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Erschlagene Partnerin durch die Wohnung geschleift

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Soll seine Ex-Freundin im Streit brutal erschlagen haben: Paolo F. (rechts) beim Betreten des Gerichtssaals, links von ihm ein Justizbeamter und sein Anwalt. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Langerwehe. Fast wäre es ein umfangreiches Geständnis geworden, das der wegen Totschlags an seiner Freundin angeklagte Paolo Joao B. (46) vor dem Aachener Schwurgericht ablegte. Der Mann aus Frechen bei Köln soll in der Samstagnacht des 6. Juli 2013 seine Freundin in ihrem Haus in Langerwehe mit Schlägen und Tritten getötet haben.

Die Ex-Frau eines Dürener Anwalts und er hatten sich einige Jahre zuvor bei einer Alkohol-Entzugstherapie kennengelernt, berichtete er vor dem Aachener Schwurgericht.

Bislang hatte B. vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann geschwiegen. Doch jetzt brach es aus ihm heraus. Ja, es sei richtig, die Getötete und er hätten sich des öfteren betrunken. Und bei ihren regelmäßigen Sex-Spielen habe sie nach Schlägen verlangt. Das sei an dem tragischen Abend davor und auch in der Todesnacht selber so gewesen. Sie hätten so viel getrunken, dass er immer wieder phasenweise die Erinnerung verloren habe. Ja, sie beide hätten brutalen Sex gehabt, das sei an der Tagesordnung gewesen, berichtete der seit 40 Jahren in Deutschland lebende Portugiese.

„Wir haben uns geliebt, tagsüber war immer alles in Ordnung“, erklärte er den Richtern. Doch sobald Alkohol im Spiel gewesen sei, hätten sie sich gegenseitig endlose Vorhaltungen gemacht, unterbrochen von Schlägen und Sex.

In der Tatnacht sei er nicht einfach so über sie hergefallen, relativierte er sein anfängliches Geständnis. Er sei irgendwann aufgewacht und habe seine Freundin auf dem Boden liegen sehen. Vage erinnere er sich an einen Faustschlag zeitlich vorher, der sie nieder gestreckt habe. Doch als er danach plötzlich einen klaren Moment bekommen habe, sah er sie bereits, wie er formulierte „völlig aufgequollen“ auf dem Boden liegen - kein schöner Anblick.

Zuerst habe er noch geglaubt, sie würde - wie schon zahllose Male zuvor - einfach wieder aufwachen. Als das aber nicht eintrat, habe ihn eine heillose Wut übermannt und er begonnen, wie ein Berserker auf die Frau einzuschlagen. „Ich habe sie geboxt“, bekannte er, von Tritten wisse er nichts mehr.

Dann zog er sie in rasender Wut an einem Arm durch die Zimmer. „Aber, Herr Richter, ich habe ihr vorher in die Augen gesehen. Sie war da schon tot.“ Er sei sich allerdings damals nicht sicher gewesen. Schließlich setzte er sich in ihr Auto und fuhr am Sonntagmorgen zunächst nach Eschweiler und erst dann nach Frechen.

Richter Arno Bormann bezweifelte stark den Wahrheitsgehalt der Aussage von B. und hielt ihm vor: „Sie erinnern sich trotz Alkohol an vieles. Nur nicht an das Kerngeschehen.“

Das wird die Kammer nun weiter erforschen müssen. Beide Beteiligte - vor allem sie, wie eine mit dem Opfer eng befreundete Zeugin bestägite - seien immer wieder in Alkoholexzesse versunken. Das Opfer hatte laut Anklageschrift zum Zeitpunkt des Todes etwa vier Promille Alkohol im Blut.

Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

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