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Eupener Musik Marathon: Große Namen und ein bisschen Nostalgie

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Begeisterte Fans vor der Hauptbühne am Werthplatz: In Eupen ist Platz für 6000 Zuschauer. In den vergangenen Jahren kamen vor allem junge Leute. Doch in diesem Jahr tritt auch die legendäre Kölsch-Rock-Band BAP hier auf... Foto: Veranstalter/Bernd Weishaupt
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René Janssen organisiert den musikalischen Dauerlauf in Eupen. Foto: Gerhards

Eupen. Alles begann mit einem kleinen Musiktag. Jeder, der wollte, durfte spielen und singen. Damals, in den 1990er Jahren, herrschte beim Tag der Musik Volksfeststimmung. Daraus entstand der Eupen Musik Marathon, eins der größten Musikfestivals der Region – mit „besonderem Flair“.

René Janssen, Geschäftsführer des Vereins Chudoscnik Sunergia, organisiert den musikalischen Dauerlauf mit seinen Kollegen und vielen freiwilligen Helfern. Der 46-Jährige ist Mitinitiator des Musik Marathons. Im Interview spricht er über die künstlerische Ausrichtung, lokale Aspekte und große Musikstars des Festivals.

Beim Musik Marathon waren in den vergangenen Jahren immer starke Künstler auf den Bühnen. Was ist in diesem Jahr Ihr persönlicher Höhepunkt?

Janssen: Schwere Frage. Für mich ist das BAP. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich mein ganzes Geld für ein Yamaha-Motorrad gespart. Als ich es gerade hatte, bin ich damit zu einem Rock-Konzert gefahren. Es spielte BAP. Die Band hatte gerade ihr Album „Vun drinne noh drusse“ rausgebracht – vielleicht ihre beste Platte. Danach habe ich BAP lange nicht gesehen. Ich freue mich riesig darauf, sie nach 30 Jahren noch mal in Eupen zu hören. Ich habe alle meine alten BAP-CDs und -Kassetten noch mal gehört.

Die großen Namen und ein bisschen Nostalgie reizen Sie also?

Janssen: Nicht nur das. BAP kann man in der Aachener Region regelmäßig sehen. Dass sie auch mal zu uns kommen, war überfällig. Aber die musikalische Vielfalt macht den Musik Marathon aus: Es gibt Rock, Pop, Klassik, Weltmusik, Jazz, Chansons, Blues und Musik für Kinder. Für mich persönlich ist der Auftritt von Acoustic Africa ein Höhepunkt. Das sind drei Solokünstlerinnen, die für einen Sommer zusammenspielen. Sie machen eine starke Aussage für eine gleichberechtigte Rolle der Frau – auch in Afrika.

Wie viele Besucher erwarten Sie zur aktuellen Auflage?

Janssen: Im vergangenen Jahr hatten wir bei sehr schlechtem Wetter nur 5500 Besucher. Bei schönem Wetter kamen in den vergangenen Jahren immer zwischen 7500 und 8500 Leute, das peilen wir wieder an.

Und es kommen immer viele Zuschauer aus Deutschland.

Janssen: Das stimmt, ein Drittel bis 50 Prozent unseres Publikums kommt aus der Region Aachen.

Wie viele Gruppen aus Aachen treten diesmal auf?

Janssen: Am Sonntag sind es sechs Aachener Bands, am Samstag drei. Dazu gibt es die drei Top-Acts aus Deutschland und Gruppen aus Belgien, Österreich und Schweden.

Wie kommt es zu der starken Beteiligung von Aachener Bands?

Janssen: Das ist der lokale Aspekt des Festivals. Wir liegen kaum weiter vom Dom entfernt als Eschweiler oder Stolberg. Dazwischen gibt es zwar eine Landesgrenze, aber keine kulturelle Grenze. Wir fühlen uns Deutschland näher als dem restlichen Belgien. Und: Die Aachener Bands wollen hier spielen. Sie fragen immer wieder an, ob sie bei uns auftreten können.

