Erholsame Kurzurlaube mitten im Nationalpark Eifel

Von: Marlon Gego
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Panorama vom Aussichtsturm auf Vogelsang mitten im Nationalpark Eifel: Vogelsang wird immer mehr zur zentralen Anlaufstelle für diverse Freizeitunternehmungen. Dort hat sich im vergangenen Jahr derart viel getan, dass man Tage, Wochenenden oder Kurzurlaube mittlerweile gut dort verbringen kann. Foto: Vogelsang IP/Roman Hövel
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Wandern auf dem „Wilden Weg“: barrierefreies Naturerlebnis im Kermeter. Foto: dpa
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Sehen, hören, fühlen: die Nationalpark-Ausstellung „Wildnis(t)- räume“ auf Vogelsang. Foto: Andreas Steindl
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Für den deutschen Design Award nominiert: die Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“. Foto: Andreas Steindl

Schleiden. Der Adlerhof ist jetzt endlich voller Leben. Statt Presslufthämmern hört man viele Stimmen, statt Bauarbeitern sitzen junge Menschen in der Sonne, regelmäßig werden Gruppen übers Gelände geführt, an sonnigen Tagen ist die zum Café gehörende Panoramaterrasse voller Menschen, die kaum genug vom einigermaßen einzigartigen Blick über den Nationalpark Eifel bekommen können.

Aus dem Adlerhof, zentraler Platz der früheren NS-Ordensburg Vogelsang, ist nach all den Jahrzehnten endlich ein guter Ort geworden. Diese Feststellung klingt noch ungewohnt, aber genau das ist es: ein guter Ort, wenn auch mit dunkler Geschichte.

Es ist ziemlich genau zehn Monate her, seit Vogelsang wiedereröffnet wurde, und spätestens seit der Wiedereröffnung ist Vogelsang auch durch die neuen Nachbarn vom Nationalpark Eifel zu einem völlig anderen Ort geworden. Einer, an dem es sich nun lohnt, Freizeit zu verbringen.

An den Kennzeichen auf den Parkplätzen, auf denen längst nicht mehr nur Autos aus der Region stehen, sondern an manchen Tagen fast aus ganz Europa, sieht man, dass das Konzept aufgeht, langsam. Denn selbst in Aachen, Düren oder Heinsberg ist längst nicht jedem bewusst, was für ein Erlebnisraum in der Nordeifel auf Vogelsang und um die alte Burg herum entstanden ist und weiter entsteht.

1. Was ist neu?

Neben der neuen Gestaltung des Adlerhofs mit dem Infozentrum für Vogelsang und den Nationalpark Eifel gibt es das Bistro mit tollen Ausblicken nicht nur von der Panoramaterrasse aus. Es gibt die sehenswerte, lebendig und multimedial gestaltete Ausstellung zur nationalsozialistischen Historie Vogelsangs und der weiteren Verwendung der Ordensschüler, die auf Vogelsang ausgebildet wurden. Mindestalter: zwölf Jahre. Die Ausstellungsgestaltung wurde gerade für den renommierten deutschen Design Award nominiert.

Und es gibt die nicht hoch genug zu lobende Ausstellung des Nationalparks, die ein einziges sinnliches Erlebnis ist. Auch und besonders für Kinder jedes Alters gibt es viel zu sehen, zu hören und auch zu fühlen. Und am Ende der Ausstellung wartet eine der spektakulärsten Multimediainstallationen, die man in deutschen Museen zu sehen bekommen kann.

2. In den Ferien

Für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren bietet der Nationalpark an jedem Mittwoch in den Sommerferien (letzter Termin: 23. August) eine spezielle Ferienaktion zur Ausstellung „Wildnis(t)räume“ des Nationalparks an. Gemeinsam mit einem Ranger geht es zunächst auf Entdeckungstour in die Natur, später in die Ausstellung. Treffpunkt ist jeweils um 11 Uhr am Besucherzentrum im Adlerhof. Dauer der Aktion: bis 15.30. Kosten: zehn Euro.

Das Besucherzentrum auf Vogelsang sowie die Gastronomie und die Ausstellungen sind in den Sommerferien täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ausstellungs- und Geländeführungen werden am Wochenende um 11 und um 14 Uhr angeboten. Während der Woche finden Führungen über das Gelände und durch die Nationalpark-Ausstellung um 14 Uhr statt. Aufstiege auf den Aufsichtsturm Vogelsangs sind am Wochenende zwischen 12 und 16 Uhr zu jeder vollen Stunde und in der Woche jeweils um 13 Uhr möglich.

Besucher, die mit dem E-Bike anreisen, können ihr Akku während ihres Aufenthalts bequem an der E-Bike-Station aufladen.

3. Was gibt‘s sonst noch?

Von Vogelsang aus gibt viele Möglichkeiten, lange, mittellange und kurze Wanderungen zu beginnen und auch wieder zu beenden. Informationen und Wanderkarten gibt‘s im neuen Informationszentrum im Adlerhof. Bis zum früheren Ort Wollseifen, der nur noch eine Wüstung ist, in der das belgische Militär bis 2004 noch Häuserkampf trainierte, ist es über die Dreiborner Hochfläche nur ein kurzer Marsch.

Wer länger gehen will, kann durch den Nationalpark runter bis nach Einruhr laufen, dort mit der Rurseeschifffahrt über den Rursee fahren oder sich ein E-Bike mieten und nach Vogelsang zurückfahren. Zum Beispiel. Es gibt noch ziemlich viele andere Wege und Möglichkeiten, sogar Kutschfahrten werden angeboten.

