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Erzbistum Köln verstärkt Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch

Von: Markus Peters, dpad
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Köln. Oliver Vogt soll als Präventionsbeauftragter des Erzbistums Köln die Gefahr weiterer Missbrauchsfälle durch Kirchenmitarbeiter senken.

Der 41 Jahre alte Sozialarbeiter entwickelt rückwirkend seit 1. April vorbeugende Maßnahmen gegen den sexuellen und sonstigen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. „Einzelne Mitarbeiter haben sich in verabscheuungswürdiger Weise an jungen Menschen vergangen. Wir widmen uns der Vorsorge, um zukünftig so weit wie möglich solche Fälle zu verhindern”, sagte am Montag der Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp.

Pflicht-Schulung für Jugendbetreuer

Vogt organisiert obligatorische mehrstündige Schulungen für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Erzbistums, die beruflich in Kontakt mit Kinder- und Jugendlichen kommen.

Dabei wird informiert, wie pädophile Sexualtäter vorgehen, und über das Verhältnis von Nähe und Distanz zu den Schutzbefohlenen gesprochen. Diese Kurse sollen nach den Sommerferien beginnen und auf die einzelnen Zielgruppen zugeschnitten werden.

„Jemand, der hauptberuflich kirchliche Jugendarbeit macht, muss natürlich intensiver geschult werden als Eltern, die sich um eine Firmgruppe kümmern oder als ehrenamtliche Betreuer bei einer Ferienfreizeit der Pfarrgemeinde mitfahren”, sagte Vogt.

Gleichzeitig müssen die Mitarbeiter des Erzbistums in einer Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben, dass sie die Rechte und die Würde junger Menschen respektieren. „Sie wendet sich gegen jede Form von Gewalt”, betonte Vogt.

Selbstverpflichtung und einwandfreies Führungszeugnis

Zusätzlich müssen die hauptamtlichen Mitarbeiter in der Jugendarbeit bis Ende September mit einem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis belegen, dass sie keine Sexualdelikte an Kindern und Jugendlichen begangen haben. Diese Vorgabe gilt prinzipiell auch für den Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner.

Vogt räumte ein, dass die Aussicht auf Schulungen, Selbstverpflichtung und Führungszeugnis bei den betroffenen Mitarbeitern nicht gerade auf Begeisterung trifft: „Es ist mehr die Einsicht in die Notwendigkeit.”

Derzeit versuche das Erzbistum zu ermitteln, wie viele Mitarbeiter von den Schulungsmaßnahmen überhaupt betroffen sein werden. So gibt es alleine mehrere Tausend Leiter von kirchlichen Jugend- und Ministrantengruppen.

Einen zuverlässigen Schutz vor Missbrauch könnten die Maßnahmen nicht bieten, betonte der neue Präventionsbeauftragte: „Sie entbinden nicht von der Verantwortung des Einzelnen. Es geht darum, Menschen zu sensibilisieren.” In etlichen Pfarrgemeinden herrsche ein hohes Maß an Unsicherheit, wie jetzt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gestaltet werden soll.

Für Generalvikar Schwaderlapp besteht kein Zweifel, dass der drastische Anstieg der Kirchenaustritte im Erzbistum Köln mit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle zusammenhängt. Im vergangenen Jahr musste das Erzbistum 15.163 Kirchenaustritte verzeichnen, 41 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir Christen sollen in jedem Menschen das Bild Gottes erkennen, und vor allem im Umgang mit Kindern ist daher Gewalt völlig inakzeptabel”, betonte Schwaderlapp.
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