„Fahndung nach Augustus“: Aachen und Heerlen sehen alt aus

Von: Madeleine Gullert
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Wie war es als die Römer in der Region waren? Neben Original-Ausgrabungsstücken sollen auch Repliken wie die der Soldatenausrüstungen verdeutlichen, welchen Einfluss Augustus vor mehr als 2000 Jahren auf Aachen, Jülich, Heerlen und Maastricht hatte. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde...“ – die ersten Worte der Weihnachtsgeschichte sind gleich am Eingang in goldenen Lettern auf schwarzer Leinwand zu lesen.

Sie sind der Ausgangspunkt der Ausstellung „Fahndung nach Augustus – Suche nach den Wurzeln der Euregio“ im Aachener Centre Charlemagne, die Freitagabend eröffnet. Die große Frage, die sich die Forscher der vier beteiligten Städte Aachen, Jülich, Heerlen und Maastricht stellen, ist die nach dem Alter. Sind wir so alt wie Weihnachten, gab es uns zur Zeit Augustus‘ schon?

Nach zwei Jahren Forschung lässt sich sagen: Ja, es gab die Städte zur Zeit des ersten römischen Kaisers Augustus (63. v. Chr. – 14 n. Chr.) schon. Seit zwei Jahren arbeitet die sogenannte Vicusgruppe daran, die ehemaligen römischen vici, also kleinstädtische Siedlungen, zu untersuchen, aus denen die Städte Aachen, Jülich, Maastricht und Heerlen hervorgingen.

In den Magazinen in Aachen und Heerlen wurden die älteren römischen Überreste gefunden. Die Städte haben den internen Wettstreit für sich entschieden. „Vorerst“, betont Marcell Perse, Leiter des Museums Zitadelle in Jülich. „Wir müssen einfach noch etwas tiefer graben.“ Denn während der römische Ursprung von Städten wie Köln oder Bonn gut erforscht ist, ist dieser Bereich in der Euregio noch recht jung. Auch das, was schon ausgegraben wurde, ist noch nicht komplett untersucht.

„Wer eine Schatzkammer à la Karl dem Großen erwartet, wird enttäuscht“, sagt Perse ganz offen. Es seien aber die unscheinbar erscheinenden Stücke, mit denen die Museen und Universitäten arbeiten müssten. Zu sehen sind in der Ausstellung Keramikscherben und römische Münzen. Anhand dieser Funde, sagt Karen Jeneson, Leiterin des Thermenmuseums Heerlen, können Archäologen am besten datieren. Wie sie das machen, wird auf Schautafeln erklärt.

Wie nah der Besucher an den Erkenntnissen der Wissenschaftler ist, verdeutlicht eine Vitrine, die mit „Zukunft“ überschrieben ist. Zu sehen sind alte Knochen. „Speisereste von Austern“, erklärt der Aachener Stadtarchäologe Andreas Schaub. Man wolle nun wissen, ob die Römer ihre Nahrungsmittel mit herbrachten. In Heerlen, wo viel Geschirr mit eingekritzelten Namen – typisch für Soldaten – gefunden wurde, stellt sich Jeneson die Frage, ob es dort ein Kastell gab.

Bei der Ausstellung in Aachen nehmen die Archäologen und Historiker die Besucher mit auf ihre Entdeckungsreise, die noch lange nicht am Ende ist. Und so hofft Perse, im kommenden Jahr vielleicht doch einen Beweis dafür gefunden zu haben, dass Jülich doch älter ist als Aachen und Heerlen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist ab Samstag bis 11. Januar im Aachener Centre Charlemagne, Katschhof 1, zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf, Kinder drei Euro. 2015 kommt die Ausstellung ins Museum Zitadelle in Jülich.

Das Bürgerforum RWTHextern und das Historische Institut der RWTH veranstaltet eine Augustus-Reihe. Am Freitag ist der Auftakt mit dem Vortrag „2000 Jahre Augustus – Versuch einer Bilanz“ von Klaus Scherberich um 22.15 Uhr im Hörsaal Fo4 des Kármán-Auditoriums, Eilfschornsteinstraße 15. Weitere Termine: 25. November, 21. Januar und 3. Februar.

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