Wassenberg/Aachen - Ein erstes Geständnis im Wassenberger Mordfall

Ein erstes Geständnis im Wassenberger Mordfall

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Angeklagte Franky G. am Eröffnungstermin beim Prozess in Aachen. Foto: dpa
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Der Hauptangeklagte Janosch Wolfgang S. beim Betreten des Saals im Aachener Landgericht. Foto: dpa

Wassenberg/Aachen. Vor dem Aachener Schwurgericht rang sich am Donnerstag einer der drei wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagten Männer aus Wassenberg, Wegberg und Krefeld zu einem Geständnis durch. Der 37-jährige Franky G. aus Krefeld ließ über seine Verteidiger verlesen, dass er bei beiden angeklagten Taten am Abend und später in der Nacht des 21. Oktober 2012 zugegen war.

Auch an der versuchten Tötung des Wassenberger Arzt Michael D. (51) im niederländischen Grenzgebiet habe er sich beteiligt. Das Trio hatte kurz zuvor den jüngeren Bruder des Arztes nicht weit entfernt auf einem Wassenberger Parkplatz getötet. Dabei sei es Janosch S. gewesen, der das aus Bonn stammende Opfer niedergeschlagen und getötet habe.

Auch im zweiten Fall sei es wieder der Hauptangeklagte und Vater seines Schwagers Janosch S. gewesen, der urplötzlich aktiv wurde und den Arzt mit einem schweren Gegenstand mit heftigen Schlägen auf dessen Kopf töten wollte. Dort auf der dunklen Landstraße nahe des niederländischen Örtchens Maria Hoop habe er nicht genau sehen können, mit welchem Gegenstand Janosch S. zugeschlagen habe. Er meine aber, es sei ein Ziegelstein gewesen.

Das Opfer sei zunächst neben seinem Wagen zusammengesackt, habe sich dann aber plötzlich doch gegen die Schläge von S. gewehrt. Da sei er hinzu getreten und habe dem Opfer „zwei Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen“, hieß es in dem Geständnis.

Der Arzt sei schließlich über die Straße in den nahen Wald geflohen. G. habe ihn zunächst verfolgt. Doch am Waldrand angekommen, sei er wie aus einer Trance aufgewacht. Da habe er sich entschlossen, nicht weiter mitzumachen und den Mann entkommen zu lassen. Dem Arzt gelang dann in der Tat die Flucht durch ein weitläufiges Maisfeld.

Die Einlassung des 37-jährigen kam erst am 19. Verhandlungstag des langwierigen Prozesses, in dem auch die Betrugsvorwürfe gegen den einschlägig vorbestraften Kaufmann Janosch S. geklärt werden müssen. So hatte die Kammer unter Vorsitz von Richter Arno Bormann aufzuklären, in welchem Umfang eine Reihe von Opfern aus dem Bonner Raum, darunter auch die Eltern der beiden angegriffenen Brüder, um ihr Geld gebracht worden waren. Alleine in der Familie des Arztes belief sich die Betrugssumme auf mehr als zwei Millionen Euro. S. hatte mit immensen Zinszusagen und der Warnung vor einer Pleite des wackeligen Euro die Menschen dazu gebracht, ihm ihr Geld zumeist ohne jeden Beleg anzuvertrauen.

Franky G. gab an, seit langem drogenabhängig zu sein. Er stamme wie Janosch S. und sein Schwager Georg S. aus einer weitläufigen Sippe der Roma. Seine Familie sei aber sesshaft. Er habe sich und seine zahlreichen Kinder aus drei Beziehungen mit dem Handel mit Teppichen und aus Hartz-IV-Geldern ernährt.

Als er über den Sohn von S. die Nachricht bekam, er solle bei einem Job helfen, sei das für ihn „wie ein Sechser im Lotto“ gewesen. Denn Janosch S. gelte bei den Roma „als Oberguru bei Finanzgeschäften“, hieß es in der Erklärung. Der Sohn von S. habe ihm versichert, es gehe um Geldgeschäfte.

Sollte die Kammer der Einlassung von G. folgen, steht bei der Urteilsfindung juristisch ein strafbefreiender Rücktritt von der versuchten Tötung im Raum. Janosch S. hat bislang eisern zu den Vorwürfen geschwiegen, der mitangeklagte Norbert D. (47) hat eine direkte Tatbeteiligung abgestritten.

Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.

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