Düsseldorf - EKD-Chef sieht Kirche trotz Kritik als moralische Instanz

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EKD-Chef sieht Kirche trotz Kritik als moralische Instanz

Von: Michael Evers, dpa
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Die Kirchen müssen sich zunehmend kritische Fragen gefallen lassen. Ihrer Bedeutung als moralische Instanz tut dies keinen Abbruch, meint der Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland. Foto: Sandra Kinkel

Düsseldorf. Obwohl das Verhältnis von Kirche und Staat zunehmend kritisch hinterfragt wird, sieht sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) weiterhin als wichtige religiös-moralische Instanz. «Dass die Selbstverständlichkeit, mit der die Kirchen in unserer Gesellschaft verankert sind, nicht mehr für alle nachvollziehbar ist, macht es nötig, intensiver als früher das Verhältnis plausibel darzulegen», sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider der Deutschen Presse-Agentur.

Wie sehr der durch die Verfassung geschützte Raum der Religion noch präsent ist, habe etwa die Beschneidungsdebatte gezeigt. «Sie hat deutlich gemacht, dass es schon überraschend viele Menschen gibt, die trotz ihrer eigenen säkularen Weltanschauung das neue Gesetz zum elterlichen Sorgerecht mitgetragen haben», sagte Schneider. «Im Blick auf die Kritiker allerdings muss man festhalten, dass manche Töne eine neue Dimension angeschlagen haben, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Es klang mitunter eine grundsätzliche Religionsfeindschaft durch, die für unsere Gesellschaft neu und
beunruhigend ist.»

Die Bedeutung der Kirche als religiös-moralischer Eckpfeiler der Demokratie sei weiterhin groß.  Schneider: «Wir sind nach wie vor gefragt. Das zeigt, dass es immer noch ein Bewusstsein dafür gibt,
dass unsere Gesellschaft und vor allem der demokratische Rechtsstaat davon leben, dass es Institutionen wie die Kirchen gibt, die für das Ganze und den Zusammenhalt in der Gesellschaft Sorge tragen.»

Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts zum Arbeitsrecht in Kirche und Diakonie äußerte der rheinische Präses die Hoffnung auf Verständigung. «Ich hoffe sehr, dass es in der näheren Zukunft gelingen wird, eine im Grundsatz vorhandene Interessenidentität zwischen den Gewerkschaften und den Kirchen endlich einmal zu formulieren und gemeinsam zu vertreten: dass nämlich die Mitarbeitenden gerade im Sozialmarkt anständig bezahlt werden müssen.»

Das Gericht hatte im November entschieden, dass Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen künftig unter bestimmten Umstände für bessere Arbeitsbedingungen streiken dürfen, den Sonderweg der Kirchen aber grundsätzlich bestätigt. Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber den sogenannten Dritten Weg beschreiten und unter sich eine Einigung finden, bleiben Arbeitskämpfe weiterhin ausgeschlossen.

Schneider sagte, durch das Erfurter Urteil sei klar geworden: «Die Kirchen sind glückliche Verlierer, sie haben die konkreten Einzelfälle zwar verloren, aber in den Grundsätzen gewonnen. Der Wunsch der Gewerkschaft Verdi, den Dritten Weg verbieten zu lassen, hat sich nicht erfüllt. Auf der Grundlage des Erfurter Urteils sollten wir zu einem neuen Miteinander kommen. Denn die Refinanzierung der Kosten für Leistungen im Gesundheitswesen müssen dringend verbessert werden - das ist unser gemeinsames Interesse.»

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