Die Wandermöglichkeiten im Nationalpark, in dessen Mitte Vogelsang liegt, sind vielfältig. Besonders stolz sind die Verantwortlichen allerdings auf ihren barrierefreien Naturerlebnisraum im Kermeter, ein Waldstück auf der Grenze der beiden Städte Heimbach und Schleiden, zum Teil umflossen von Urtf- und Rursee. Auf einem speziellen Belag können auch Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung den Nationalpark erfahren. Der abzweigende „Wilde Weg“ (mit Kletterpfad) wurde von der Deutschen Bahn dieses Jahr mit dem ersten Preis in der Kategorie „Tourismus für alle“ ausgezeichnet.

Für ambitionierte Wanderer hat der stellvertretende Nationalpark-Leiter Michael Lammertz vor ein paar Jahren den Wildnis-Trail erfunden: 85 Kilometer in vier Etappen vom südlichen zum nördlichen Ende des Nationalparks. Über die Nationalparkverwaltung kann man einen viertägigen Kurzurlaub mit drei Übernachtungen an den jeweiligen Etappenziele (Simmerath-Einruhr, Schleiden-Gemünd und Heimbach) buchen. Allerdings ist auch der Bustransfer vom Etappenziel zum Ausgangspunkt möglich. Die Busverbindungen innerhalb des Nationalparks sind erheblich besser geworden.

Auf kostenlosen Rangerführungen kann man sich alles, was im Nationalpark geschieht und was man dort sieht, erklären lassen. Angesichts von 9460 Tier- und Pflanzenarten, die es im Nationalpark gibt, geht der Gesprächsstoff nicht so schnell aus.

4. Wie kommen die Angebote an?

Immer besser. Den Nationalpark Eifel besuchen mittlerweile fast 900.000 Menschen im Jahr, die in der Eifel für einen Umsatz von immerhin 30 Millionen Euro sorgen. Das hat eine von der Nationalparkverwaltung in Auftrag gegebene Studie ergeben. 2007 waren es erst 450.000 Besucher, die jährlich im Nationalpark unterwegs waren.

Und auch der Publikumszuspruch auf Vogelsang steigt. Für das Jahr 2017 sind 275.000 Besucher prognostiziert, so viele wie noch nie zuvor. Die beiden Ausstellungen auf Vogelsang werden im ersten Jahr 20.000 (Nationalpark) beziehungsweise 40.000 Menschen (Historie Burg Vogelsang) besucht haben, was angesichts der Qualität der Ausstellungen ein Witz ist. Die Besucherzahlen werden in den kommenden Jahren erheblich steigen. Doch was schon jetzt auffällt: Die Anzahl der Buchungen für Führungen haben sich seit der Wiedereröffnung vergangenen September verdoppelt, sagt Albert Moritz, Geschäftsführer der Vogelsang GmbH. Ausstellungsführungen und auch Geländeführungen.

5. Wird der Wald weiter gerodet?

Das hektarweise Roden von Fichtenbeständen hat hässliche Schneisen in den Nationalpark geschlagen, das soll nun ein Ende haben. So hat es der neue Nationalpark-Leiter Michael Röös diese Woche noch einmal bekräftigt. Zwar sollen weiter kleine Bestände von Fichten gefällt werden, damit der Nationalpark leichter zum reinen Buchenwald werden kann; doch großflächige Rodungen wie in der Vergangenheit soll es nicht mehr geben. Das wird die Attraktivität des Nationalparks weiter steigern.

6. Wo gibt es Infos?

Der Nationalpark hat für alle seine Bildungs-, Freizeit- und Wanderangebote übersichtliche Broschüren. Einige muss man auf der nicht gar so übersichtlichen Website ein bisschen suchen: www.nationalpark-eifel.de, Telefon 02444/95100. Die Broschüren liegen auch auf Vogelsang aus.

Auch Vogelsang hat seine Bildungsangebote in Broschüren zusammengefasst, die natürlich auf Vogelsang erhältlich sind. Oder auch im Internet: www.vogelsang-ip.de. Fragen werden gern unter Telefon 02444/915790 beantwortet.

7. Was ist für die Zukunft geplant?

Auf dem Vogelsang-Gelände könnte es in den kommenden Jahren weitere Veränderungen geben, insbesondere um die Familienfreundlichkeit weiter zu steigern. Immer noch im Gespräch ist ein Panoramasteg in Form eines Baumwipfelpfades in bis zu 30 Metern Höhe auf der dem Urftsee zugewandten Seite des Geländes. Vogelsang-Geschäftsführer Moritz schätzt den Investitionsbedarf auf grob zwei Millionen Euro, ein Betrag, der so kurz nach der Wiedereröffnung Vogelsangs nicht zur Verfügung steht. Aber vielleicht in absehbarer Zeit. Ebenso gibt es Ideen für einen attraktiven Spielplatz im Bereich der Panoramaterrasse. Und das Thema Hotel auf Vogelsang ist auch noch nicht zu den Akten gelegt.

Der Umzug der Nationalparkverwaltung nach Vogelsang steht zwar nicht unmittelbar bevor, doch sollen noch in diesem Sommer Flächen angekauft werden. In der Nähe des noch zu bauenden Verwaltungsgebäudes soll ein Naturerlebnistreff für Kinder und Jugendliche entstehen. Bauzeit: noch nicht abzusehen, wie Nationalpark-Leiter Röös sagt.

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