Aachen - Feuer in Triebwagen der Euregiobahn: Zwei Verletzte und Millionenschaden

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Feuer in Triebwagen der Euregiobahn: Zwei Verletzte und Millionenschaden

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Euregiobahn Feuer
Ein Nahverkehrszug ist am Montag in Aachen in Brand geraten. Die etwa 60 Fahrgäste konnten sich nach Angaben der Bundespolizei retten, zwei Menschen wurden mit Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Foto: Ralf Roeger
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Der Triebwagen brannte völlig aus. Ein Übergreifen auf den zweiten Wagen konnte aber verhindert werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Schock saß noch Stunden nach dem Unglück tief: „Am schlimmsten waren die Minuten, bis wir aus dem qualmenden Waggon springen konnten“, erinnert sich Meike Muskatewitz. Die 18-Jährige kam mit dem Schrecken davon. Die Bahn nicht.

Einen Schaden in Millionenhöhe, zwei Leichtverletzte, zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen hat der Brand eines Triebwagens der Euregiobahn am Montagvormittag in Aachen-Eilendorf gefordert.

Alle 60 Fahrgäste konnten den Zug aber auf offener Strecke verlassen, bevor die Feuerwehr anrückte. Ein nachfolgender Zug mit knapp 170 Passagieren wurde nahe eines Bahnhofes gestoppt und evakuiert. „Bei zwei Passagieren gab es den Verdacht einer leichten Rauchgasvergiftung, sie wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht“, sagte Einsatzleiter Leo Graf. Der Brandamtsrat war mit rund 40 Feuerwehrleuten und einem Großaufgebot an Sonderfahrzeugen im Einsatz.

Gegen 10.30 Uhr hatte die Triebfahrzeugführerin auf dem Weg von Stolberg nach Aachen Rauch und Brandgeruch in dem hinteren der zwei aneinandergekoppelten Euregiobahn-Wagen bemerkt. Sie leitete eine Notbremsung ein, alarmierte die Feuerwehr und ließ die zweigleisige Strecke sperren, damit die Fahrgäste gefahrlos aussteigen konnten. Sie retteten sich auf ein Firmengelände neben dem Gleisbett.

Minuten später stand der Triebwagen lichterloh in Flammen. Eine tiefschwarze Rauchsäule wies den Hilfskräften den Weg. Da die Oberleitung 15.000 Volt Stromspannung führt, konnte die Feuerwehr zunächst nur aus einigem Abstand Löschmittel auf den Brandherd pumpen.

„Kompliziert war’s, weil wir Wasser über Hunderte Meter Schlauch aus einem eigens herangefahrenen 5000-Liter-Tankfahrzeug herleiten mussten“, erklärte Graf. Der hintere Triebwagen brannte komplett aus, die Oberleitung schmolz und riss in der Hitze des Feuers.

Auf so viel Spannung hätte der erfahrene Feuerwehr-Profi Graf gerne verzichtet. Erst musste sich der Einsatzleiter zu Fuß durchs Gebüsch an der Bahnlinie kämpfen, dann lokalisierte er den gesuchten Triebwagen brennend auf offener Strecke zwischen Aachen-Rothe Erde und Eilendorf – und dirigierte per Funk das Großaufgebot der Helfer über den Zehnthofweg und das Firmengelände des Reststoffverwerters Wertz zum Unglücksort. „Die Passagiere waren da schon in Sicherheit“, erklärt Graf später. Und lobt die Triebwagenführer: „Die Mitarbeiter der Bahn haben sehr besonnen reagiert – das lief perfekt“, sagt er.

Vom gelöschten Waggon, der vor zehn Jahren etwa zwei Millionen Euro gekostet hat, bleibt Montagmittag nur ein verschmort-verkohltes Skelett übrig. „Die extreme Rauchentwicklung ist auf verbranntes Plastik zurückzuführen“, erläutert der Brandamtsrat. Obwohl die Feuerwehr schon fünf Minuten nach dem Alarm vor Ort ist, kann nur unter größter Vorsicht gelöscht werden. Die Hochspannungsleitung mit 15.000 Volt ist eine lebensbedrohende Gefahr für die Retter. „Die Spannung kann sich über das Löschwasser entladen. Und wir haben damit gerechnet, dass die Oberleitung in der Hitze reißt“, erläutert Graf.

Unter den 60 Passagieren, die sich vor den Flammen gerettet haben, ist die 18-jährige Auszubildende Meike Muskatewitz. „Erst gab es eine Notbremsung, dann Qualm und Brandgeruch“, schildert sie die bangen Minuten. Es sei gar nicht so einfach gewesen, ohne Bahnsteig die rund anderthalb Meter aus dem Waggon ins Gleisbett zu springen. „Da war ein Rollstuhlfahrer, eine Familie mit Kindern – alle haben sich total super gegenseitig geholfen“, sagt die junge Frau. Und auch die Mitarbeiter der Bahn seien sehr hilfsbereit gewesen, fügt Muskatewitz hinzu. Zwei Triebwagenführer und drei Servicekräfte der Bahn waren zum Unglückszeitpunkt an Bord.

Erst Stunden nach dem Unglück konnten die zwei etwa 35 Meter langen und jeweils 57 Tonnen schweren Triebwagen weggeschleppt werden. Die Bergungsarbeiten, die Zugumleitungen und den Schienenersatzverkehr mit Bussen organisierte ein Sondereinsatzteam der Bahn, das unmittelbar nach dem Unglück vor Ort eintraf.

Franz Welfens, der Projektleiter Euregiobahn der DB Regio, zeigt sich am Unglücksort erleichtert, dass das schwere Brandunglück „glimpflich“ ausgegangen ist. „Entscheidend für uns ist, dass niemand ernsthafte Verletzungen davongetragen hat.“ Nun begebe man sich auf die genaue Ursachensuche, heißt es. Vermutet wird ein Defekt in einem Schaltschrank des Waggons.

Der Brandunfall ist in der Geschichte der Euregiobahn beispiellos. Allerdings hatte erst am vergangenen Samstag eine S-Bahn auf dem Weg von Essen nach Düsseldorf gebrannt. 150 Fahrgäste mussten den Zug verlassen; auch sie blieben unverletzt.

Das Gleis Richtung Köln war ab 14 Uhr wieder befahrbar, in Gegenrichtung rollten ab 16.20 Uhr wieder Züge. Über 70 Züge kamen nicht ans Ziel oder hatten Verspätungen.

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