Es ist Khalil: Schicksal des zweiten Vermissten geklärt

Von: Michael Bosse und Markus Peters, ddp
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Köln / Stadtarchiv / Einsturz
Feuerwehrmänner haben unter den Trümmern des Stadt-Archivs eine zweite Leiche gefunden. Foto: dpa

Köln. Nach der Bergung des zweiten Opfers des Kölner Gebäudeeinsturzes steht jetzt die Rettung des verschütteten wertvollen Archivgutes im Vordergrund. Nachdem bisher nur Notbergungen möglich waren, soll nach Angaben der Feuerwehr nun behutsam und in enger Zusammenarbeit mit den Archivaren vorgegangen werden.

Der am Donnerstagabend aus dem Trümmerfeld an der Severinstraße geborgene Tote ist am Freitag zweifelsfrei als der vermisste Student Khalil K. identifiziert worden.

Nach Angaben von Feuerwehrchef Stephan Neuhoff hatte der 24-Jährige keine Chance, den Hauseinsturz am 3. März zu überleben. Anhand der Spuren geht die Feuerwehr davon aus, dass er in seiner Dachgeschosswohnung sofort getötet wurde. Darauf deuteten Einrichtungsgegenstände aus der Wohnung hin, die neben dem Toten in neun Meter Tiefe unter Straßenniveau gefunden wurde.

Nach Angaben von Neuhoff lag der Tote unter rund zehn Tonnen dichten Schutt und sei auch deshalb nicht früher gefunden worden. Bei dem Unglück ist zudem ein 17-jähriger Bäckerlehrling aus K.s Nachbarwohnung getötet worden.

Laut Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) konnten bisher bis zu 25 Prozent des Archivmaterials gerettet werden. Unter anderem wurde die zweite seltene Handschrift des Theologen und Philosophen Albertus Magnus (ca. 1200-1280) gefunden, die im Besitz des Stadtarchivs war. Die Dokumente im Schuttberg seien zum Teil noch relativ gut erhalten. Trotz großer Verluste hoffe er daher, dass wichtige Teile des Kulturguts gerettet werden können.

Schramma räumte inzwischen ein, den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn nicht kritisch genug beurteilt zu haben: „Man würde nicht mehr so schnell Ja sagen - und ich auch nicht”.

Für den CDU-Politiker ist die Planung für die umstrittene U-Bahn durch die Innenstadt aus heutiger Sicht nicht optimal gewesen: „Man müsste da mit noch stringenteren Analysen und Untersuchungen rangehen.”

Heute würde er die Frage nach einer grundsätzlichen Notwendigkeit der U-Bahn stellen: „Ich würde eine viel intensivere Diskussion führen.” Alternativen seien vielleicht ungünstiger, „aber vermeiden diese ganzen Querelen und Risiken”.

Eine Mitschuld am Unglück sieht Schramma aber nicht: „Die Schuldfrage richtet sich nicht an mich”. Als Oberbürgermeister habe er die Aufgabe des Baus nicht selbst in der Hand. Solange die Ursache nicht gefunden ist, habe niemand das Recht, eine direkte Schuldzuweisung vorzunehmen.

Am Donnerstagabend hatte es eine nicht-öffentliche Bürgerversammlung mit den unmittelbar betroffenen Anwohnern der Severinstraße gegeben. Dabei ging es nach Angaben des Oberbürgermeisters vor allem um ungelöste Miet- und Eigentumsfragen. Auch stellte sich der Ombudsmann für die Opfer der Gebäudeeinsturze, Peter von Blomberg, den Betroffenen vor.

Zum Gedenken an die Opfer findet am Dienstag (17. März, 14.00 Uhr) eine Trauerfeier in Köln statt. Auch die Verkehrsbetriebe wollen zu diesem Zeitpunkt für eine Schweigeminute den Betrieb ruhen lassen. Zudem soll es am Abend einen privat organisierten Schweigemarsch geben.
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