Energiearmut wirksam den Kampf ansagen

Von: Berthold Strauch
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Die Strompreise steigen nahezu unaufhaltsam, in schier schwindelerregende Höhen. Foto: dpa

Aachen. Die Strompreise steigen nahezu unaufhaltsam, in schier schwindelerregende Höhen. Kein Wunder, dass sich mancher, dem es finanziell nicht so gut geht, von diesen Lasten schnell überfordert fühlt - und entsprechend „Energieschulden” anhäuft, die kaum noch zu überblicken, geschweige zu bewältigen sind.

Nun haben sich eine Reihe von Partnern zusammengeschlossen, um den Betroffenen möglichst wirksam zu helfen. Zustande kam dieses Modellprojekt „NRW bekämpft Energiearmut” mit finanzieller Hilfe des Landes. Bis Ende 2015 stehen für die wirtschaftliche und rechtliche Beratung durch die Verbraucherzentrale insgesamt 1,5 Millionen Euro bereit.

Aachen wurde dafür als eine von demnächst acht Kommunen ausgewählt. Örtlicher Partner ist der Energieversorger Stawag, dem das Problem der finanziellen Überforderung eines Teils seiner Kunden nur allzu geläufig ist. Rund 2000 Stromsperren, bei insgesamt 130.000 Anschlüssen, müssten jährlich verhängt werden, listete Dietmar Siebigteroth, Leiter Privatkundenvertrieb der Aachener Stadtwerke, dazu auf.

„Wer die Energiewende will, muss auch für eine gerechte Umsetzung sorgen”, mahnte Klaus Müller von der NRW-Verbraucherzentrale. In den letzten beiden Jahren sei der Strompreis um 15 Prozent gestiegen, seit 2000 gar um 75 Prozent. „Und die nächsten Preissteigerungen stehen ins Haus”, fügte er an. Dies bedeute eine Herausforderung für viele Menschen in besonderen Lebenslagen.

Ein Grundversorger indes könne „schlechte Risiken nicht loswerden”. Also gehe es um einen Ansatz, die Betroffenen „dauerhaft zu befähigen”, ihre finanziellen Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Dabei gelte es auch „Schamgrenzen abzubauen”, um die „Hilfe zur Selbsthilfe” auch anzunehmen, sagte Müller.

„Auf Augenhöhe”

Bei „Runden Tischen” werden alle Akteure vor Ort eingebunden, wozu auch Wohlfahrtsverbände wie die Caritas gehören, die mit ihrer „aufsuchenden Energieberatung” bereits gute Erfolge verzeichne, so Gerold König, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Aachen. Hier sind Langzeitarbeitslose als „Stromsparhelfer” geschult worden. Deren Vorschläge würden angenommen, weil sie „auf gleicher Augenhöhe vorgebracht” würden”, so König.

Fachberaterin Martina Wagner bietet Hilfe

Ansprechpartnerin für eine Erstberatung bei aufgelaufenen Energieschulden ist die neue Fachberaterin Martina Wagner. Sie bietet in der Verbraucherzentrale Aachen, Aachen-Münchener-Platz 6 (Kapuziner-Karree), dienstags von 14 bis 16 Uhr eine offene Sprechstunde an.

Telefonisch ist die Beraterin zudem montags von 10 bis 12 Uhr zu sprechen unter 0241/4013164.

Beratungstermine können ebenfalls unter dieser Telefonnummer vereinbart werden, darüber hinaus per E-Mail unter aachen.energiearmut@vz-nrw.de.

In der Städteregion Aachen gibt es seit 2009 einen „Energiespar-Check”. Bis September wurden 1553 Haushalte beraten, dabei 18.370 Soforthilfen im Wert von 100.000 Euro vermittelt, etwa Energiesparlampen oder abschaltbare Steckerleisten.

Jeder beratene Haushalt kam anschließend auf Einsparungen von durchschnittlich 99 Euro jährlich allein beim Strom, mit Wasser und Heißwasseraufbereitung 154 Euro.
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