Jülich - Forschung an HT-Reaktoren vor dem Aus

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Forschung an HT-Reaktoren vor dem Aus

Von: René Benden
Letzte Aktualisierung:
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Die Hülle des AVR-Reaktors ist aufgeschnitten worden. Im September soll der Reaktor auf sein Gebäude gehoben werden.

Jülich. Ende 2014 endet im Forschungszentrum Jülich (FZJ) die Ära der Forschung an Hochtemperaturreaktoren (HTR). Das teilte das Forschungszentrum am Mittwoch nach seiner Aufsichtsratssitzung mit. Die Testeinrichtungen auf dem Jülicher Forschungsgelände sollen außer Betrieb genommen werden.

Das FZJ betonte nochmals, dass die aktuelle Forschung an den HTR-Reaktoren einzig der Sicherheit gegolten habe. „Die vom Forschungszentrum vorgestellte Strategie in der Sicherheitsforschung, die es seit 2012 verfolgt, wurde im Aufsichtsrat – auch vor dem Hintergrund der durch das Grundgesetz garantierten Wissenschaftsfreiheit - breit akzeptiert“, heißt es in einer Stellungnahme des FZJ. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Düren, Oliver Krischer, begrüßte die Ankündigung des FZJ. „Das ist ein erster und guter Schritt in die richtige Richtung“, sagte Krischer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Forschung an Hochtemperaturreaktoren in Jülich geht bis in die 50er Jahre zurück. Forscher aus Jülich und Aachen verfolgten das Ziel, ein eigenes deutsches Reaktorkonzept auf den Markt zu bringen. Ab 1966 wurde in Jülich ein sogenannter Kugelhaufenreaktor betrieben. In seiner über 20-jährigen Laufzeit erwies sich der Reaktor jedoch als technisch problematisch. 1988 wurde er endgültig abgeschaltet.

Eine unabhängige Expertenkommission belegte vor einigen Wochen, dass der Reaktor zahlreiche Sicherheitsdefizite aufwies. Zentrale Probleme beim Betrieb waren laut Bericht nie richtig unter Kontrolle gebracht worden. Das wahre Ausmaß eines Störfalls 1978 sei vertuscht worden. Der Reaktor wird derzeit zurückgebaut und muss aufgrund seiner hohen radioaktiven Kontamination auf unabsehbare Zeit in Jülich gelagert bleiben.

In den vergangenen Wochen hatten Umweltverbände und die Grünen den Vorwurf erhoben, dass im Jülicher Forschungszen­trum immer noch Reaktorentwicklung betrieben werde, obwohl dies im Widerspruch zur energiepolitischen Ausrichtung des Landes NRW und des Bundes stünden. Das Forschungszentrum hatte dies bestritten.

Ganz wird aber die Forschung an Nuklearreaktoren auch nach 2014 in Jülich nicht beendet sein. Allerdings wollen sich die Jülicher Forscher dann um Sicherheitskonzepte für die weit verbreiteten Leichtwasser-Reaktoren kümmern. Das Forschungszentrum werde ab 2015 zur Sicherheit der in Deutschland und im benachbarten Ausland üblichen Leichtwasserreaktoren forschen, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese Forschung müsse eng begleitet werden, sagte Krischer: „Es muss Gegenstand der Beobachtung sein, was Sicherheitsforschung an Reaktoren bedeutet.“

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