Herzogenrath - Ein Mann, dessen Wort noch zählt: Carl Meulenbergh wird 70

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Ein Mann, dessen Wort noch zählt: Carl Meulenbergh wird 70

Von: Manfred Kutsch
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Seit 70 Jahren bewältigt er seinen eigenen Lebensparcours, in der Aachener Soers hat er die EM 2015 im Visier: ALRV-Präsident Carl Meulenbergh. Foto: Rubel, Jaspers
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In vielen Lebensphasen zu einem starken Team zusammengewachsen: Carl Meulenbergh und seine Frau Hildegard in ihrem Wohnzimmer.

Herzogenrath. Um eine Geiß – also eine weibliche Gams – zu schießen, die wirklich alt ist, muss man in den Bergen hoch hinauf. Das weiß ein erfahrener Jäger wie Carl Meulenbergh. Also scheute er vorige Woche in Kärnten keine Abhänge und steilen Trampelpfade, um auf über 2000 Metern ein 17-jähriges Tier waidgerecht zu erlegen und später einzuräumen.

„Es war schon etwas anstrengend, wir waren ja von sieben Uhr morgens bis 20 Uhr abends unterwegs.“ Das freie Panorama der Alpen mag für den zähen Kletterer die optimale Kulisse gewesen sein, auf sein Leben zu blicken, nach vorne und zurück. Denn Samstag wird der Präsident des Aachen-Laurensberger-Rennvereins (ALRV), einst Landrat (1994 bis 2009) und Vater der Städteregion, 70 Jahre alt. Wie er damit umgeht? „Feige“, griemelt er. „Ich gebe zu, dass ich das Thema Alter für mich persönlich nicht genug durchdenke.“ Das hat er schon vor zehn Jahren zu seinem Sechszigsten gesagt. Pardon, Herr Präsident, nichts dazugelernt? Meulenbergh wiegelt ab: „Es sind die Zahlen. Sie sagen mir nichts.“ Der Mann steht mitten im Leben. Punkt.

Gefeiert wird Samstag auf seinem 1624 erstmals erwähnten Bauernhof in Hofstadt, dem nördlichsten Teil von Herzogenrath, Sitz der Meulenbergh-Dynastie in siebter Generation. Das historische Gehöft, umgeben von Rüben-, Weizen- und Kartoffelfeldern, prägte die Bodenständigkeit des weit gereisten Geburtstagskindes wie kein anderer Ort in seinem Leben: Von früh an Verantwortung tragen, anpacken, säen, ernten, reiten, Pferde züchten, immer den Launen der Natur ausgesetzt – mit der handfesten Mühsal des Alltags aufzuwachsen schnitt klare Konturen in seinen Charakter.

Ganz und gar uneitel kommt dieser Präsident daher. Seine Authentizität findet er in dem, was er mit der Schlichtheit des Wortes sagt – und vor allem immer auch so meint: „Er war ein Handschlag-Politiker. Was man mit ihm vereinbart hatte, das galt“, sagt Martin Schulz (SPD), heute Präsident des Europäischen Parlamentes, früher Würselener Bürgermeister.

Diese Verlässlichkeit, Zugewandtheit und Präsenz (flankiert von detailverliebter Ungeduld, penibler Pünktlichkeit und einem beachtlichen Durchsetzungsvermögen) prägen ihn auch als obersten Repräsentanten des Weltfestes des Pferdesports. An dem nimmt er seit 1946 ununterbrochen teil – bereits als Sohn mit dem Vater mitfiebernd, der als Aktiver in Springprüfungen an den Start ging.

Heute ist der Aachener CHIO eine Welt für sich im hart umkämpften globalen Turnier-Business. Die Nummer 1, die den Springsport nach China exportiert, mit zwölf Millionen Euro Budget, fast 400.000 Zuschauern, TV-Übertragungen in 140 Länder und, und, und. Wenn der Präsident von der Zukunft dieses Top-Events spricht, dann hört sich das so an: „Wir wollen den CHIO langsam, aber stetig fortentwickeln.“ Oder so: „Unsere wichtigste Frage lautet: Wie können wir auf allen Ebenen noch Stück für Stück besser werden und vor allem dabei finanziell immer gesund bleiben?“ Aber auch: „Wie kann man manches Springen dem Publikum noch näherbringen? Noch zeitgemäßer werden?“

Vorsicht! Hinter mancher Frage des Aufsichtsratsvorsitzenden könnte Ungeduld lauern. Das weiß „dieses großartige Team in der Geschäftsstelle“, so Meulenbergh, rund um Vorstandschef Frank Kemperman und Vermarkter Michael Mronz. „Da wird höchst professionelle Arbeit gemacht, aber ganz wichtig: Die haben auch Spaß miteinander, und erst der garantiert den Erfolg.“

Genau den hat der einstige Landrat – als solcher Chef von 900 Mitarbeitern – lange Zeit bei seinem „Kind“ Städteregion vermisst. „Aber aktuell habe ich das Gefühl, dass die Entwicklung erfreulich ist. Das Thema erscheint mir inzwischen positiver besetzt, die Akteure haben sich zusammengerauft,“ meint er. Ende der Durchsage.

Seinen 50. Geburtstag feierte Carl Meulenbergh ebenfalls auf seinem landwirtschaftlichen Anwesen. Eine ganz andere Zahl als die seines Alters ging ihm damals richtig ans Gemüt: „110 Millimeter Regenwasser waren in den Tagen zuvor vom Himmel gefallen. Wir feierten auf einer Wiese, doch selbst der Holzboden, den wir gelegt hatten, sackte im Sumpf weg.“

Der aktuelle Wasser-Messstand auf dem Gut in Hofstadt liegt bei rund 100 Millimeter. Aber auf der Wiese von damals steht diesmal eine Reithalle, in der 300 Gäste trockenen Fußes feiern können – herzlichen Glückwunsch.

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