Fast wie bei Madonna und Guy Ritchie

Von: Marlon Gego
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Eine 39-jährige Multimillionärin aus Düren prozessiert in England um die Abfindung ihres Ex-Mannes. Der hat jetzt Fiona Shackleton engagiert, die schon in die Scheidung Madonna und Guy Ritchie gekümmert hat. Foto: dpa

Düren/London. Wenn die Dinge laufen, wie die Frau aus Düren sie sich vorstellt, dann wird am Ende das britische Scheidungsrecht revolutioniert. Ganz so weit ist es noch nicht, aber immerhin, es wäre denkbar. Wegen einer Dürenerin müsste dann in England die Rechtsprechung geändert werden.

Die 39-Jährige ist der „Financial Times London” zufolge eine der reichsten Frauen Deutschlands und verfügt nach Schätzungen der Zeitung über ein Vermögen von 120 Millionen Euro. Sie ist Spross einer Dürener Unternehmer-Dynastie, mittlerweile lebt sie mit ihren zwei Töchtern in Düsseldorf.

Mitte der 90er Jahre lernte sie im Londoner Nachtclub Tramp, in dem auch Lindsay Lohan und Paris Hilton regelmäßig gesehen werden, einen französischen Banker kennen. Hochzeit 1998, Scheidung 2006.

Elf Millionen gefordert

Doch die gerichtliche Auseinandersetzung über die finanziellen Modalitäten ist noch nicht beendet, die Sache ist nämlich die: Etwa vier Monate bevor die Dürenerin den Banker in London heiratete, hatte das Paar in Deutschland einen Vertrag geschlossen. Demzufolge verzichten beide Seiten im Falle einer Trennung auf gegenseitige finanzielle Ansprüche. Eigentlich bedeutet das: Der Gatte erhält nichts von ererbtem Vermögen der Dürenerin.

Während in weiten Teilen Europas und den USA solche vorehelichen Verträge solange Gültigkeit besitzen, bis etwas anderes vereinbart wird, erkennen englische Gerichte diese Art von Verträgen, die vor der Heirat geschlossen wurden, nicht an - bis jetzt nicht. Die Frau aus Düren hat deswegen gegen das Urteil des britischen High Court Berufung eingelegt. In erster Instanz entschied das Gericht im Juli, „in Anbetracht ihrer erheblichen finanziellen Möglichkeiten” erscheine eine „einmalige Zahlung in Höhe von 5,6 Millionen Pfund” angemessen, knapp sieben Millionen Euro (Az. 2008 EWCA Civ 1304). Der Ex-Mann hatte elf Millionen Euro gefordert.

Wie dem Gerichtsurteil zu entnehmen ist, hat der Ex-Mann vor sechs Jahren seine Anstellung bei der Investmentbank J.P. Morgan gekündigt und verzichtete damit auf ein Jahresgehalt von knapp 400.000 Euro. Stattdessen begann er, in Oxford in Biotechnologie zu promovieren.

Sein Jahreseinkommen betrug zum Zeitpunkt der Scheidung 36.000 Euro. Er verzögere die Promotion bis heute, „um seine Forderungen maximieren zu können”, sagte die Dürenerin der englischen Zeitung „Daily Mail”. Wenn ihr Ex-Mann sich für eine Tätigkeit als Wissenschaftler entscheide, müsse er auch wie ein solcher leben - und nicht auf ihre Kosten wie ein Millionär. Seit der Scheidung hat der Ex-Mann, unter anderem ein Freund exklusiven Schuhwerks, mehrere hunderttausend Euro Schulden angehäuft.

Charles/Diana, Madonna/Ritchie

Um seine Forderungen durchzusetzen, hat der Ex-Mann jetzt Fiona Shackleton engagiert, die als gefürchtete Scheidungsanwältin gilt und auch die königliche Familie berät. Shackleton vertrat die Windsors, als Prinz Andrew von Sarah Ferguson und Prinz Charles von Diana Spencer geschieden wurden. Ferner war sie mit den Scheidungsangelegenheiten Paul McCartney/Heather Mills und Madonna/Guy Ritchie befasst.

Die englische Justiz erwartet das Urteil des Berufungsgerichts mit einiger Spannung, es fällt voraussichtlich nächste Woche. London verzeichnet in den vergangenen Jahren einen Scheidungs-Boom, was auch daran liegen mag, dass Londoner Gerichte vergleichsweise hohe Abfindungen zugestehen. Würde die Dürenerin Recht erhalten, könnte das die gesamte englische Rechtsprechung im Scheidungsrecht ändern.

Doch der Londoner Anwalt Julian Lipson sagte der „Financial Times”, er glaube nicht, dass die Berufung große Aussichten auf Erfolg habe: „Englische Gerichte verweisen stolz darauf, die finanziell Schwächeren zu stärken. Das wiegt mehr als das Argument, beide Seiten seien sich bewusst gewesen, keine gegenseitigen finanziellen Forderungen zu stellen.”
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