Aachen - Forum Justiz: Hausbau, die größte Investition des Lebens

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Forum Justiz: Hausbau, die größte Investition des Lebens

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
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Ein zugkräftiges Thema: Rund 400 Teilnehmer kamen zum Justizforum „Bauen ohne Überraschungen“ ins Justizzentrum. Foto: Andreas Steindl
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Ein zugkräftiges Thema: Rund 400 Teilnehmer kamen zum Justizforum „Bauen ohne Überraschungen“ ins Justizzentrum. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Einmal im Leben: Der Bau eines Einfamilienhäuschens ist für die meisten Normalbürger die größte Investition, die sie jemals tätigen werden. Und trotzdem ist der Boom auf die eigenen vier Wände ungebrochen. Das aktuell niedrige Zinsniveau der fälligen Kredite, die potenzielle Bauherren in der Regel aufnehmen müssen, trägt weiter dazu bei, Begehrlichkeiten zu schüren.

Und so war es natürlich auch keine Überraschung, dass die 17. Auflage des Justizforums unserer Zeitung unter dem Motto „Recht im Zentrum“ zu einem wahren Anziehungspunkt für die Leser mit rund 400 Teilnehmern wurde. Das gemeinsam mit dem Anwaltverein Aachen und der Rheinischen Notarkammer präsentierte Forum zum Thema „Bauen ohne Überraschungen“ wurde vom Journalisten Manfred Kutsch (Zeitungsverlag Aachen) moderiert.

Breites Spektrum

Das Spektrum der Experten war breit gestreut. Gleich sechs ausgewiesene Fachleute rund ums Bauen und seine oftmals verzwickten juristischen Auseinandersetzungen ließ Kutsch zu Wort kommen, vom Architekten Professor Michael Zingel und Bauunternehmer Joachim Neßeler bis zu den Rechtsanwälten Carlo Soiron und Michael Kirsch, dem Notar Martin Kley und dem in Baustreitigkeiten erfahrenen Vorsitzenden Richter am Landgericht Aachen, Prof. Uwe Meiendresch.

Es wurde eine kurzweilige, informative Debatte, die natürlich nicht alle Fragen aus dem Publikum erschöpfend beantworten konnte. Doch im Anschluss an den offiziellen Teil nutzten viele Teilnehmer noch die angebotene Möglichkeit, auch unter vier Augen mit den Spezialisten ihre vielfach komplexen, besonderen Einzelfälle weiter zu vertiefen.

Formal nannte Michael Zingel als erster Referent einen Baumangel die „Abweichung von der vertraglich geschuldeten Bauqualität vom Sollzustand“. Doch nicht jeder Baumangel sei auch ein Bauschaden. Dass es allerdings oftmals unterschiedliche Ansichten gebe, „endet die Auseinandersetzung oftmals im Streit“, sorge für „erheblichen Verdruss“. Prof. Zingel stimmte das aufmerksame Auditorium mit Bildern bekannter großer Streitverfahren auf das Thema ein, der Elbphilharmonie in Hamburg oder den Berliner Flughafen. Trotz aufwendiger Planung gebe es bei Projekten der öffentlichen Hand vielfach Streit. „Offensichtlich gibt es kein mängelfreies Bauvorhaben.“

Zingel machte deutlich, dass bereits 40 Prozent der späteren Bauschäden bereits in der Planungsphase angelegt seien. Bei der Ausführung kämen 30 Prozent hinzu, lediglich 15 Prozent durch das verwendete Material. Die Planung zu intensivieren, die genaue Klärung der Grundlagen und die Vermeidung kurzfristiger Änderungen helfe, das latente Streitpotenzial zu reduzieren.

Doch wenn die Meinungen der beteiligten Seiten nicht übereinstimmten, müsse nicht gleich der Gang zum Gericht angetreten werden, verwies Zingel etwa auf die Arbeit der Schlichtungsstellen der Handwerkskammer. Wie schwierig es ist, bei „versteckten Mängeln“ zu seinem Recht zu kommen, machte Anwalt Carlo Soiron deutlich. Beim Nachweis müsse etwa Arglist belegt werden können.

Und wer haftet? „Damit können wir den ganzen Abend verbringen“, ergänzte Anwalt Michael Kirsch den Blick auf die „komplexe Juristerei“. Mit dem Bauträgervertrag – Bauen und Kaufen aus einer Hand“ beschäftigte sich der Notar Martin Kley. Und „Bauen ohne Überraschungen“ waren das Thema des Bauunternehmens Joachim Neßeler, der Tipps gab, wie die Baukosten im Griff gehalten werden können. Und er gab den guten Rat, kurz vor Ablauf der Gewährleistungsfrist nochmals das Haus mit dem Architekten gemeinsam genau unter die Lupe zu nehmen.

Doch „Zoff am Bau“ landet eben doch oft genug auf dem Richtertisch, so der Vorsitzende Richter Prof. Uwe Meiendresch. „Recht und Technik muss jeden Tag neu durchgesetzt werden.“ Er kündigte an, dass das Gericht demnächst verstärkt auf eine „Mediationsoffensive“ setzen wolle, um Streit einzudämmen. „Verhandeln Sie vor dem Rechtsstreit“, empfahl er frustrierten Häuslebauern nachdrücklich.

Wer die Vorträge der Referenten des Forums nachlesen möchte, findet sie als PDF zum Herunterladen in der linken schmalen Spalte dieses Artikels.

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