Floriade 2012: mal spaßig, mal lehrreich

Von: Claudia Schweda
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Es ist kalt, es blüht wenig:
Es ist kalt, es blüht wenig: Die Welt-Garten-Expo in Venlo ist sicherlich etwas später im Jahr schöner. Zu bieten hat sie aber auch jetzt schon einiges. Foto: Heike Eisenmenger

Venlo. Beatrix, Königin der Niederlande, sollte am Donnerstag viel Fantasie zur Eröffnung der Floriade mitbringen. Ein Blick aus dem eigenen Fenster genügt, um zu ahnen, dass auch eine Welt-Garten-Expo der Natur kein Schnippchen schlagen und aus einem April keinen Juli zaubern kann.

Die Laubbäume sind an diesen wolkenverhangenen und plötzlich wieder so kalten Tagen noch kahl, und nur Narzissen, Hyazinthen und einige Tulpenarten bringen ein wenig Farbe ins Beet. Ähnlich trist ist noch der Eindruck vom 100 Fußballfelder großen Floriade-Gelände, wenn man derzeit mit der Seilbahn darüberschwebt. Dazu kommen die immer noch wühlenden Gartenbauer und die Bauarbeiter in den Pavillons, die immer wieder daran erinnern: Die Floriade 2012 wird im besten Fall pünktlich zur Eröffnung fertig sein.

Doch eine Blümchenschau alleine will die Welt-Garten-Expo ohnehin nicht sein: „Wir haben einen deutlichen Wechsel vollzogen von einer reinen Schau zu einer echten Erfahrung”, sagt Nico Koomen, Chef des niederländischen Gartenbaurates (NTR). Aus diesem Grund hat der NTR sich als Floriade-Direktor einen Mann vom Fach geholt: Paul Beck, früher in der Leitung der TV-Produktionsfirma Endemol und des Freizeitparks Efteling. Den Anspruch des NTR übersetzt Beck so: „Ich will den Besuchern ein Erlebnis verkaufen, nicht nur eine Gartenbauausstellung.”

Deswegen werden die Besucher jeden Tag von Musik und Straßentheater irgendwo auf dem Gelände überrascht. Deswegen wird die große Seebühne mit einem Sonderprogramm bespielt. Deswegen gibt es die Seilbahn aus dem österreichischen Montafon inklusive echt österreichischer Einstiegshilfe. Während die Achtergondel langsam heranschwebt, erklärt Sepp, Typ Skilehrer, der für ein halbes Jahr die Alpen gegen die niederrheinische Tiefebene getauscht hat, dass diese Bahn „komplett neu isch” und im Winter im Skigebiet stehen wird.

Über das Dach der Welt gehen

Am Ende der 900 Meter langen Fahrt landet man fast zu Füßen des NTR-Pavillons „The Dome”. Im Innern dieser silbern glänzenden Halbkugel sollen die Menschen mit einem 360-Grad-Film für den Gartenbau gefangen genommen werden. Nebenan steht das nächste emotionale Erlebnis: der „Earthwalk” des Hauptsponsors Rabobank, bei dem der Zuschauer meinen könnte, über das Dach der Welt zu gehen - mal mehr, mal weniger hoch. Unter einer Glasscheibe zu seinen Füßen ziehen in einem fünfminütigen Film Vogelschwärme vorbei, riesige Sonnenblumenfelder oder eine Rennradfahrer-Kolonne. Nach dem Film kann man außen aufs Dach dieser „Erde” gehen und von der Terrasse aus die Aussicht auf die Floriade genießen. So etwas macht einfach Spaß - hat mit Gartenbau allerdings wenig zu tun.

Wie viele Besucher hier erwartet werden, zeigen die endlosen Reihen von Metallgeländern vor diesen Attraktionen: 35 000 Menschen sollen es an Spitzentagen sein, am Ende mindestens zwei Millionen insgesamt. Nur 40 Prozent davon sollen aus den Niederlanden selbst kommen, ebenso viele aus dem angrenzenden Deutschland, weswegen alle Informationstafeln auch eine deutsche Version zeigen.

