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„Einfach megageil“: Die Toten Hosen beim Wohnzimmer-Konzert

Von: Simone Thelen
Letzte Aktualisierung:
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Mega-Stimmung im Wohnzimmer: DIe Toten Hosen bringen das „Geil“ zurück nach Geilenkirchen. Das Konzert blieb bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis. Foto: Simone Thelen
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Besondere Gäste: Die Toten Hosen bringen mächtig viel Stimmung in das Haus von Michael Wassen (links) und seiner Familie. Foto: Christian Laufs

Geilenkirchen. Michael Wassen steht in seinem Wohnzimmer in Geilenkirchen und kann es noch immer nicht fassen. Um ihn herum wuseln Familie und Freunde. Es wird gefegt, Helfer räumen Flaschen weg. Es klebt bei jedem Schritt, und aus den Lautsprechern klingt leise „Steh auf, wenn du am Boden bist.“

Ans Füße Hochlegen ist am Tag danach ohnehin nicht zu denken. Denn noch vor wenigen Stunden war das idyllisch gelegene Haus ein pulsierender Partyraum, voller Menschen, voller Musik. Sie feiern ausgelassen, trinken Bier und Jägermeister. Sie sind gekommen, um einen ganz besonderen Abend zu erleben: ein Wohnzimmerkonzert der Toten Hosen, nicht vom Band, sondern ganz real! „Einfach megageil“, um es mit den Worten von Frontmann Campino zu sagen.

Für Michi Wassen und seine Familie ist es der Abend ihres Lebens. Ein Blick an die Zimmerdecke bestätigt dies. Denn dort finden sich die Fußspuren von jenen, die über den Köpfen der Menschen durch den Raum getragen wurden. Die des Gastgebers sind auch darunter, und auch die von Campino. „Wir wollten sowieso streichen“, sagt Michael Wassen – mit heiserer Stimme, aber sehr glücklich.

Der Gastgeber ist Berufsfeuerwehrmann in Düsseldorf und schon immer Fan von den Hosen. „Mit ‚Hier kommt Alex‘ bin ich ja quasi groß geworden. Zum ersten Mal live habe ich die Hosen 2004 gesehen, damals noch beruflich, mittlerweile auch bei vielen Konzerten privat.“ Seine Familie hat er schnell im Boot, Tochter Inga, heute 17, bekommt ihre ersten Konzertkarten zum achten Geburtstag. Ihre Brüder, die Zwillinge Simon und Alexander, zwölf Jahre alt, sind sogar noch früher mit auf Konzerttour.

Als im Oktober die Meldung kommt, dass die Toten Hosen ihre Magical-Mystery-Tour 2017 fortsetzen, gibt es für die Familie Wassen kein Halten mehr. Schon 2012 wollten sie dabei sein, „aber da waren wir noch im Umbau“, sagt Sabine Wassen. Die Ärztin mit Praxis in Baesweiler war sofort Feuer und Flamme und hat ein Drehbuch für ihr Bewerbungsvideo geschrieben.

Titel: „Wir möchten das ‚Geil‘ wieder nach Geilenkirchen bringen“ . „Ende Januar bekamen wir die Nachricht, dass es noch etwas dauern würde. Es gab 5000 Bewerbungen für ein Privatkonzert. Und dann kam am 2. März der Anruf: Wir waren unter den letzten 20, und der Tour-Manager wollte vorbeikommen und uns kennenlernen.“ Das hat er dann auch gemacht, und 14 Tage später kam die Zusage. Sabine Wassen sagt: „Seitdem habe ich nicht mehr geschlafen.“

Die Familie plant und plant, dabei muss alles geheim bleiben. „Einige Kollegen musste ich schon frühzeitig informieren, einige Gäste haben erst am Abend vom Konzert erfahren und dann alles stehen und liegen gelassen. Aber das Beste ist, dass alle komplett dicht gehalten haben und das Konzert ein großes Geheimnis geblieben ist“, sagt Michael Wassen.

Fünf Musiker, 80 Gäste

Ihre Wohnzimmermöbel lagern die Wassens vorsichtshalber in einer Halle von Freunden ein. Dort, wo sonst der Kamin und ein Klavier stehen, wird die Bühne aufgebaut. Um 13 Uhr kommt die Crew, um 17 Uhr sind vier von fünf Toten Hosen vor Ort. Campino ist um 18 Uhr da. Michael Wassen: „Wir haben erst einmal eine Stadtrundfahrt gemacht. Die fünf sind einfach nur nett, haben keine Starallüren. Sie haben sogar die T-Shirts, die wir mit dem Wappen von Geilenkirchen bedruckt haben, beim Auftritt angezogen. Geilenkirchen ist jetzt also definitiv wieder geil!“

Rund 80 Gäste finden sich schließlich zur Magical-Mystery-Tour 2017 im Wohnzimmer der Wassens in Geilenkirchen ein. Draußen vor dem Haus haben sich ein paar Schaulustige eingefunden. Es sind Nachbarn und einige Fans, die einen Tipp bekommen haben. Woher? Das bleibt natürlich streng geheim.

Um Punkt 21 Uhr betreten die Hosen das Wohnzimmer der Wassens durch die Schlafzimmertür. Die Menge jubelt. Pfeift. Klatscht. Die Bässe dröhnen – und dann erklingen die ersten Töne von „Strom“. Niemanden hält es auf den Holzbänken. Dies ist kein Sitzkonzert. Dies ist der Abend der Abende. Eine Mega-Fete. Mitten in Geilenkirchen. Von wegen tote Hose.

Textsicher sind die Gäste allemal. Egal ob bei „Altes Fieber“, „Tage wie diese“ oder Klassikern wie „Wünsch dir was“ oder „Pushed again“, die Menge geht mit.

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Magical Mystery Tour 2017 // Tag 7: Geilenkirchen Eine Stadt, ein Name, ein Auftrag.

Campino gibt sich beeindruckt: „Eine Rockband muss in ihrer Karriere mindestens einmal in Geilenkirchen gespielt haben“, sagt der Sänger und erntet natürlich Applaus.

Zweimal verlässt die Band das Wohnzimmer, und zweimal rufen die Fangesänge rund um die Hosen und die Fortuna die fünf Düsseldorfer zurück ins Wohnzimmer. Wahrscheinlich geben die Fans schließlich nur deshalb Ruhe, weil Campino verspricht, dass die Hosen als Partygäste noch viel mehr hermachen als als Band.

Mit Currywurst und Bier

Und so kommt es dann auch. Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Vom Ritchie mischen sich unters Volk, lachen, quatschen, essen Currywurst, trinken Bier und lassen den Abend für Michael Wassen, seine Familie, seine Freunde und Kollegen unvergesslich werden. Davon wird er sicher noch seinen Enkelkindern erzählen. Vielleicht streicht er auch um Campinos Fußabdruck an der Decke herum. Das wäre jedenfalls etwas ganz Besonderes.

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