Aachen - Ein Frühstart in die Ferien wird teuer

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Ein Frühstart in die Ferien wird teuer

Von: Laura Beemelmanns
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Eltern, die ihre Kinder wegen einer Urlaubsreise nachweislich früher vom Unterricht befreien, müssen zahlen. Bis zu 1000 Euro. Foto: dpa
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Früher in die Ferien fliegen als erlaubt? Wer sein Kind eigenmächtig vom Unterricht befreit, wird angezeigt und muss mit einem hohen Bußgeld rechnen. Foto: stock/Wothe

Aachen. Die Sommerferien stehen unmittelbar bevor. Für viele Familien bedeutet das Koffer packen und verreisen. Um Geld, zum Beispiel bei Flugtickets, zu sparen, wird auch gerne mal kurz vor und kurz nach den Ferien gebucht und somit bewusst geschwänzt. Erlaubt ist das allerdings nicht.

Und es kann zudem ganz schön teuer werden, denn Schule schwänzen ist grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 1000 Euro geahndet wird.

In Kürze starten die Schüler in Nordrhein-Westfalen (NRW) als eines der drei letzten Bundesländer in die Ferien. In der Region werden die Koffer jedoch keineswegs zu früh gepackt. Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, geht davon aus, dass „die Zahl nicht zugenommen hat“. Das bestätigt auch Manfred Egerding, kommissarischer Leiter des Philologenverbandes Bezirksgruppe Aachen und stellvertretender Oberstufenkoordinator am Inda-Gymnasium Kornelimünster. „In den letzten Jahren ist es besser geworden. Vor circa sechs bis sieben Jahren waren teilweise bis zu 50 Prozent der Schüler nicht da. Das typische Ausfransen der Ferien war mal ein Problem, ist es aber nicht mehr.“ Am Inda-Gymnasium gebe es in diesem Jahr nur einen Fall – entschieden wurde diesbezüglich allerdings noch nicht. Ansonsten „ist mir in Aachen kein einziger Fall bekannt“, fügt er hinzu.

Auch das Einhard-Gymnasium Aachen verzeichnet einen positiven Trend. „Es gibt tatsächlich keine signifikant erhöhte Anzahl von fehlenden Schülern kurz vor oder kurz nach den Ferien“, sagt Schulleiter Ralf Gablik. Das Cusanus-Gymnasium Erkelenz reiht sich ein: „Es gibt kaum Fälle, bei denen überhaupt die Vermutung entstehen könnte, dass geschwänzt wird. Sollte ich von einem Fall hören, bin ich verpflichtet, ihn der Bezirksregierung zu melden und kann bei einem begründeten Verdacht ein Attest verlangen. Aber im Prinzip ist das Thema Schulschwänzen vor und nach den Ferien kein Thema an unserer Schule“, sagt Schulleiterin Rita Hündgen. Und auch an der Europaschule in Langerwehe sind „ausgefranste“ Ferien absolut kein Thema. „Es gibt schon seit Jahren keine Anfragen von Eltern, ihre Kinder früher zu beurlauben oder länger in den Ferien zu lassen“, sagt der stellvertretende Schulleiter Heinz-Georg Bock von Wülfingen. Die Eltern seien rechtzeitig informiert, dass entsprechende Anträge nicht genehmigt werden könnten. „Bei uns an der Schule gibt es eine absolut klare Linie“, so Bock von Wülfingen.

Allerdings sprechen die tatsächlichen Zahlen in der Region – zumindest tendenziell – in diesem Jahr schon für einen Anstieg im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Bislang gingen insgesamt 529 Anzeigen wegen Schulschwänzens bei der Bezirksregierung Köln ein. Und „wir haben erst Halbzeit“, sagt der Pressesprecher der Bezirksregierung Köln, Oliver Moritz. Zurzeit befinde man sich noch im Bearbeitungsrückstand. Sommer-, Herbst- oder Winterferien sind bisher nicht mit einbezogen.

2012 gab es insgesamt 894 angezeigte Schulschwänzer – im ganzen Jahr, die Schwänzer vor den Ferien werden nicht extra erfasst. 2011 waren es noch 1111. Doch die Zahl von 529 Anzeigen bis Mitte Juli 2013 sei doch schon erheblich, sagt Moritz.

Um potenziellen Schwänzern entgegenzuwirken, werden Bußgelder verhängt. „Bis zu 1000 Euro“, sagt der Pressesprecher. Warum so hoch? „Das Bußgeld soll nicht die billigere Alternative sein“, erklärt er, und „oft sparen Eltern beim Flug 500 Euro. Wenn das Bußgeld dann 300 Euro beträgt, haben sie immer noch 200 Euro gespart.“ Kurzum: Schule schwänzen unmittelbar vor oder nach den Ferien soll „kein gutes Geschäft“ mehr sein. „Jedes Fehlen zu diesen Vor- und Nachferienzeiten wird genau betrachtet. Sollte das Fehlen eines Schülers tatsächlich Fragen aufwerfen, fordert die Schulleitung ein ärztliches Attest. Sollten in Einzelfällen Fragen offen bleiben, hat die Schule die Möglichkeit, ein amtsärztliches Attest einzuholen.

Bei einem Ergebnis, das nicht zur Entschuldigung führt, würde eine Meldung an die obere Schulaufsichtsbehörde erfolgen, die die weiteren Schritte unternimmt“, erklärt Gablik. Und was ist, wenn Eltern offen mitteilen, dass ihr Kind wegen einer Reise fehlt? „In einem solchen Fall muss genau geprüft werden, ob es für den individuellen Einzelfall vertretbare Gründe für ein Überschreiten der Ferienzeiten gibt. Völlig ausgeschlossen ist dabei die bloße Ferienverlängerung oder die Absicht der Familie, neben den regulären Ferienzeiten günstigere Flugpreise oder Unterkünfte zu erstehen. Dies ist per Erlass ausdrücklich kein Grund für eine Genehmigung.“

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