Düren - Eine Urne für das gestorbene Haustier

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Eine Urne für das gestorbene Haustier

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
Der Bedarf an Urnen für Tiere
Der Bedarf an Urnen für Tiere steigt, der Bedarf an Tierbestattungen überhaupt: Andrea Fackeldey aus Düren, die in einigen Tagen ein solches Bestattungsunternehmen Foto: Ingo Latotzki

Düren. Plötzlich ist es still in der Wohnung. Wenn Irene M. früher nach Hause kam, die Tür aufschloss und gerade den ersten Fuß in den Flur gesetzt hatte, war er da: immer schwanzwedelnd, manchmal sogar ein wenig bellend, vor Freude.

Dass er kläffte, wollte Irene M. nicht, wegen der Nachbarn, aber was sollte sie machen: Arko freute sich unbändig, wenn er sie sah. Nun ist er tot. Krebs. Es hat nur vier Wochen gedauert. Arko, ein Zeit seines Lebens fideler Jack Russel, wurde 13 Jahre alt.

Für Frau M. brach eine Welt zusammen. Als der Tierarzt sie fragte, was mit Arko geschehen solle, wenn er ihn von seinem Leiden erlöst habe, wusste sie keine Antwort. Mit dem Thema hatte sich Irene M. nie beschäftigt. „Das geht vielen so”, sagt Andrea Fackeldey, 44. Die Dürenerin hat „ewig schon Tiere” und weiß, wovon sie redet. „Die meisten sind erst einmal ratlos und haben keine Ahnung, ob sie den Kadaver in eine Tierkörperverwertungsanlage bringen lassen sollen oder ob sie den Leichnam selbst beerdigen.”

Mit der Situation überfordert

Andrea Fackeldey macht diese Frage gewissermaßen zur Grundlage ihres neuen Berufes. Sie ist Tierbestatterin, die erste im Kreis Düren, eine von wenigen in der Region. Sie kümmert sich um alles, was mit der Beerdigung des geliebten Haustieres zu tun hat. „Tiere sind heute oft echte Familienmitglieder”, sagt sie, „das war früher nicht so. Und wenn etwa ein Hund, der einen viele Jahre begleitet hat, nicht mehr lebt, ist das ein ganz harter Schlag für die Besitzer.” Andrea Fackeldey sagt, viele seien mit der „Situation völlig überfordert”.

Ihr kleines Bestattungsunternehmen liegt im Süden Dürens. Im Schaufenster kleine Särge, hinten an der Wand ein größeres Regal mit Urnen. Im Empfangsraum ein rustikaler Holztisch für ein erstes Gespräch. Gleich nebenan gibt es ein Zimmer, in den sich die Trauernden zurückziehen können. „Unser Abschiedsraum”, sagt Andrea Fackeldey. In einem der dunklen Ledersessel könnte auch Irene M. Platz nehmen, zehn Minuten, eine halbe Stunde, „ganz wie man will”, sagt Andrea Fackeldey. Jeder bekomme die Zeit, die er brauche, um endgültig Lebewohl zu sagen.

Immer mehr, hat die Jung-Unternehmerin beobachtet, wollten ihr Tier in ein Krematorium bringen lassen, um anschließend eine Urne zu haben, die daheim im Wohnzimmerregal steht. Was bei Menschen in Deutschland nicht erlaubt ist, darf bei Tieren durchaus sein. Andrea Fackeldey steht auf und holt ein paar Urnen, die gar nicht wie Urnen aussehen.

Es gibt Buch-Imitationen, in die die Asche gefüllt werden kann. Oder kleine Kisten, die an der Vorderseite einen Bilderrahmen haben - für diese Variante könnte sich Irene M. entscheiden. So hat sie ihren Arko immer noch gut sichtbar in ihrer Nähe. „Wer einen Garten hat, kann sich natürlich für eine Erdbestattung im Sarg entscheiden”, sagt Andrea Fackeldey. Zwischen 100 und 200 Euro kosten die Särge, eine Einäscherung liegt durchschnittlich bei 250 bis 300 Euro.

Hundezucht und Tierpsychologie

Bevor die Mutter von drei Kindern, die nebenher an einer Abendschule in der Schweiz Tierpsychologie studiert, ihr Geschäft am 13. August eröffnen kann, musste sie „zig Genehmigungen beantragen”. Es geht um Hygiene-Nachweise oder das Spezialfahrzeug, das sie anschaffen musste, um die toten Tiere ins Krematorium zu fahren. Sie arbeitet mit einem bundesweit tätigen Tierbestattungsunternehmen zusammen und übernimmt nun die Region Rheinland-West. Dass sie fortan vielfach mit dem Tod konfrontiert ist, stört die Dürenerin nicht. „Der gehört zum Leben dazu.” Wie die Geburt, mit der sie auch zu tun hat. Andrea Fackeldey ist auch noch Hundezüchterin.

Und wer weiß, vielleicht kommt Irene M. irgendwann später, nach einer angemessenen Trauerzeit für ihren Arko, auf Andrea Fackeldey zu und fragt, ob sie den ganz jungen Welpen mal beim Spielen zuschauen darf.
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