Feuerwehr mit neuer Ausrüstung für Chemieunfälle

Von: Petra Albers, dpa
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Spezialcontainer für Chemieunfälle für Feuerwehren in NRW
Feuerwehrleute in Schutzanzügen führen in Düsseldorf in einem Spezialcontainer die Erstversorgung von Verletzten bei einem Chemieunfall vor. Die Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen sollen künftig noch besser für Chemieunfälle ausgerüstet werden. Foto: dpa

Düsseldorf. In ihren Schutzanzügen sehen die beiden Feuerwehrleute aus wie gelbe Astronauten: Wenn sie bei einem Chemieunfall die Verletzten von gefährlichen Stoffen reinigen, müssen die Helfer sich selbst schützen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf (FDP) übergab dem Landesinstitut der Feuerwehr am Montag in Düsseldorf eine Spezialanlage, in der Katastrophen-Opfer dekontaminiert und versorgt werden können.

Nach und nach sollen alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW mit sogenannten Abrollbehältern ausgestattet werden. Die ersten 20 Behälter im Wert von jeweils 250 000 Euro werden in den kommenden Wochen ausgeliefert.

Die Verunreinigung einer Vielzahl von Menschen mit gefährlichen Stoffen stelle die Katastrophenschutz-Einheiten vor große Herausforderungen, sagte Wolf. Ehe die medizinische Versorgung beginnen könne, müssten die Betroffenen so schnell wie möglich von den Giftstoffen gesäubert werden.

„Dafür müssen wir nicht nur personell, sondern auch technisch gerüstet sein”, sagte Wolf. „Mit den neuen Abrollbehältern stärken wir den Katastrophenschutz und die überörtliche Hilfeleistung.”

60 besonders geschulte Feuerwehrleute gehören zu einer Dekontaminations-Einheit. Im Notfall könne die Station in weniger als einer Stunde aufgebaut werden, erläuterte der Leiter des Feuerwehr- Instituts, Gisbert Rodewald. Zunächst wird den Menschen die verseuchte Kleidung ausgezogen.

Verletzte, die nicht mehr gehen können, werden auf eine Art Plastikschlitten geschnallt und über ein Rollband zu einer Dusche transportiert. Dort waschen die Helfer sie mit einem Dekontaminationsmittel ab. Nach dem Abtrocken werden die Verletzungen behandelt.

Die Anlage könne bei ABC-Unfällen eingesetzt werden, bei denen eine große Anzahl von Opfern oder Einsatzkräften dekontaminiert werden muss, sagte Rodewald. Mögliche Szenarien seien eine Explosion in einem Chemiebetrieb, ein Unfall in einem Forschungslabor für biologische Stoffe oder ein Terroranschlag mit einer „schmutzigen Bombe”, die radioaktives Material freisetzt. Pro Stunde können 50 Verletzte durch einen Spezialbehälter geschleust werden.

Für das Jahr 2008 listet der Gefahrenabwehrbericht des Innenministeriums elf Chemie-Störfälle oder CO2-Unfälle in NRW auf. So waren im August bei einem Gas-Unfall in einem Mönchengladbacher Lack-Lager 107 Menschen verletzt worden. Bei einem Störfall in einem Chemiebetrieb in Wülfrath gab es 53 Verletzte durch eine Gaswolke.

Insgesamt rückten die Feuerwehren in NRW im vergangenen Jahr zu rund 1,6 Millionen Einsätzen aus. Dabei retteten sie nach Ministeriumsangaben fast 12.400 Menschen. Die Brandeinsätze gingen im Vergleich zum Vorjahr zurück, allerdings stieg die Zahl der Wohnungsbrände. Das Land NRW gab für den Katastrophen- und Feuerschutz 840 Millionen Euro aus, fünf Prozent mehr als 2007.
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