Aachen/Düsseldorf - „Eltern wollen G9-Abitur ohne Ganztag“

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„Eltern wollen G9-Abitur ohne Ganztag“

Von: Claudia Schweda
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Am Dienstag haben die Prüfungen des zweiten G8-Jahrgangs begonnen. Zeitgleich startete eine Volksinitiative gegen das verkürzte Abi. Foto: stock/Ulmer

Aachen/Düsseldorf. Am Dienstag sind in NRW die Abiturprüfungen mit den Klausuren im Fach Deutsch gestartet. Wenn es nach den Elterninitiativen „G9 jetzt“ und „G-ib-8“ geht, sollen diese Abiturienten zu den wenigen Jahrgängen gehören, die nach acht Schuljahren das Abitur gemacht haben.

Die beiden Initiativen kündigten am Dienstag in Düsseldorf an, dass jetzt in Nordrhein-Westfalen wie in anderen Bundesländern eine Volksinitiative gegen das „Turbo-Abitur“ gestartet wird. Ziel sei es, innerhalb eines Jahres rund 66.000 Unterschriften für die Rückkehr zum achtjährigen gymnasialen Bildungsweg (G8) zu sammeln, sagte Marcus Hohenstein von „G9 jetzt“.

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage sind in NRW 76 Prozent der Bürger für das Anliegen der Bürgerinitiativen. Lediglich 15 Prozent der Befragten sprachen sich für die Beibehaltung der achtjährigen Schulzeit am Gymnasium aus. Die breite Ablehnung gegen G8 spiegelt sich demnach in allen Alters- und Bildungsgruppen und im Parteienspektrum zwischen CDU und Linken deutlich wieder. Wenig Zustimmung gibt es dagegen für eine Pflicht zum Ganztagsunterricht am Gymnasium. 73 Prozent der Befragten sind dagegen und wollen lieber freiwillige und flexible Angebote zur Übermittag- und Nachmittagsbetreuung.

Herr Hohenstein, noch vor fünf Monaten hatten Sie nicht den Mut, eine Volksinitiative gegen das G8 zu starten. Jetzt tun Sie es doch. Was hat Sie zum Umdenken bewogen?

Hohenstein: Durch den Austausch mit den G8-Gegnern in anderen Bundesländern – Hessen, Hamburg und Bayern –, die den Widerstand über eine Volksinitiative gehen, sind wir zur Überzeugung gekommen: Wenn die das schaffen, schaffen wir das auch! Und in Bayern hat die Bürgerinitiative es mit ihrem Engagement geschafft, Bewegung in die Haltung der Landesregierung zu bekommen; und das sogar, bevor die Frist zur Abgabe der Unterschriften für die Volksini­tiative abgelaufen ist! Wir hoffen in NRW auf einen ähnlichen Effekt. Bestärkt hat uns auch der immense Rückenwind, den wir seit unserem ersten öffentlichen Auftritt im vorigen November spüren. Es gibt immer mehr Menschen aus dem ganzen Land, die ihr Missfallen über die jetzige Siutaion äußern und uns danken, dass wir etwas tun.

In NRW bewegt sich die Landesregierung doch schon. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat für die kommende Woche zu einem Runden Tisch eingeladen um auszuloten, ob der Schulkonsens in NRW für das G8 noch steht.

Hohenstein: Das stimmt. Und Anja Nostadt von „G-ib-8“ und ich haben vorige Woche eine Einladung zu diesem Runden Tisch bekommen. Das deutet da­rauf hin, dass es keine reine G8-Jubelveranstaltung werden wird. Aber Frau Löhrmann hat noch im März gesagt, dass sie nicht gewillt sei, ihre Politik zu ändern. Das Ziel dieses Runden Tisches sollte eigentlich sein, sich zu vergewissern, dass alles so bleiben kann, wie es ist. Jetzt werden wir sehen, was passiert. Wir haben darauf bestanden, dass wir Karin Hechler, Leiterin der Schillerschule in Frankfurt, mitbringen dürfen. Sie setzt sich dezidiert für eine qualitätsvolle Bildung zum Wohle der Schüler ein und vertritt die Haltung: G8 ist machbar – aber der Preis ist zu hoch.

Wer am Runden Tisch in NRW unterstützt ihre Forderung?

Hohenstein: Da werden wir wohl recht alleine dastehen. Selbst die oppositionelle FDP hat jüngst noch betont, dass bei der Bildungspolitik kein Blatt zwischen sie und die Grünen passt. Es gibt allerdings Bewegung in der CDU. Partei- und Fraktionschef Armin Laschet hat jüngst angekündigt, dass er auch auf die Interessen der Eltern hören möchte. Das ist ein großer Fortschritt.

Wie sieht es mit den Eltern- und Lehrervertretern aus?

Hohenstein: Der NRW-Philologenverband ist der einzige in Westdeutschland, der sich gegen G9 stellt. Damit stellt er sich auch gegen die Haltung des Bundesverbandes. Ähnlich ist es bei der Landeselternschaft, die sich in NRW – anders als in anderen Bundesländern – gegen den Willen der meisten Eltern für die Beibehaltung des G8 ausspricht.

Welche Argumente werden Sie am Runden Tisch vorbringen?

Hohenstein: Die Ministerin argumentiert, dass wir keine Rückkehr zum G9 bräuchten, weil wir doch die Gesamtschulen hätten, an denen das G9 weiter angeboten wird. Doch die Gesamtschule hat einen verpflichtenden Ganztag. Und unsere Umfrage zeigt, dass das nicht dem Elternwillen entspricht. Damit ist die Argumentation von Frau Löhrmann nicht mehr haltbar. Die Eltern wollen das G9-Abi­tur ohne verpflichtenden Ganztag. Wir werden in der Diskussion darauf hinweisen, dass in einer Demokratie das Wohl der Bevölkerung an erster Stelle steht und nicht die Interessen einzelner. „Ich mache es, weil die Bevölkerung dagegen ist“, kann nicht die Begründung für politisches Handeln sein. Und inhaltliche Gründe dafür, warum man die Unterrichtsstunden eines Schuljahres auf andere Schuljahre verteilt, sind noch nie vorgebracht worden.

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