„Fans” mit Waffen, Böllern und Raketen

Von: Stephan Mohne
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Grenzübergang Lichtenbusch Hooligans Fußballfans Gewalt
Die Bundespolizei hat am Freitag am Grenzübergang Lichtenbusch gewaltbereite Fußballfans aus dem Verkehr gezogen, ihnen die Einreise nach Belgien untersagt und feuerwerkstechnisches Material beschlagnahmt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Reise nach Brüssel endet für diese „Fans” am Autobahnrasthof Lichtenbusch. Mit drei Autos sind sie aus Thüringen gekommen und wollen Richtung Belgien. Doch daraus wird nichts. Stattdessen nimmt sich die Bundespolizei ihrer an. Die Fahrzeuge müssen ausgeräumt werden, die Insassen werden durchsucht, Drogenspürhunde beschnüffeln das „Reisegepäck”.

Die „Beute” der Polizisten ist reichhaltig. Baseballschläger, Böller, bengalisches Feuer - damit wollten die Männer zum Fußballänderspiel Belgien gegen Deutschland. Außerdem haben sie einen reichhaltigen Vorrat an Flaschenbier im Kofferraum beziehungsweise bereits konsumiert.

Eines hatten sie allerdings nicht: Eintrittskarten. Der Verdacht der Bundespolizisten: Die sind nur auf Randale aus. Was beinahe auch schon umstehende TV-Kameraleute und Fotografen zu spüren bekommen hätten, wären nicht Beamte dazwischen gegangen.

Die „Fans” aus Thüringen sind an diesem Freitag allerdings keineswegs alleine. Seit 8 Uhr in der Frühe fährt die Bundespolizei einen Großeinsatz wegen des Länderspiels. Nicht nur in Lichtenbusch, sondern auch an der Grenze zu den Niederlanden in Vetschau und am Hauptbahnhof. „Rund 1000 Fußballfans sind kontrolliert worden”, zieht Bernd Küppers, Sprecher der Bundespolizei, gegen 15 Uhr eine Zwischenbilanz.

Zu diesem Zeitpunkt sind schon 30 aktenkundig gewaltbereite „Fans” aus dem Verkehr gezogen worden. Am Ende der Aktion werden es 1500 Kontrollen und 42 „Gewaltbereite” sein. Letzteren wird die Ausreise aus Deutschland untersagt. Würden sie später doch noch rüberfahren, würden sie sich strafbar machen.

Orientieren können sich die Bundespolizisten an der Datei „Gewalttäter Sport”, in der die Deutsche Fußball-Liga (DFL) jene Personen einträgt, die wegen Gewalt im Stadion auffällig geworden sind. Manche von ihnen haben längst Stadionverbot - ein Jahr, zwei Jahre oder gar lebenslang.

Tickets für Fußballspiele dürfen sie nicht kaufen. Da das Länderspiel allerdings in Belgien ist, gibt es Schlupflöcher. Bei Personen, die nicht auf dieser Liste stehen, muss die Bundespolizei laut Küppers schon Anhaltspunkte dafür haben, dass von ihnen eine Gefährdung der Öffentlichkeit ausgeht.

Angesichts von selbst gebauten Böllern, volksverhetzenden CDs, Schlagwaffen und gar Schussgeräten nebst Munition wäre dieser Nachweis an diesem Tag auch ohne Liste mehrfach geführt worden. Anzeigen werden unter anderem wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und eben wegen Volksverhetzung geschrieben.

An den Kontrollstellen bilden sich naturgemäß ziemlich lange Staus - und da steht auch drin, wer mit Fußball gar nichts am Hut hat. „Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die meisten haben Verständnis für die Aktion. Sie finden sie sogar richtig und gut”, sagt Bundespolizist Dirk Hedden.

Erst gegen 18 Uhr beendet die Bundespolizei die Grenzkontrollen. Bernd Küppers ist ob des Erfolgs vollauf zufrieden. Dass nicht jeder gewaltbereite „Fan” ins Netz gegangen sein wird, ist ihm allerdings auch klar: „Die werden in Brüssel auch noch genug zu tun haben.”
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