Farbenfroh: Die Kunstroute von Linda Frints

Von: Christoph Hahn
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Fröhlich: Die Schlangen des Heerlener Bildhauers Niloc Pagen warten vor Schloss Bloemendal auf Kunstroute-Flaneure. Foto: Christoph Hahn

Vaals. Kaffee und Cafés sind das wichtigste Argument: Tausende überqueren in der Hochsaison täglich von Aachen aus in Vaals die Grenze Deutschlands zu den Niederlanden hin. Und mancher Besucher lässt sich von der Kulisse des Ortes mit alten Häusern aus diversen Epochen zwischen Barock und Gründerzeit zu einem Rundgang verleiten.

Dass die südlichste, rund 10.000 Einwohner zählende Gemeinde im Reich von Königin Beatrix ein Ort aktueller Kunst ist, wissen im Vergleich zu anderen Tagestouristen nur relativ wenige Menschen. Dabei gibt es hier seit Jahren die „Kunstroute”: Noch bis zum 8. August kann man von Schauplatz zu Schauplatz flanieren, an einer der sechs Stationen ein Häppchen naschen und dabei an konventionellen wie unkonventionellen Orten Bekanntschaft mit Gemälden und Skulpturen schließen.

In diesem Jahr hat erstmals Linda Frints die Künstler und ihre Werke nach Vaals geholt. Sie zehrt dabei von einem doppelten Standortvorteil: Erstens stammt die 26-Jährige aus der Region (genauer: aus Wijlre bei Valkenburg, bekanntgeworden durch die Brauerei Brand), zweitens ist sie von Beruf Kulturmanagerin - und verfügt daher über Kontakte, die sie für das Programm der Route nutzen kann.

Vor allem aber verfügt Linda Frints als überzeugte Südlimburgerin über den notwendigen Enthusiasmus, den sie braucht, um Vaals als Sommerfrische für Kunstfreunde zu etablieren. Dabei zieht sich die tatkräftige und charmante Frau keineswegs in den Elfenbeinturm: Wann immer es geht, sitzt sie zu den Kassenzeiten (täglich 10 bis 13 Uhr) am Kunstroute-Empfang im Eingangsbereich des Restaurants „Suisse” an der Maastrichterlaan 63 gleich neben dem Vaalser Bushof.

Ein Motto trägt die „Kunstroute 9.0”, die neunte Veranstaltung dieses Namens, übrigens auch: „De kunst van het krimpen”, „Die Kunst des Schrumpfens”. Der Titel, so Linda Frints, spielt an auf den Rückgang der Bevölkerungszahlen, aber auch auf das Verschwinden der Textilindustrie in und um Vaals. Sichtbar wird er direkt hinter dem Rathaus - an einem Haus, das eigentlich gar nicht zum Programm gehört. Das Haus steht nämlich seit Jahren leer - ein Umstand, der sich auch dem flüchtigen Passanten durch die großen Sperrholzbretter in den Fensteröffnungen leicht erschließt.

Diese Bretter nun haben lokale Künstler auf Einladung von Wohnbaudezernentin Juliette Verbeek-Banink bemalt - und damit dem Verfall, dem Schrumpfen von Heimat, Schönheit entgegengesetzt. Im Inneren des Rathauses, einer von insgesamt sechs Kunstroute-Stationen, ist jedoch nicht gerade Schrumpfen Trumpf. Eher regiert an den Wänden des historischen Rokoko-Gebäudes die bunte Vielfalt. Rathaus ist das Gebäude übrigens erst seit 1979. Zwischen 1761 und 1765 nach Plänen des Architekten Joseph Moretti erbaut, war es im Verlauf seiner Geschichte unter anderem Tuchfabrik.

Gleich mehrere der insgesamt 26 in Vaals zur Schau gestellten Künstler kann der Flaneur hier kennenlernen. Ein Treppenhaus nimmt zum Beispiel Annemiek Janmaat mit ihrer Verbindung von Akt- und abstrakter Malerei in Beschlag. In der Galerie oberhalb des Ratssaales finden sich die Werke von Sarah Linke. Die Deutsche aus Aachen pflegt in ihren Werken einen im wahrsten Sinne plastischen Realismus: Die Farbe trägt sie Zentimeter dick auf; die Bilder wirken - besonders aus der Distanz - fast wie echt.

Kollegin Margo Smeets macht sich solche Gedanken wohl nicht: Ihre lodernden Farblandschaften umschließen Lichtquellen und andere Symbole des Transzendenten, lassen also auf eine spirituelle Ausrichtung schließen.

Schauen sollen die Kunstroute-Spaziergänger, den Ort Vaals und seine teilweise versteckten Schönheiten kennenlernen, dabei ein Häppchen naschen (die entsprechenden Bons gehören zur Eintrittskarte) und en passant der Kunst begegnen. An diversen Orten kann diese Begegnung gelingen: am relativ abgelegenen ehemaligen Kamillianer-Kloster, dem heutigen „Museum Vaals”, am Eschberg etwa, das alte Pfarrhaus neben der protestantischen Kirche oder „De Klèng Wach”, die wohl kleinste Zollwache der Welt an der Akenerstraat, zu Vaalserquartier hin.

Der spektakulärste Ort hingegen dürfte das Schloss Bloemendal an der Maastrichterlaan sein, einst ein Internat für höhere Töchter (zu dessen Schülerinnen unter anderem Rose Kennedy zählte), heute ein Luxushotel. Angst vor Außenstehenden hat dessen Direktion jedenfalls nicht. Der Keller, dessen Türen derzeit nicht nur symbolisch weit geöffnet sind, mit seinen Banketträumen wird ebenso von den Werken bespielt wie die umfangreichen Grünanlagen.

Und überall kommen den Besuchern die bunten Wesen des Heerlener Bildhauers Niloc Pagen in der Gestalt von Schlangen, Bären und anderen Kreaturen entgegen. Denn so ist sie, die Vaalser Kunstroute: reich an Farben und irgendwie einem Sommermärchen gleich.

Bis zum 8. August können Besucher ihre Reise über die Kunstroute täglich zwischen 10 und 13 Uhr an der Kasse im Restaurant „Suisse”, Vaals, Maastrichterlaan 63 (neben dem Bushof), beginnen. Die Karten kosten an der Tageskasse 12,50, bei Voranmeldung unter info@lindafrints.nl zehn Euro. Mit der Eintrittskarte erhält jeder Käufer eine Broschüre mit Informationen zu den Schauplätzen dieser unkonventionellen Ausstellung und den gezeigten Werken.
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