Felix, der glückliche, gerettete Kater

Von: cs
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Felix
Christina Seifert hat ihren Kater Felix wieder. Foto: Harald Krömer
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Christina Seifert hat ihren Kater Felix wieder. Foto: Harald Krömer

Herzogenrath. Felix, der Glückliche, heißt der kleine Kater, der vorige Woche verletzt von einem Lokführer der Euregiobahn von den Gleisen gerettet worden ist. Ein anderer Name ist auch kaum vorstellbar, wenn man sieht, wie der rot-weiß gestreifte Kater noch sichtlich mitgenommen in den Armen seiner Besitzerin in Herzogenrath liegt.

Christina Seifert (68) hat ihn wieder aufgepeppelt, nachdem sie ihn am Freitagmorgen in der Tierklinik in Aachen-Brand abgeholt hat. Er sei sehr schwach gewesen, habe nicht laufen können und anfangs auch nicht gefressen. „Er hat viel geschlafen die letzten Tage.“ Seit heute, sagt sie, gehe es etwas besser. Vorsichtig streichelt sie ihm übers Köpfchen. Die Wunde über dem rechten Auge ist nur noch ein schwarzer Fleck.

Christina Seifert, die mit ihrem Mann Karl-Heinz und einer weiteren Katze, Simba, in einem Haus mit Garten direkt am Fuß des Bahndamms unterhalb der Burg in Herzogenrath lebt, hat in ihrem ganzen Leben Katzen gehabt. „Immer zwei. Das reicht dann aber auch.“ Aber so etwas wie Felix, das hat sie noch nicht erlebt. „Er ist ein echter Wildfang.“ Erst vor vier Wochen ist der eineinhalbjährige Kater zu den Seiferts gekommen. Die zweite Katze neben Simba, die zehn Jahre bei ihnen gelebt hatte, war plötzlich gestorben.

So kam also Felix in die Familie. Seine alten Besitzer hatten ihn an die Katzenhilfe abgegeben. Die Seiferts erlebten ihn als ängstliches und unnahbares Tier. Er habe gekratzt und gefaucht, wenn sie sich ihm hätte nähern wollen. Eine Woche konnte die 68-Jährige ihn im Haus halten, damit er sich an sein neues Zuhause gewöhnt. Danach wurde sein flehentliches Miauen zu laut: Felix wollte raus, und Christina Seifert ließ ihn raus. „Er war nie weit weg. Immer nur in der Nachbarschaft. Wenn ich ihn gerufen habe, ist er immer gekommen.“

Bekanntschaft mit Bahngleisen hätte Felix aber auch schon bei diesen Ausflügen in die nähere Umgebung machen können: Keine zehn Meter vom Haus der Seiferts entfernt, verborgen hinter dichtem Gestrüpp, verläuft die Bahnlinie, auf der die Euregiobahn und alle Züge von Aachen Richtung Mönchengladbach nach Herzogenrath hineinfahren. Doch die Stelle, auf der der Kater verletzt auf den Gleisen gelegen hat, ist vier Kilometer entfernt in Alt-Merkstein. Eine weite Strecke. Wenn er nicht an den Gleisen entlanggelaufen ist, musste er quer durch die Stadt, durchs Broichbachtal und dann über viele Felder laufen.

„Es ist mir ein Rätsel, wie die Katze da hingekommen ist“, sagt Christina Seifert. Erst gegen Mittag sei Felix am Donnerstag raus. Doch schon um kurz nach zwölf Uhr habe der Lokführer ihn verletzt auf den Gleisen der Euregiobahn hinter Alt-Merkstein liegen sehen, die Bahn angehalten und Felix aufgenommen. Und das sei ja nun wirklich nicht selbstverständlich. „Es gibt schon noch gute Menschen“, sagt die 68-Jährige über den Lokführer. Über Facebook hat die Familie versucht, ihm ihren Dank zu übermitteln. „Ob er das gesehen hat, wissen wir natürlich nicht.“

Seit Freitag haben die Seifert Felix wieder. Aber es ist ein anderer Felix. Jetzt lasse er sich streicheln, sei zutraulicher. Bei den Seiferts am Fuße des Bahndamms geht es ihm gut. Nach ein paar Minuten auf dem Arm von Christina Seifert läuft er durchs Wohnzimmer und beschnuppert neugierig die Kameras. Dann zieht er sich auf den Schrank zurück. Ihm reichts.

Auch Christina Seifert wollte all das eigentlich nicht öffentlich erzählen. Die 68-Jährige steht nicht gern im Mittelpunkt. Sie ist eine einfache Frau, hat drei Söhne großgezogen und pflegt jetzt ihren Mann. Aber ihr jüngster Sohn hat sie überredet, unserer Zeitung etwas über Felix zu erzählen. Der Sohn habe im Internet gelesen, wie die vielen fremden Menschen Anteil genommen und sich für die Familie Seifert gefreut haben, dass alles gut ausgegangen ist. Bei ihnen müsse man sich doch einmal öffentlich bedanken, habe er zu seiner Mutter gesagt. „Und das stimmt ja auch.“

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