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Ein Schloss, errichtet wie im Mittelalter

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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So wie das Modell im Rathaus von Landgraaf soll es in ein paar Jahrzehnten wieder aussehen: Schloss Schaesberg (vorne im Bild) mit dem dazugehörigen Gehöft. Foto: Verena Müller

Landgraaf. Zwischen Bäumen und Büschen verborgen sind die traurigen Reste der Ruine von Schloss Schaesberg selbst aus hundert Metern Entfernung leicht zu übersehen. Kaum vorstellbar, dass das einmal einer der prachtvollsten Adelssitze der Region gewesen sein soll - und dass es in ein paar Jahrzehnten wieder in alter Pracht erstrahlen soll.

Ein Rest des Turms ragt noch in die Höhe, ein Teil einer Wand des Haupthauses. Der Rest der Insel, etwas außerhalb des niederländischen Landgraafs, ist verwildert.

Wenn es nach den Vorstellungen von Jo Nievelstein, Verwaltungsmitarbeiter der Gemeinde Landgraaf für Denkmalschutz, und Hans Erfkemper geht, Beigeordneter der Stadt, sollen nicht nur Schloss und angegliedertes Gehöft wieder aufgebaut werden, sondern sogar ein ganzes spätmittelalterliches/frühneuzeitliches Dorf drumherum entstehen.

80 Hektar Grün sollen außerdem in die Zeit der Renaissance zurückversetzt werden. Nicht mit heutigen technischen Mitteln soll der ehemalige Adelssitz auferstehen, sondern mit mittelalterlichen Handwerksmethoden. 25 bis 30 Jahre wird das vermutlich dauern.

„Wir haben gerade 150.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung gestellt”, sagt Erfkemper und fügt schnell hinzu: „Aber wir sind ohnehin fest davon überzeugt, dass das möglich ist.”

Gespräche mit möglichen Investoren laufen schon, zehn bis 15 Millionen Euro müssten für die ersten fünf Jahre in das Projekt fließen, meint der Beigeordnete.

„Dann finanziert sich das von selbst.” Der Wiederaufbau soll zur Touristenattraktion werden, etwas ähnliches gibt es in Frankreich bereits, in Guédelon, 185 Kilometer südlich von Paris.

„350.000 Besucher kommen pro Jahr dorthin, neun Euro Eintritt werden verlangt”, sagt Erfkemper, der sich mit einer Delegation des Rats die Baustelle angeschaut hat.

So wie dort, sollen auch in Landgraaf in der Nähe Zulieferbetriebe angesiedelt werden. Steinmetze, Seilmacher und andere Handwerker sollen in einem noch zu errichtenden Dorf arbeiten, das, am Rande bemerkt, zu keinem Zeitpunkt in Schaesberg nachgewiesen werden konnte.

Das Personal soll sich laut Erfkemper und Nievelstein aus verschiedenen Gruppen zusammensetzen. „Für die Expertise wollen wir ein Institut hinzuziehen, das in historischen Berufen ausbildet. Zehn Leute werden das in etwa sein”, sagt Erfkemper.

Daneben sollen zwischen 40 bis 60 vom Institut geschulte Langzeitarbeitslose und Ehrenamtler eingebunden werden. Herzblut müssten sie mitbringen, sagt Erfkemper.

Bedenken, dass Langzeitarbeitslose die ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen - kein Strom, kein fließend Wasser, harte körperliche Arbeit - abschrecken könnte, hat Erfkemper nicht: „Wer die Arbeit verweigert, bekommt deutlich weniger Sozialhilfe”, sagt er knapp. Nach der Arbeit, ergänzt er mit einem Augenzwinkern, dürften die Handwerker ja auch wieder in die Zivilisation zurück.

Was nach der Fertigstellung des Schlosses und des Gehöfts mit den neu gewonnenen Räumen passiert, ist noch unklar. Bis dahin ist ja auch noch Zeit. „Wenn wir eines haben, dann ist das keine Eile”, sagt Erfkemper.
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