Aachen - Ermittler vor Rätsel: Unbekannter schießt auf Autotransporter

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Ermittler vor Rätsel: Unbekannter schießt auf Autotransporter

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
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Am Wochenende von Freitag, 10. August, 14 Uhr bis Samstag, 11. August, 14 Uhr, wird der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen die letzen Fertigteile der zentralen Brücke im Autobahnkreuz Aachen auflegen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Bundes- und Landeskriminalamt sind gleichermaßen verzweifelt: „Wir kommen nicht mehr weiter”, sagt Barbara Hübner vom BKA. Seit Juli 2008 wird auf Transporter mit Neuwagen geschossen. 469 gemeldete Treffer in Neuwagen gab es.

Dazu wurden 95 andere Fahrzeuge durchlöchert, „wahrscheinlich, weil der Schütze den eigentlich anvisierten Autotransporter verfehlt hat”, sagt Michaela Heyer vom LKA. „Insgesamt ist das eine sehr beunruhigende Sachlage.”

Bislang sei glücklicherweise erst eine Person verletzt worden. Die Frau sei auf der A 3 bei Würzburg nach einem Schuss in den Hals ohnmächtig geworden, in die Leitplanke gefahren und dort zum Stehen gekommen. Die Frau überlebte schwer verletzt. Doch spätestens seitdem sind die Ermittler alarmiert. „Neben den immens hohen Schäden ist einfach die Gefahr eines folgenschweren Unfalls durch die Schüsse gegeben”, sagt Heyer.

Rot umrandete Fahndungsplakate mit einer Karte der betroffenen Strecken, den verwendeten Patronen und einer ausgelobten Belohnung von 27.000 Euro sollen nun die Ermittlungen voranbringen. Diese ungewöhnlich hohe Summe haben die Behörden und der Verband der Versicherer ausgesetzt. Die beschädigten Neuwagen sind auf ihrem Transport üblicherweise versichert. Auf eine Summe von bis zu 250.000 Euro schätzt die Polizei den Schaden, der bislang entstanden ist - 100 bis 500 Euro pro beschädigtem Neuwagen.

Die Plakate werden vor allem dort aufgehängt, wo Fernfahrer unterwegs sind: an Raststätten. Denn die bisherigen Auswertungen der Trefferwinkel haben nach Angaben von Hübner ergeben, dass ein Lkw-Fahrer während der Fahrt auf die Gegenfahrbahn feuert. Die Fahrer der Autotransporter hören das nicht. „Wegen der Geräuschkulisse in der Fahrerkabine können sie das gar nicht wahrnehmen”, sagt Heyer. Deswegen werden die Schäden auch meist erst beim Abladen, im besten Fall bei einer Pause an einer Raststätte bemerkt. Tatorte sind so für die Ermittler nicht mehr auszumachen.

Allerdings werden über die Routen der verschiedenen Spediteure die Routen des Täters klarer. Eine seiner Standardrouten führt offenbar durch unsere Region, denn viele beschossene Laster sind die Strecke von den belgischen Seehäfen übers Kreuz Aachen, Kreuz Kerpen und weiter nach Süddeutschland - oder umgekehrt - gefahren. In die Niederlande kommt der Täter offenbar nicht. Dort liegt keine Anzeige vor. In Belgien dagegen wurden 160 Transporte beschossen.

Auch das Kaliber der Waffe hilft der Polizei wenig weiter: 22, Long Rifle, typisch für Sportschützen und Jäger. „Extrem weit verbreitet”, sagt Hübner. Das BKA geht von einem Einzeltäter aus, da nach Monaten mit regelmäßigen Vorfällen plötzlich typische Urlaubspausen von einer oder drei Wochen folgen und dann die Vorfälle wieder beginnen.

Mit den Fahndungsplakaten will das BKA die Aufmerksamkeit der Fernfahrer erregen. Und die LKA-Sprecherin bittet fast flehend: „Wir sind auf jeden Hinweis dringend angewiesen. Wem etwas auffällt, der soll sich nicht scheuen, unter 110 die Polizei zu rufen!”

Kein Zusammenhang zu A44-Schüssen von 2007

Bereits im Oktober 2007 war aus einem fahrenden Auto auf der A 44 dreimal auf Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn geschossen worden - in Höhe von Aachen-Brand, Alsdorf und Jülich-West. Die Polizei hat aber keine Hinweise darauf, dass dieser Vorfall in Zusammenhang zu den Schüssen auf Autotransporter steht, die im Juli 2008 begannen. Allerdings ist auch der Schütze von 2007 bislang nicht ermittelt worden.

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