Fall Mirco: Olaf H. früher Opfer sexueller Gewalt?

Von: Frank Christiansen, dpa
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Mirco
In einem Glas brennt eine Kerze am Freitag (28.01.11) in Grefrath an der Stelle, wo der Täter Kleidung des elfjährigen Mirco am 03.09.2010 entsorgt hatte. Foto: dapd

Grefrath/Mönchengladbach. Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mirco ist nach eigener Darstellung als Kind selbst sexuell missbraucht worden. Das habe Olaf H. in seiner Vernehmung gesagt, bestätigte ein Polizeisprecher am Montag in Mönchengladbach.

„Er hat sehr viele Varianten erzählt. Das ist eine der Geschichten”, erläuterte der Sprecher. Beweise, die diese Darstellung untermauern, gebe es bislang nicht.

Der Verteidiger von Olaf H., Gerd Meister, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sein Mandant habe den Missbrauch nur angedeutet und sich noch nicht näher dazu eingelassen. „Er ist in einem psychisch sehr labilen Zustand”, erläuterte Meister. Grundsätzlich sei Olaf H. aber bereit, sich dazu vor einem Psychologen zu äußern.

Nachdem sich bereits das von H. genannte Tatmotiv „Berufsstress” als falsch herausgestellt hat, stuft die Polizei auch dessen Selbstdarstellung als Opfer im Kindesalter als „äußerst fraglich” ein. Derzeit untersuchen die Ermittler, ob der dreifache Vater andere Morde an Kindern begangen haben könnte. Dazu erstellen sie ein Bewegungsprofil des 45-Jährigen aus den vergangenen Jahrzehnten.

Olaf H. hat am Niederrhein in mehreren Städten gewohnt: in Korschenbroich, Mönchengladbach und zuletzt in Schwalmtal. Verteidiger Meister betonte, bisher gebe es „nicht den geringsten Hinweis auf weitere Taten” und „keine Auffälligkeiten” im Vorleben seines Mandanten.

Die umfangreichen Aussagen des Beschuldigten werden inzwischen auch von einem Kriminalpsychologen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Die Durchsuchung eines stillgelegten Tierparks zwei Kilometer von seinem Wohnort entfernt hatte keine weiteren Spuren ergeben. „H. hatte einen Schlüssel für dieses Gelände. Deswegen haben wir es untersucht”, erklärten die Ermittler.

Ebenso ging die Polizei Zeugenaussagen nach, wonach der Telekom-Mitarbeiter nach der Entführung von Mirco in seinem Garten gegraben hatte. Der Verdächtige habe aber anscheinend nur an einem Fischteich gearbeitet.

Der Familienvater sitzt seit eineinhalb Wochen in Untersuchungshaft. Er hat laut Polizei gestanden, Mirco getötet zu haben. Dem Mann wird auch sexueller Missbrauch vorgeworfen. Nach seiner Festnahme führte er die Ermittler in ein Waldstück zu Mircos Leiche. Der zehn Jahre alte Junge war am 3. September im niederrheinischen Städtchen Grefrath verschwunden.
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