Aachen/Essen - Feinstaubwerte in NRW-Städten bedenklich hoch

Feinstaubwerte in NRW-Städten bedenklich hoch

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Verkehrsbeschränkungen sollen den Feinstaub minimieren. Foto: dpa

Aachen/Essen. Zu hohe Feinstaubwerte in vielen NRW-Städten bereiten den Umweltbehörden derzeit Kopfzerbrechen. So lagen die Werte an etlichen Messstandorten seit Jahresanfang an mehr als zehn Tagen über dem erlaubten Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft – schwerpunktmäßig im Ruhrgebiet.

In Aachen wurden die Grenzwerte an der Wilhelmstraße bis Ende März sogar bereits an zwölf Tagen überschritten. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden hier insgesamt 46 Überschreitungstage registriert – gesetzlich erlaubt sind lediglich 35. „Die Zahlen sind für diese Jahreszeit bedenklich hoch“, sagte Birgit Kaiser de Garcia, Sprecherin des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz Lanuv.

Spitzenreiter ist Stuttgart

Auch in anderen deutschen Städten warnt das Umweltbundesamt vor zu häufigen hohen Werten. Spitzenreiter ist demnach Stuttgart mit bislang 36 Überschreitungstagen. NRW-Spitzenreiter ist eine Messstation in Gelsenkirchen: Seit Jahresanfang lag dort die Feinstaub-Belastung seit Jahresbeginn an 26 Tagen höher als der Grenzwert. Verantwortlich für die hohe Belastung durch die feinen Staubpartikel in der Luft seien bestimmte Wetterphänomene, erläuterte Kaiser de Garcia, Lanuv-Expertin für Luftreinhaltung: Lege sich im Winter eine warme Luftschicht über die kalte, verhindere das den Luftaustausch. Das warme, windstille Wetter im März habe die Feinstaubwerte weiter steigen lassen. „Anfang April kamen feinste Partikel Saharastaub bei uns an“, sagte sie.

Außer in Gelsenkirchen wurden in NRW auch in Hagen (an 22 Tagen), Herne und Münster (17) sowie in Essen (16) und Oberhausen (15) in diesem Jahr bereits zahlreiche Grenzwertüberschreitungen gemessen. Auch in Köln (14) und Mönchengladbach (12) gab es häufige Überschreitungen.

In Aachen hatte die Stadt bislang argumentiert, die Großbaustelle am Kaiserplatz sei für die Belastung verantwortlich. Umweltverbände wollen dies jedoch nicht gelten lassen. Sie sehen den wachsenden Autoverkehr nach wie vor als Hauptverursacher. Das Landesumweltamt vertritt ebenfalls diese Ansicht. Allerdings gebe es „langfristig einen abnehmenden Trend bei der Feinstaubbelastung“, sagte Kaiser de Garcia.

Warum der Feinstaub so gefährlich ist

Als Feinstaub, Schwebstaub oder englisch „Particulate Matter“ (PM) bezeichnet man winzige Teilchen in der Luft. Sie sinken nicht sofort zu Boden, sondern bleiben eine Zeit lang in der Atmosphäre. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu sehen. Bei bestimmten Wetterlagen kann man Feinstaub aber als Dunstglocke wahrnehmen. Die Mischung aus den englischen Wörtern smoke (Rauch) und fog (Nebel) heißt „smog“.

Wo kommt Feinstaub her?

Ein großer Teil ist vom Menschen gemacht. Große Mengen entstehen vor allem durch Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen sowie in Industrieprozessen. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine bedeutende Quelle. Doch selbst Drucker im Büro, Kerzen im Wohnzimmer, Staubsaugen ohne Feinstfilter, Rauchen, Kochen, Osterfeuer und Silvesterfeuerwerk produzieren Feinstaub.

Warum ist Feinstaub gefährlich?

Die winzigen Partikel dringen über Nase und Luftröhre in den Körper ein. Folgen können Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege und des Herzkreislaufsystems sein, bis hin zu Infarkten und Lungenkrebs. Nach einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben im Jahr sieben Millionen Menschen weltweit durch Luftverschmutzung. Am schlimmsten betroffen ist Asien mit China und Indien. In den Industriestaaten Europas führt die WHO 279.000 Todesfälle auf Luftverschmutzung in der Umwelt zurück. In Deutschland schätzt das Umweltbundesamt die Zahl auf 47 000, vor allem durch Feinstaub und Stickstoffoxid.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es beim Feinstaub?

Seit 2005 gelten europaweit Grenzwerte für Feinstaub (PM10). Der Jahresmittelwert darf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Der PM10-Tagesmittelwert an Messstationen darf 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht öfter als an 35 Tagen im Jahr überschreiten. Für besonders gefährlichen kleinen Feinstaub (PM 2,5) empfiehlt die WHO im Jahresmittel sogar einen Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. Europa verlangt nur 25 Mikrogramm, sogar die USA sind mit 12 Mikrogramm schärfer.

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