Köln - Erster türkischer Karnevalsverein in Köln gegründet

Erster türkischer Karnevalsverein in Köln gegründet

Von: Christoph Driessen, dpa
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Köln. Karneval kann man auch ohne Alkohol feiern, predigt das Kölner Festkomitee seit Jahren, um die tollen Tage nicht völlig zum Massenbesäufnis verkommen zu lassen. Der Erfolg dieses Aufrufs war bisher denkbar gering.

Doch nun wird es ernst: Auf den Sitzungen des Ersten Türkischen Karnevalsvereins Deutschlands (TKVD) sollen grundsätzlich nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt werden.

„Die Idee ist, dass wir schon mitfeiern möchten, aber wir wollen das Ganze ein wenig mehr unserer Lebensweise anpassen”, sagt die Sprecherin des Vereins, Katharina Starke.

Für gläubige Muslime sei Alkoholkonsum ebenso ein Problem wie der zur Karnevalszeit praktizierte Partnertausch. „In Köln wird es akzeptiert, dass während dieser Zeit jeder mit jedem schlafen darf”, hieß es einmal sehr faktisch bei der britischen BBC.

Das wollen die Muslime so nicht hinnehmen: „Es geht nicht darum, die Geschlechter zu trennen, aber es soll etwas gesitteter zugehen”, erläutert Starke.

Der Verein hat bereits große Pläne: Er will irgendwann im Rosenmontagszug mitfahren.

„Dieses Jahr wird es sicher noch nicht klappen, aber für die nächsten Jahre wäre das auf jeden Fall ein Ziel.”

Die Zahl der Mitglieder beläuft sich derzeit auf 35, aber es sollen schnell mehr werden. Für Donnerstag ist in der Kölner Altstadt eine Pressekonferenz angesetzt - das Medieninteresse ist groß.

Wobei nicht alle Reaktionen positiv ausfallen. Die rechtsradikale Wählervereinigung Pro Köln sieht bereits ein „Alkoholverbot bis Ende Februar” und ein „Burka-Gebot für Karnevalistinnen” heraufziehen.

Muslimische „Bützjenmuffel” (Küsschen-Gegner) passen demnach einfach nicht zum Kölner Karneval. Starke: „Wir haben alle möglichen Reaktionen erwartet, aber das nicht. Wir waren geschockt. Aber dann haben wir gesagt: Jetzt erst recht!”

Unterstützung gibt es vom Festkomitee des Kölner Karnevals. „Wir stehen positiv zu der Vereinsgründung”, versichert Vorstandsmitglied Sigrid Krebs. „Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Integration.” Auch in den bestehenden Vereinen seien schon lange muslimische Mitglieder aktiv. Und vielerorts in Köln sammeln türkischstämmige Kinder bei den Karnevalszügen die meiste Kamelle ein - nur die Tüten mit Gummibärchen lassen sie liegen, weil da Schweine-Gelatine drin ist.

Die Kritik von Pro Köln findet Krebs „völlig daneben”. Ein richtiger Jeck lasse sich davon nicht einschüchtern. „Die Kölner Bevölkerung ist doch sowieso ein einziger Mischmasch von Kulturen.” Alle möglichen religiösen Minderheiten feierten den Karneval auf ihre Weise, und „et hätt noch immer jotjejange” (es ist noch immer gut gegangen).

Das Dreigestirn tritt mittlerweile auch auf Sitzungen der jüdischen Gemeinschaft auf und - für manchen Kölschen weit erstaunlicher - sogar bei Protestanten.
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