„Familien sollen eine Chance bekommen”

Von: Stephan Johnen
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Sie wollen gemeinsam Eltern mit geistigem Handicap unterstützen: Stephan Nellen vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), Irmgard Granrath (Kokobe Düren), Johanna Stockmann (Awo), LVR-Fallmanagerin Andrea Görn und Nina Czeczatka (Kokobe Foto: Johnen

Düren. Nachwuchs wirbelt den Alltag schon einmal mächtig durcheinander. Eltern wissen das. Das Leben jedenfalls ist schlagartig ein anderes. Gut, dass es zahlreiche Beratungs- und Hilfsangebote gibt, um stets die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Es ist schließlich nicht immer leicht, Mutter und Vater zu sein. Doch wer koordiniert die Unterstützung für Frauen mit geistigem Handicap im Fall einer Schwangerschaft? Wer bietet Hilfsangebote für Eltern mit geistiger Behinderung an?

Hilfsnetzwerk aufbauen

Der im vergangenen Jahr gegründete Arbeitskreis „Elternschaft mit geistigem Handicap” hat ein Konzept erarbeitet, das eine umfassende Beratung ermöglichen soll. Die Kontakt- und Beratungsstellen für Menschen mit geistiger Behinderung in Düren und Jülich (Kokobe), die Awo-Beratungsstelle „Der Sommerberg”, Anbieter ambulanter Wohnangebote, die Jugendämter von Stadt und Kreis und das Heilpädagogische-Hilfen-Netz-West des Landschaftsverbands Rheinland wollen ein Hilfsnetzwerk für Betroffene aufbauen. Das Konzept richtet sich dabei an Fachleute, die mit (werdenden) Eltern mit geistigem Handicap arbeiten, also Mitarbeiter der Eingliederungshilfe, der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und Betreuer.

„Wir wollen die Rechte von Eltern und Kindern gleichermaßen wahren”, erklärt Kokobe-Beraterin Irmgard Granrath. In der Vergangenheit sei eine geistige Behinderung von Eltern oft ein Grund gewesen, in diesen Familien mehr als ganz genau hinzuschauen. Die Betroffenen seien „von allen Seiten” besonders beobachtet worden, es habe Vorbehalte gegeben. „Die Sicht hat sich gewandelt. Auch diese Familien sollen eine Chance bekommen”, sagt Granrath.

Eine zentrale Koordinationsstelle, angesiedelt bei der Kokobe, soll Anlaufstelle für die Hilfesuchenden und die Fachleute sein. In der Praxis kümmern sich bislang beispielsweise Mitarbeiter der Eingliederungshilfe um die Mutter mit geistigen Handicap, während das Jugendamt sich um die Betreuung des Kindes sorgt.

„Oft sind mehrere Fachleute gleichzeitig in einer Familie im Einsatz”, weiß LVR-Fallmanagerin Andrea Görn. Manchmal wisse ein Kostenträger gar nicht, dass von anderer Seite auch weitere Angebote in der Familie finanziert werden. „Wir haben zwar zwei Aufträge, aber ein Ziel”, befürwortet die Fallmanagerin die Kooperation.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen soll künftig verbessert, die Hilfen sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Wichtig sei auch, dass beispielsweise Mitarbeiter des Jugendamtes eine heilpädagogische Zusatzausbildung haben. „Diesen Eltern müssen sie manche Sachen teilweise ganz anders erklären”, verdeutlicht Irmgard Granrath. Familien sollen zudem besser unterstützt werden, wenn es um die Anträge für ihnen zustehende Hilfen geht. „Wir wollen Frauen mit Handicap die gleichen Möglichkeiten einräumen, die ander Frauen auch haben”, sagt Nina Czeczatka von der Kokobe. Auch die Kinder können bis zur Volljährigkeit begleitet werden. Stehe bislang die Pflege im Vordergrund, soll auch die Förderung der Kinder verbessert werden.

Es gehe nicht darum, Elternschaft um jeden Preis zu ermöglichen. „Aber wir wollen alles tun, um den Prozess zu begleiten, damit diese Familien ein selbstbestimmteres Leben führen können”, sagt Irmgard Granrath.

Die Ansprechpartner vor Ort

Weitere Informationen zum Unterstützungsangebot gibt es bei der Koordienierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung (Kokobe).

Ansprechpartnerin für Düren, Langerwehe, Hürtgenwald, Nideggen, Vettweiß, Nörvenich und Merzenich ist Irmgard Granrath (Telefon 02421/
205802, i.granrath@lebenshilfe-dueren.de). Für Niederzier, Inden, Titz, linnich, Aldenhoven und Jülich ist Nina Czeczatka (02461/9954290, nina.czeczatka@lvr.de) zuständig.

Der Arbeitskreis hat auch einen Handzettel für Menschen mit geistigem Handicap entwickelt, der in den Beratungsstellen (Weierstraße 38 in Düren und Große Rustraße 27 in Jülich) erhältlich ist.
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