfred Lütz. Mathieus erste Frage:

„Herr Bischof, was sind Heiligtümer?“

Mussinghoff lächelt und schweigt, das Publikum lacht mit.

Mathieu: „Etwas ausführlicher bitte.“ Noch mehr Gelächter im Publikum.

Mussinghoff: „Heiligtümer sind immer als heilig angesehen worden.“

Mathieu: „Was ist heilig?“

Mussinghoff: „Gott ist heilig“, und schon waren alle mitten im Thema.

Im Dezember hatte Mussinghoff im Interview mit unserer Zeitung erklärt, auch ohne die vier Heiligtümer im Dom, die er „Plörren“ nannte, ein guter Christ sein zu können. Am Donnerstag ergänzte er, es gebe zwar eine Annäherung an die Echtheit der Heiligtümer, der Reliquien, aber ein Beweis sei kaum zu erbringen, „weil wir weder die DNA von Jesus Christus noch von Maria kennen“. Die Bedeutung der Heiligtümer verstehe sich aus dem Glauben heraus. So ist sie gewissermaßen eine Analogie zum Wesen der Religion: Man weiß nicht, man glaubt.

Der Bischof findet es generell gut – Heiligtümer hin, Echtheit her – wenn Menschen in großen Gruppen zusammenkommen, feiern, vielleicht sogar gemeinsam beten. Darin sieht er den vornehmlichen Zweck der Heiligtumsfahrt, auf diese Weise, glaubt er, „kommen Menschen in Bewegung“: körperlich und geistig.

Die Bonner Kommunikationswissenschaftlerin Lidia Aouba war gewissermaßen als Stellvertreterin der Jugend und ihrer Haltung zu Kirche und Heiligtumsfahrt eingeladen. Aouba war auch deswegen nicht mit dieser großen Aufgabe überfordert, weil sie als Gruppenleiterin in der Bleiberger Fabrik, einer Aachener Kunst- und Bildungseinrichtung, seit Jahren eng mit Jugendlichen in Kontakt kommt. „Es ist nicht so, dass junge Menschen nicht mehr gläubig wären“, sagte Aouba. „Es ist nur so, dass viele nicht mehr religiös sind.“ Ein großer Satz, der ein wichtiges Problem der katholische Kirche auf den Punkt bringt.

Der Harry-Potter-Effekt

Es gibt trotzdem Hoffnung. Domkapitular Rolf-Peter Cremer, maßgeblich mit der Programmgestaltung der Heiligtumsfahrt befasst, sagte, die „Nacht der Jugend“ am 28./29. Juni sei bereits überbucht, mehr als 1000 Jugendliche hätten sich angemeldet. Cremer glaubt, dass etwa die Harry-Potter-Romane ein neues Interesse an Geheimnisvollem, an Mystischem begründet hätten, was dem Bistum bei der Vermarktung der Heiligtumsfahrt wahrscheinlich helfe. Ein anderer Aspekt sei das Interesse am Pilgern, das durch Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ maßgebend geweckt worden ist.

Und dann kam Manfred Lütz. Schon als er auf die Bühne schritt, fingen die ersten an zu lachen. Lütz ist so etwas wie der Universalgelehrte des deutschen Kabaretts, er hat mehr Fächer studiert, als es überhaupt gibt, zum Beispiel Medizin und Theologie, und besitzt die Gabe, schon durch bloßes Sprechen gute Laune zu verbreiten, wenn er es drauf anlegt. Er ist ein großer Fan christlicher Reliquien, auch von denen im Aachener Dom, weil sie Gott, wie er findet, greifbarer machen.

„Da liegt Jesu Windel, da sehen wir, Mensch, der war genau wie wir, der hat auch in die Windel gekackt“, und klar, das ist natürlich ein Satz, wie das Publikum ihn hören will. Oder dieser, Thema Wallfahrten: „Das schöne am Wallfahren: Es wirkt innerlich und äußerlich, es ist ganzheitlich. Wenn Ihnen hingegen ein Arzt was von ganzheitlicher Medizin erzählt, dann wissen Sie: Das ist Quatsch.“ Großes Gelächter.

Seiner These allerdings, dass es gleich sei, ob die Wissenschaft die Echtheit der Reliquien beweise oder widerlege, wurde von einem Wissenschaftler im Publikum kritisiert, und Lütz gab gern klein bei. Andererseits: „Wenn wir 80 Prozent der Zeit damit verbringen, uns über die Echtheit von Reliquien zu unterhalten, dann verpassen wir die Erfahrung, die Reliquien ausmacht: Dass Jesus Christus ein Mensch war.“ Applaus.

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