Die beiden Haupt-Acts neben BAP sind Max Herre und Rea Garvey. Vollzieht das Festival einen Genre-Wechsel?

Janssen: Nein, das ist keine inhaltliche Neuausrichtung. Die Charts-Platzierung ist für uns kein Hauptkriterium, es geht vor allem um die Live-Qualität der Bands. Und BAP ist eine absolute Live-Band. Außerdem sind die Texte von Wolfgang Nideggen noch immer erste Sahne. Auch die alten Texte haben nichts von ihrer Aktualität verloren. Ich denke da an den Song „Kristallnaach“.

Darin geht es um Fremdenhass, Ausgrenzung und Mitläufer, die das möglich machen...

Janssen: Ja. Wir organisieren keine große Party, sondern ein Musikfestival, bei dem auch Inhalte transportiert werden – hier spielen Bands, die eine Aussage treffen. Das unterscheidet uns von kommerziellen Anbietern.

Chudoscnik Sunergia ist ein Verein für Kunst und Kultur. Wie ist der organisiert?

Janssen: Wir haben keine Gewinnabsicht und zahlen keine Steuern, weil wir das Geld, das wir erwirtschaften, wieder in gemeinnützige Projekte investieren. Es gibt uns seit 1991, mittlerweile haben wir 100 Mitglieder und neun Beschäftigte. Wir müssen finanziell überleben. Aber unser Ziel ist die Förderung von Kunst und Kultur, nicht das Erwirtschaften von möglichst opulenten Gewinnen.

Und trotzdem schaffen Sie es, große Namen ins beschauliche Eupen zu holen. Ist das schwierig?

Janssen: Es ist immer schwierig. Aber es geht. Die Bands kommen gerne zu uns. Die Beatsteaks haben 2007 beim Musik Marathon gespielt. 2011 waren sie schon richtig bekannt und sind trotzdem noch mal gekommen. Zwei Monate nach dem Auftritt bei uns haben sie die Waldbühne in Berlin zweimal hintereinander voll gemacht. Die hatten es nicht nötig hier zu spielen, aber sie wollten. Die Gage, die wir ihnen gezahlt haben, war niedriger, als die, die sie bei Rock am Ring bekommen haben. So ähnlich war es bei Clueso und den Sportfreunden Stiller.

Die Top-Bands beim Musik Marathon kommen fast immer aus Deutschland...

Janssen: Die Weltstars kommen nicht nach Eupen. Unsere Hauptbühne am Werthplatz ist 22 Meter breit und 10 Meter tief. Und wir haben dort Platz für 6000 Zuschauer. Für internationale Top-Acts ist das zu klein.

Deshalb suchen Sie nach deutschen Bands...

Janssen: Genau. Wenn ich eine Liste mit Top-Sängern und Bands aus Deutschland machen würde, würde ich vielleicht auf 30 Namen kommen. Da gehören BAP, Rea Garvey und Max Herre dazu.

Wie entscheiden Sie, welche Band Sie buchen und welche nicht?

Janssen: Wir haben eine Projektgruppe mit hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern. Wir entscheiden gemeinsam, welche Bands kommen sollen. Teamwork hat bei uns einen großen Stellenwert. Beim Musik Marathon sind zum Beispiel 120 freiwillige Helfer dabei.

Der Musik Marathon ist nicht das einzige Festival in der Region. Was ist das Besondere daran?

Janssen: Ein Festival irgendwo auf einer Wiese ist etwas ganz anderes. Wir sind in der malerischen Innenstadt von Eupen. Die Bereiche zwischen den Bühnen sind autofrei und man kann in wenigen Minuten von einer Bühne zur anderen gehen. Bei Regenschauern ist nicht alles matschig und es gibt viele Restaurants. Das alles trägt zu der schönen Atmosphäre bei.

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