Erkelenzer Schülerzeitung holt zweiten Platz

Von: Nicola Gottfroh
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Die drei Schülerzeitungsredakteure Christoph Hensen, Laura Emmerling und Katrin Schelter (rechts) freuen sich, dass sich die viele Arbeit, die sie in die Schülerzeitung stecken, auszahlt. Sie haben den zweiten Preis beim Schülerzeitungs-Wettbewerb gewonnen. Foto: Gottfroh

Erkelenz. Selten hat sich eine Zugfahrt für Laura Emmerling, Katrin Schelter und Christoph Hensen so lang angefühlt, wie die am Mittwoch von Erkelenz in das Pressehaus Wuppertal. Dort werden am Nachmittag die Preise im Schülerzeitungswettbewerb unserer Zeitung und der rheinischen Sparkassen verliehen.

Und die drei jungen Redakteure der Schülerzeitung „Spotlight“ des Cornelius-Burgh-Gymnasiums fragen sich auf der rund zweistündigen Fahrt, ob sich die viele harte Arbeit, die sie Monat für Monat in ihr Blatt „Spotlight“ stecken, nun endlich auszahlt. Und ob sie gewürdigt wird.

Dass die drei 16-jährigen Redakteure überhaupt nach Wuppertal eingeladen sind, ist bereits sicheres Indiz dafür, dass sie es mit ihrer Schülerzeitung unter die Top 10 geschafft haben. Dieser Erfolg ist ihnen bereits im vergangenen Jahr einmal gelungen. Damals druckten sie scharz-weiß. Es waren ihre ersten Gehversuche als Schülerzeitungs-Redakteure – und sie belegten gleich Platz neun. „Inzwischen präsentieren wir die Zeitung in Farbe, das Layout ist ausgefeilter, die Texte anspruchsvoller und wir selbst sind routinierter“, sagt Chefredakteurin Laura Emmerling. Und diesmal, so wird die Jury einige Stunden später verkünden, haben die Redakteure mit Spotlight die zweitbeste Schülerzeitung NRW‘s vorgelegt. Um sieben Plätze haben sie sich damit verbessert. Ein echter Erfolg!

So weit oben auf dem Siegertreppchen zu stehen, damit hatten die Schüler trotz der enormen Weiterentwicklung nicht gerechnet. „Vielleicht erreichen wir die Top 5“, hatte Christoph Hensen Tage vor der Preisverleihung inständig gehofft. Er wünschte sich einen guten Rang nicht nur wegen des Preisgeldes, das direkt wieder in die Zeitung gesteckt wird, sondern vor allem als Motivation zum Weitermachen. „Es wäre gut für die Zeitung. Damit könnten wir ein Zeichen setzen und anderen Schülern zeigen, dass sich Engagement lohnt“, sagt Hensen. Denn die Schülerzeitung kämpft mit Problemen, die denen der großen Zeitungsverlage in Teilen ähneln: Auch die Schüler müssen um ihre Leser werben. Und der Druck des Blatts finanziert sich auch nicht wie von selbst. „Der wird stetig teurer, während gleichzeitig die Anzeigenakquise immer schwieriger wird“, sagt Christoph Hensen.

„Das gedruckte Wort verliert an Wert“, sagt Chefredakteurin Laura Emmerling: „Warum eine Schülerzeitung kaufen, wenn einem mit dem Smartphone die ganze Welt des Internets zur Verfügung steht?“ Einige Zeit existierte am Cornelius-Burgh nicht einmal eine Schülerzeitung, nicht alle Schüler vermissten sie in dieser Zeit. Doch Laura Emmerling, Katrin Schelter und Christoph Hensen taten es. Deshalb riefen die drei vor zwei Jahren eigenverantwortlich ein schuleigenes Blatt ins Leben. Damals waren sie gerade einmal 14 Jahre alt. „Da merkten wir, dass Zeitung machen gar nicht so einfach ist“, erinnert sich Emmerling. Schützenhilfe gab es zwar von den Lehrern, doch einen eigenen Schülerzeitungs-Betreuer hatten sie nicht. Vieles mussten sie allein angehen.

Inzwischen sind die drei in ihr Projekt Schulzeitung hineingewachsen. Als Redakteure des dreiköpfigen Leitungsteams erfüllen sie nicht nur die Aufgaben von Autoren.

Chefredakteurin Laura Emmerling, ihre Stellvertreterin Katrin Schelter und Layout-Spezialist Christoph Hensen müssen organisieren und Aufgaben an die rund 15 Autoren, die mal öfter, mal weniger oft schreiben, verteilen. Sie verteilen die Texte, gestalten deren Layout und kümmern sich um den Druck.

Und auch kaufmännisches Talent brauchen die Schüler, um Geld aus Anzeigen zu akquirieren. „Klinken putzen“ nennen sie das, und der Gesichtsausdruck der drei lässt darauf schließen, dass es nicht ihre Lieblingsaufgabe ist. Wie Buchhalter eigneten sie sich in den vergangenen Jahren an, Rechnungen korrekt auszustellen. „Und wenn wir nach dieser ganzen Arbeit die Zeitung in der Hand halten, dann muss sie ja auch noch verkauft werden – in den Pausen auf dem Schulhof“, sagt Christoph Hensen.

Gerade das sei eine besonders schwere Aufgabe. Denn viele Schüler interessierten sich kaum oder gar nicht für „Spotlight“, erklären die Nachwuchs-Journalisten. „Viele wollen auch den Preis von einem Euro nicht zahlen. Andere finden Schülerzeitung einfach generell uncool“, sagt Schelter und fügt hinzu: „Wer allerdings doch einmal eine Zeitung kauft, der bleibt meistens dabei.“

Ein Problem in den Augen der „Spotlight“-Macher ist, dass sich viele Schüler nicht für das Leben an der eigenen Schule, für Politik und andere Dinge interessierten. Und bedrucktem Papier gegenüber zeigten sie großes Desinteresse. „Deshalb versuchen wir auf eine Art, die junge Menschen anspricht, für solche Themen und Zeitung an sich zu begeistern. Wenn wir das nur bei einer Handvoll schaffen, dann sind wir schon froh. Und darum machen wir weiter“, sagt Emmerling.

Interviews mit lokalen Politikern und Lehrern sind in „Spotlight“ ebenso zu finden wie die Themen Mobbing, Tod oder Magersucht, die die jungen Autoren behandeln. Und natürlich gibt’s viel aus der Schule, über Theateraufführungen oder Musikveranstaltungen. Klassenfahrten und Ausflüge werden bunt und lebendig geschildert. Zweifellos nicht nur was die Themen und Artikel, sondern auch Gestaltung und Design angeht qualitativ hochwertig. So sah es dann auch die Jury des Schülerzeitungswettbewerbs, als sie „Spotlight“ auf Platz 2 wählte.

„Ein Riesenerfolg – immerhin hatten 200 Redaktionen am Wettbewerb teilgenommen“, sagt Christoph Hensen.

Ein Erfolg, dem sie sicherlich einen Artikel in der nächsten Ausgabe widmen. Die könnte übrigens eine der letzten sein, wenn sich nicht bald Nachwuchs findet. Katrin Schelter und Christoph Hensen, der oft tagelang an den Seiten der Zeitung gebastelt hatte, machen im nächsten Jahr Abitur und verlassen die Schule.

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