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Fortuna Köln lässt Fans mitbestimmen

Von: Matthias Kleineidam, dpa
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Fortuna Köln
auf dem Spielfeld im Kölner Südstadion neben einem Fußball: Spielertransfers, Trikotdesign und Bierpreise - der Traditionsclub Fortuna Köln geht bei der Mitbestimmung durch die Anhänger ganz neue Wege im deutschen Fußball. Foto: dpa

Köln. Spielertransfers, Trikotdesign und Bierpreise - der Traditionsclub Fortuna Köln geht bei der Mitbestimmung durch die Anhänger ganz neue Wege im deutschen Fußball. Beim NRW-Ligisten aus der Domstadt können die Fans von dieser Rückrunde an direkten Einfluss auf das Management und den Spielbetrieb des Vereins nehmen, wenn sie Mitglieder bei der Internetplattform „deinfussballclub.de” sind.

Nur bei der Aufstellung hat der Trainer das letzte Wort, muss seine Entscheidung gegen die Wunschformation der Fans allerdings kurz vor dem Spiel im Chat rechtfertigen. „Das ist ein einzigartiges Projekt in Deutschland”, sagt Dirk Daniel Stoeveken, Gründer und Geschäftsführer der deinfussballclub.de DFC GmbH, vor dem ersten Pflichtspiel des Jahres an diesem Sonntag (15 Uhr) beim VfB Hüls.

11.760 Fans haben sich weltweit bereits registrieren lassen, gut jeder Dritte davon kommt aus Köln. Prominenteste Mitglieder sind Regisseur Sönke Wortmann und der ehemalige Nationalspieler Jens Nowotny. Wortmann, der den Dokumentarfilm „Deutschland. Ein Sommermärchen” über die Fußball-WM 2006 drehte, ist Pate der Aktion. Der Kontakt zu ihm kam über Fortuna-Präsident Klaus Ulonska zustande. Nowotny wählten die Mitglieder zum sportlichen Berater.

Zu den Aufgaben des langjährigen Kapitäns von Bayer Leverkusen gehört die Analyse der sportlichen Situation. Er sei von den Mitgliedern vorgeschlagen worden und habe sich daraufhin bereiterklärt, die ungewöhnliche Aktion „für eine Aufwandsentschädigung” zu unterstützen, erläutert Stoeveken.

Vorbild des Projekts ist „myfootballclub.co.uk” aus England. Dort haben sich seit November 2007 rund 30.000 Fans zusammengetan, um für einen Jahresbeitrag von 35 britischen Pfund (rund 39 Euro) die Strippen beim Fünftligisten Ebbsfleet United zu ziehen. Per Internet entscheiden dort die Anhänger sogar über die Aufstellung des Teams sowie über Spielerverträge oder auch die Ticketpreise.

30.000 Mitglieder - diese Zahl hatten auch der 29 Jahre alte Stoeveken und Mitgeschäftsführer Peter Felden (42) zu Beginn des Projekts im April 2008 angepeilt. Bis zu dieser Marke fehlen laut Stoeveken zwar noch mehr als 18.000 Fans. „Doch wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden und werden das Ziel nicht aus den Augen verlieren.”

Um ein Mitspracherecht als „Co-Trainer” zu haben, müssen DFC- Mitglieder 39,95 Euro pro Jahr berappen. 30 Euro davon fließen in den Spielbetrieb der Fortuna, mit dem restlichen Geld werden unter anderem Pflege und Wartung der Internetplattform bezahlt. Die ersten Entscheidungen sind bereits getroffen: Neben dem Votum für Nowotny sprachen sich 80 Prozent der „User” dafür aus, die Zulassung für die Regionalliga zu beantragen - auch wenn das Team als Tabellen-Achter der NRW-Liga acht Punkte Rückstand auf die Aufstiegsplätze hat und die 2000 Euro für den Wirtschaftsprüfer am Ende rausgeschmissenes Geld sein könnten.

Die Ziele des Kölner Fan-Projekts sind klar definiert: Einerseits möchte der Fünftligist zurück in den bezahlten Fußball und wieder mehr Zuschauer als die zuletzt durchschnittlich erreichten 1000 Fans ins Südstadion locken. Andererseits möchte der Club seine Anhänger bei „relevanten Entscheidungen” mit einbeziehen, sagt Stoeveken.

„Wir wollen der weltweiten Entwicklung entgegenwirken und die Fans zum Fußball zurückbringen, statt sie vom Training auszuschließen. Und wir wollen objektive Entscheidungen und nicht persönlich motivierte.” Keinen Hehl macht Stoeveken daraus, dass sich die Ausgaben aus der eigenen Tasche möglichst schnell nicht nur amortisieren sollen. „Wir wollen mit dem Projekt auch Geld verdienen - keine Frage.”
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