Aachen/Düsseldorf - Fall Guttenberg: NRW-Unis zwischen Ermahnung und Zurückhaltung

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Fall Guttenberg: NRW-Unis zwischen Ermahnung und Zurückhaltung

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Aachen/Düsseldorf. Auch an den Universitätenten in Nordrhein-Westfalen erregt die Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Gemüter.

„Wer fälscht, wird bestraft”, so die Leitlinie von Prof. Ulrich von Alemann. Der Prorektor für Lehre und Studienqualität an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hält es streng mit Plagiaten. Bei ihm bekommen Abschreiber schlechte Noten und müssen Bußgelder zahlen.

Die Aussage von Kanzlerin Merkel (CDU), sie habe keinen Doktoranden, sondern einen Verteidigungsminister ins Kabinett berufen, kann von Alemann nicht nachvollziehen. „Eine solche Spaltung der Persönlichkeit in Politiker und Wissenschaftler ist nicht akzeptabel. Jemand der politisch arbeitet, muss vertrauenswürdig sein”, sagte er der dpa. In den Augen des Politikwissenschaftlers wäre Guttenberg gut beraten, „wenn er eine Auszeit von zwei bis drei Jahren nehmen würde.” Danach könne er immer noch Karriere machen.

So deutlich äußern sich seine Kollegen nicht. Die RHTW Aachen hält sich aus der politischen Debatte raus. „Es ist nicht an den Universitäten zu bewerten, wie die Politik mit Plagiaten umgeht”, sagte Rektor Prof. Ernst M. Schmachtenberg. Auch die Uni Münster hält sich bedeckt. Die politischen Vorgänge wolle man nicht kommentieren, so Pressesprecher Norbert Robers.

Einig sind sich jedoch alle darin, dass der Fall der Wissenschaft eher helfe als schade. So bezeichnete Prof. von Alemann die Plagiatsaffäre als „reinigendes Gewitter” und „Weckruf”: „Es ist ein Ansporn, wissenschaftliche Standards zu bekräftigen.” An der RWTH Aachen sieht Prof. Schmachtenberg es ähnlich: „Ich freue mich, dass es eine öffentliche Diskussion gibt.” Und an der Uni Münster lobt man die Reaktion der Universität Bayreuth und des Wissenschaftsbetriebs. „Die Wissenschaft hat eine eigene Entscheidung getroffen, sie hat sich lautstark geäußert, und sie hat schnell, angemessen und klug reagiert.”

Zweifel daran, dass das wissenschaftliche System funktioniere, hat man an der RWTH Aachen nicht. Heutzutage hätten es Fälscher besonders schwer, findet Rektor Schmachtenberg: „Im Zeitalter des Internets kriegen Lügen kürzere Beine.”
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