Fünf Themenbereiche sind in frühere Ackerflächen in einem alten Kiefernwald implantiert worden: Es geht um Lernen und Innovation, Gartenbau als Wirtschaftsmotor, Entspannung, Lebensqualität und Gartenbau als kulturelle Inspiration. Angst vor zu großen Entfernungen muss niemand haben: Die Strecken, die man von einem zum anderen Bereich durch Waldabschnitte zurücklegen muss, sind erstaunlich kurz; maximal 200 Meter. Trotzdem braucht man Zeit für diese Expo mit Beiträgen von 100 Teilnehmern aus 40 Ländern. Sieben Stunden mindestens empfehlen die Expo-Macher.

An einem warmen Sommertag werden die vielen Wasserflächen in den Themenbereichen ihren Charme entfalten. Schwimmende Terrassen mit Sonnensegeln und viele Sitzgelegenheiten lassen erahnen, wie schön ein Picknick bei etwas angenehmeren Temperaturen auf der Floriade sein kann.

Pavillon so hügelig wie NRW

Das kann man auch im NRW-Pavillon genießen, der vor allem im Außenbereich spektakulär ist. Seine Form steht für das, was Niederländer mit NRW verbinden: das Hügelige. Innerhalb dieser Hügel kann man sitzen, sich erholen, klettern oder im Sand spielen. Der kleinere Innenbereich dient der Information. Fast täglich sind Gartenberater vor Ort. In der Woche nach dem 25. Juni stellen sich Tourismusverbände aus dem Kreis Heinsberg vor, in der darauffolgenden Woche die der Eifel.

Bis es wärmer ist, bieten sich die Pavillons als Aufenthaltsort an. Etwa das „Huis van de Smaak”, das Haus des Geschmacks, in dem Riechen und Schmecken im Vordergrund steht. Neben Informationen und Lernspielen werden internationale Spitzenköche dort vor Publikum kleine Appetithappen aus dem zaubern, was der niederländische Obst- und Gemüsebau so hergibt. Und Kinder können in einer einstündigen Kochschule lernen, wie lecker selbst zubereitetes Essen schmeckt. Überhaupt: Kinder werden den Bereich Lernen und Innovation lieben: Dort können sie etwa auch in die Rolle einer Biene schlüpfen, auf ihrer Flughöhe ein Haus voller Blüten betreten und mit Sensoren „Pollen” einsammeln, aus denen dann „Honig” wird.

Die Idee der Nachhaltigkeit

Die Macher der Floriade wollen so die Sinne für den Wert der Natur schärfen. Die Floriade 2012 hat das Überthema „Nachhaltigkeit”. Alles, was jetzt die Floriade ausmacht, kann später abgebaut, wiederverwertet oder weitergenutzt werden. Abgehangene Decken sind aus Pappe, Wasserleitungen aus Keramik, Stühle aus unbehandeltem Holz, viele Gegenstände nur angemietet, selbst für die Pflanzen im Dschungelhaus steht heute schon fest, wo sie künftig stehen werden. Und die Erschließung des Geländes selbst wird für den späteren Gewerbepark genutzt.

Nur dort, wo die alte Blümchenschau-Idee der Gartenbauausstellung durchkommt, schwächelt die Nachhaltigkeitsidee ein wenig: in der Villa Flora. Nicht im Gebäude selbst. Das ist energetisch tipp-topp. Die Wärme, die in dem gewächshausähnlichen Bau im Sommer entsteht, wird in der Erde gespeichert, um im Winter das Gebäude zu heizen. Doch die Blumen-Ausstellung darin zeigt viel von dem, was mit Nachhaltigkeit eben wenig zu tun hat. Ein Beispiel: Ein Elefant entsteht in mühevoller Kleinarbeit durch Orchideenblüten, die einmal die Woche ausgetauscht werden müssen und extra aus Thailand eingeflogen werden. Solcher Blumenschmuck steht wohl eher für eine sorglose Wegwerfgesellschaft.

Doch insgesamt geht das Konzept auf. Die Floriade hat ihren Preis. Geboten wird dafür ein Erlebnis - und wer will, kann nebenbei viel lernen.
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