Europas dynamische Forscher: Ernst-Ludwig Winnacker

Von: Axel Borrenkott
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„Ehrgeizige Ziele”: Ernst-Lu
„Ehrgeizige Ziele”: Ernst-Ludwig Winnacker im Technologiezentrum Aachen. Foto: Herrmann

Aachen. Europa muss man sich im Moment ein bisschen schön reden, damit die Stimmung nicht noch mehr kippt. Nun ist zwar Ernst-Ludwig Winnacker (70) wahrlich kein Schönredner. Doch auch der Vortrag dieses internationalen Top-Wissenschaftsmanagers im Rahmenprogramm der Karlspreisverleihung widmete sich einem Ziel Europas, das es zunächst einmal verfehlt hat.

Der „dynamischste wissensbasierte Wirtschaftsraum der Welt” sollte Europa werden, so war auch das Referat Winnackers überschrieben. Dieses „ehrgeizige Ziel” bis 2010 zu erreichen, hatten sich Europas Regierungschefs im Jahr 2000 ausdrücklich vorgenommen („Lissabon Strategie”). Bekanntlich aber war auch der EU schon vor den aktuellen Problemen klar, dass man da den Mund etwas voll genommen hatte. Das Folgeprogramm „Europa 2020” ist deutlich bescheidener („intelligentes Wachstum fördern”) formuliert.

Nun, das Krisenhafte war am Dienstagabend im Aachener Technologiezentrum vor rund 100 Gästen hörbar nicht das Thema des vormaligen Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie des - nach Vorbild der DFG 2007 etablierten - Europäischen Forschungsrats (ERC). Die Selbstverständlichkeit, mit der Winnacker („ich bin kein Wirtschaftsfachmann”) die Bedeutung der Forschung in einer europäischen Gemeinschaft der Wissenschaftler demonstrierte, tut gut in Zeiten des nationalen Rückfalls.

Die Aufgabe des ERC, dessen erster Generalsekretär er von 2007 bis 2010 war, ist die Förderung von Grundlagenforschung. In der ersten Periode bis 2013 stehen dafür 7,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Besondere ist, dass vor allem „individuelle Forscher gefördert werden, und keine Netzwerke”, wie Winnacker hervorhob. Kein Thema wird vorgegeben, „es zählt allein die wissenschaftliche Exzellenz, der Wettbewerb der Köpfe”. Besonderen Wert lege man auf die Förderung des Nachwuchses zur „frühen Selbstständigkeit”.

„Überall, wo ich hinkomme, brüsten sich die Hochschulen mit Bewilligungen aus dem ERC-Programm”, sagt Winnacker. Gleichwohl hätten die meisten europäischen Hochschulen noch gehörig Nachholbedarf gegenüber den USA, deren Forschungsförderung nach wie vor Vorbild für Europa sei. „Nur britische und schweizerische Universitäten liegen in weltweiten Rankings oben.” Kunststück. Die ETH Zürich etwa hat den dreifachen Etat, und nur ein Drittel der Studenten der RWTH.

Ungleich größere Sorgen aber haben die Wissenschaftseinrichtungen Osteuropas. Winnacker: „Die schneiden in diesem Wettbewerb irrsinnig schlecht ab. Europa muss helfen, um die Todesspirale des Niedergangs” zu durchbrechen. Womit man dann doch wieder bei Europas Problemen war.
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