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Fall Mirco: Verdächtiger hat gelogen, Polizei prüft weitere Fälle

Von: dapd
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Mirco Trauerfeier
Abschied von Mirco: rund 600 Menschen kamen in der St. Laurentiuskirche zu einem ökumenischen Trauergottesdienst zusammen.

Berlin/Grefrath. Im Mordfall Mirco hat sich das angebliche Tatmotiv des 45-jährigen Tatverdächtigen Olaf H. „nachweislich als falsch erwiesen”. Dies teilte die Polizei Mönchengladbach am Sonntag mit. Zudem prüfen die Ermittler, ob er in weitere Todesfälle von Kindern verwickelt ist.

Olaf H., der Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmens ist, hatte zunächst gesagt, ein Anruf seines Vorgesetzten habe ihn so in Wut versetzt, dass er mit der Tat Druck und Frust habe ablassen wollen. „Überprüfungen und Vernehmungen im Arbeitsumfeld des Schwalmtalers” ergaben laut Polizei nun aber, dass ein solches Telefongespräch niemals stattfand. „Der angegebene Vorgesetzte war zu der Zeit in Urlaub”, teilten die Ermittler mit.

Polizei prüft andere Fälle

Der zehnjährige Mirco aus Grefrath war am 3. September vergangenen Jahres verschwunden. Großangelegte Suchaktionen mit 1000 Polizisten sowie Tauchern, Hubschraubern und Tornados der Bundeswehr blieben erfolglos. Ende Januar wurde der Tatverdächtige Olaf H. festgenommen. Der Mann ist geständig und hatte die Ermittler zum Tatort und damit auch zur Leiche des Kindes geführt. Seitdem sitzt der Familienvater unter anderem wegen Mordverdachts und Verdachts auf sexuellen Missbrauch in Untersuchungshaft. Er soll Mirco am 3. September entführt, sich in einem Waldstück an ihm vergangen und ihn dann umgebracht haben.

Nach dem „vorläufigen Abschluss der Vernehmungen” teilte die Polizei Mönchengladbach am Sonntag weiter mit, auch die „Angaben des Tatverdächtigen zu den Tatumständen variierten mehrfach, sodass ein genaueres Bild frühestens nach einer eingehenden psychologischen Untersuchung möglich sein wird”. Derweil laufen die Ermittlungen den Angaben zufolge weiter. So wird überprüft, ob H. „eventuell auch für weitere ähnlich gelagerte Straftaten infrage kommen könnte”. Einen konkreten Hinweis hierzu gebe es aber bisher nicht, betonte die Polizei.

Die „Bild am Sonntag” hatte zuvor berichtet, dass Beamte am Freitag mit Leichenspürhunden das Haus und den Garten von Olaf H. in Schwalmtal durchsucht hätten. Chefermittler Ingo Thiel sagte dem Blatt: „Wir überprüfen derzeit, ob Olaf H. weitere Straftaten begangen hat.”

Täter sei selber sexuell missbraucht worden

Thiel verwies dem Zeitungsbericht zufolge konkret auf den Fall Claudia R. Seit fast 15 Jahren fahndet die Bonner Mordkommission nach dem Mörder des damals elf Jahre alten Mädchens. Claudia verschwand 1996 bei Grevenbroich und wurde zwei Tage später tot auf einem Feldweg gefunden.

Im Fall Mirco hat H. seinem Anwalt Gerd Meister laut „Bild am Sonntag” inzwischen ein ganz anderes Tatmotiv erzählt. „Mein Mandant hat mir anvertraut, dass er selber als Kind sexuell missbraucht worden sei”, sagt sein Verteidiger. Laut Anwalt Meister hätte die Familie von Olaf H. zu dem mutmaßlichen Kindsmörder gesagt: „Wenn du?s gemacht hast, dann erfordert es der Anstand gegenüber Mircos Eltern, dass du dich ohne Ausreden stellst.”
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