Ein Museum über die Jagd und eine Kirche zum Klettern

Von: Von Edda Neitz
Letzte Aktualisierung:
7899182.jpg
Hingucker: ein Mammut oder auch großer Wald-Elefant, erlegt durch die Speere der Eiszeitjäger. Foto: Museum „Mensch und Jagd“, Brüggen
7899186.jpg
Auf dem Weg nach oben: die 13 Meter hohen Wände in St. Peter in Mönchengladbach sind immer wieder eine Herausforderung. Regelmäßig werden die Routen geändert. Es ist die einzige Kletterkirche bundesweit. Foto: Edda Neitz

Region. Mit „Waidmannsheil“ grüßen Jäger. Bärbel Weinmann grüßt mit einem schlichten „Guten Tag“, wenn sie Besucher durch das Museum „Mensch und Jagd“ in der Burg Brüggen führt. Bärbel Weinmann ist passionierte Jägerin, das merkt man sofort. „Jagen ist mehr als nur Tiere erlegen“, sagt sie und kommt auch gleich zum Thema.

Die Natur als ein komplexes Gefüge zu betrachten – im Mittelpunkt das Wild und der Wald – und dabei auch zu wissen, wie das gesamte Öko-System funktioniert, ist ein Blickwinkel, mit dem Jäger durch ihr Revier und Besucher durch diese Ausstellung gehen.

An der Schwalm liegt das Burgstädtchen Brüggen, 26 Kilometer westlich von Viersen. 1305 erbten die Jülicher dieses Gebiet und bauten die Burg Brüggen, eine strategisch wichtige Grenzfeste. Von der großen Wehranlage mit drei Ecktürmen sind nur der Palas, also der große Wohnbau, und der Südwestturm gut erhalten. Dort befindet sich jetzt das Jagd- und Naturkundemuseum.

Im Wald: Die fast perfekte Illusion

„Wir wollen unseren Besuchern den Blick zur Natur öffnen“, unterstreicht Bärbel Weinmann ihr Anliegen. Das wird ihr auch gelingen. Denn wer den großen Raum im ersten Stock betritt, der fühlt sich gleich inmitten eines Waldes. Vögel zwitschern, ein Specht klopft, und dazwischen ertönt das Röhren des Rotwildes. Ein Diorama vermittelt hier die fast perfekte Illusion, der Natur nahe zu sein.

Einen besonderen Überblick hat der Besucher vom Hochsitz am Ende des Raumes. Von dort sieht er Rotwild, Dachs und Marder, umgeben von einer typischen Mittelgebirgslandschaft mit Bäumen und Felsen.

Gefahren auf der Wiese

Dann folgt ein Abschnitt mit der typischen Fauna und Flora der Wiesen- und Feldflur. Neben den Feldhasen steht ein Reh mit ihrem Kitz. „Für kleine und junge Tiere sind die Weizenfelder eine große Gefahr“, erklärt Jägerin Weinmann. Rehe legen ihre Kitze für kurze Zeit im Feld ab. Gut getarnt mit ihrem gefleckten Fell und im hohen Gras sind die kleinen Tiere für den Landwirt nahezu unsichtbar. Fährt der Bauer mit seinem Traktor in hoher Geschwindigkeit – die Messer der Mähmaschine rattern laut – auf das junge Tier zu, kauert das Rehkitz ängstlich im Feld und wird von der Maschine erfasst. „Deshalb fragen wir die Landwirte, wann gemäht wird, damit wir vorher das Feld nach versteckten Rehkitzen absuchen können“, benennt Bärbel Weinmann eine wichtige Aufgabe der Jäger.

Mehr über die Geschichte der Jagd findet der Besucher im zweiten Stock des Museums. Wer nun aber eine umfangreiche Sammlung von Pfeil und Bogen, Armbrust und klassischen Jagdwaffen erwartet, wird enttäuscht. Zwar stehen in den verschiedenen Ausstellungsschränken, welche der Besucher erst öffnen muss, Exponate wie eine lange Stoßlanze aus der Zwischeneiszeit vor 120.000 Jahren oder eine der ersten Schrotflinten, doch wird hier mehr – modern inszeniert – der kulturelle Hintergrund der Jagdgeschichte betont.

Kurzweilig und abwechslungsreich wird eine Brücke vom Exponat zum informativen Text geschlagen. Kochbücher des 19. Jahrhunderts zeigen beispielsweise, wie Jagd von einem Privileg des Adels zu einer bürgerlich-bäuerlichen Beschäftigung mutierte. Statt Rezepte für Eisbein und Huhn stehen nun Rehbraten und Hasenkeule auf dem Speiseplan.

„Wir sind noch immer Jäger“, sagt Bärbel Weinmann und spricht damit unseren „Riecher“ für „Schnäppchen“ beim Einkaufen an. Mit einem Quiz zum Jägerlatein und einer Spurensuche auf dem Boden des Raumes werden vor allem die jungen Besucher angesprochen.

Ortswechsel: Eine Kirche zum Klettern

Wer jetzt mehr Bewegung braucht und sich austoben möchte, der findet in Mönchengladbach, das nur 25 Kilometer von Brüggen entfernt liegt, ein besonderes Kletterparadies. Dort, wo vor einigen Jahren noch Gottesdienste gefeiert wurden, können mutige Kletterer ihren Aufstieg zum Gipfel des Kirchenschiffes wagen. Klettern in einer Kirche – das ist bislang nirgendwo sonst in Deutschland möglich.

Die Pfarrkirche St. Peter, 1932/33 von dem Wiener Architekten Clemens Holzmeister gebaut, war schon zwei Jahre geschlossen, bevor die Kletterer Klaus Fasbender und Simone Laube wieder Leben in das Kirchengebäude brachten. Das Kletterparadies wurde 2009 eröffnet. Auf 900 Quadratmetern Kletterfläche gibt es rund 130 verschiedene Routen nach oben.

Wer an der Decke ankommt, baumelt 13 Meter über dem Boden. Schrägen, Kanten, Überhänge, große und kleine Griffe sorgen für Abwechslung. „Wir verändern alle drei bis vier Wochen einige Routen, schaffen neue Neigungen oder versetzen die Griffe“, sagt Klaus Fasbender. Nicht viel erinnert heute noch an den ehemaligen Kirchenraum. Nur das Taufbecken steht an seinem alten Platz. Und einige Kirchenbänke dienen den Kletterern als Sitzgelegenheit, wenn sie sich die Schuhe schnüren.

Bouldern: Klettern ohne Seil

Auch die große Orgel auf der Empore ist längst abgebaut, stattdessen findet der Boulder-Kletterer dort nun sein Paradies. Bouldern ist Klettern ohne Seil und Haken, an Felsblöcken entlang. Bei künstlichen Kletterwänden findet das Klettern auf Absprunghöhe statt. In der Kletterkirche ist die Wand 4,50 Meter hoch. Wer fällt, der fällt weich auf die dicken Bodenmatten.

Bouldern gehört in jede Kletterhalle. „Denn beim Bouldern können wir unsere Kletterkunst verfeinern“, fügt Tobias Leinesser hinzu. Er arbeitet hier in seiner Freizeit als Animateur und Betreuer. Wer am Wochenende zum Schnupperklettern kommen möchte, der sollte sich auf jeden Fall anmelden, rät der junge Kletterer. Denn dann ist in der Kletterkirche in Mönchengladbach viel los.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert