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Ein chinesischer Pavillon soll Düren Glück bringen

Von: Isabelle Hennes
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So sieht das Geschenk aus Jinh
So sieht das Geschenk aus Jinhua aus: Der Glückspavillon, der jetzt in Dürens alter Stadtgärtnerei steht. Foto: Ingo Latotzki, Isabelle Hennes

Düren. Es ist früh am Morgen, aber sie sind schon im Einsatz. In der alten Stadtgärtnerei winken vier Chinesen in Arbeitskleidung einem Mitarbeiter der Stadt zu, der auf seinem Fahrrad vorbeifährt und freundlich grüßt. Sie haben von sich Reden gemacht, die vier Chinesen, die seit Ende August täglich am neuen Glücksbringer der Stadt arbeiten.

Sie kommen aus Jinhua, der chinesischen Partnerstadt Dürens. Die Städtepartnerschaft zwischen Düren und der 350 000-Einwohner-Stadt Jinhua besteht seit 2002. Als Zeichen der besonderen Verbundenheit haben die Stadtväter Jinhuas jetzt einen chinesischen Pavillon auf die Reise geschickt. „So ein Geschenk als Glückssymbol für die Städtepartnerschaft ist eigentlich üblich”, sagt Helmut Göddertz vom Partnerschaftsverein beider Städte. In Aachen werden die Besucher des Casinos beispielsweise von zwei großen Steinlöwen begrüßt, die der Stadt im Rahmen der Feiern zur 20-jährigen Städtepartnerschaft mit Ningbo 2006 geschenkt worden sind.

Vier Wochen lang war das Bauwerk, zerlegt in seine Einzelteile, in einem Container auf einem Frachtschiff unterwegs. Um den Bau in Deutschland etwas zu beschleunigen, wurde der sechseckige Pavillon von acht Metern Höhe und rund 13 Metern Breite vor seiner Verschiffung in China schon einmal zusammengebaut, die einzelnen Teile mit Nummern versehen und ein Foto des kompletten Bauwerks inklusive Plan an die Stadt Düren geschickt.

In China haben solche Pavillons eine lange Tradition und gelten als Kunstwerk. Früher ein Statussymbol der Oberschicht, sind sie heute in öffentlichen Parks zu finden. Es sei diese „besondere Atmosphäre”, sagt Lie Yoeng-Tjiong, die solch ein Rondell ausstrahle und zum kulturellen Treffpunkt für die gesamte Bevölkerung mache. „Ein Pavillon bringt den Menschen Glück”, sagt er. Lie ist Mitarbeiter des Partnerschaftsvereins und steht den vier Arbeitern aus China als Dolmetscher zur Verfügung und betreut das Projekt.

„Die Facharbeiter arbeiten sehr selbstständig”, sagt Hartung. Das müssen sie auch, denn zum Stadtfest am kommenden Wochenende soll der Pavillon fertig sein. Ein straffer Zeitplan also. Da bleibt wenig bis gar keine Zeit, den Aufenthalt in Deutschland für einen Trip nach Aachen oder Köln zu nutzen. „Die Chinesen arbeiten jeden Tag elf Stunden an dem Pavillon”, sagt Lie. Mehr als 1000 dunkelrote, fast gleißend glänzende Dachziegel müssen einzeln und einem ganz bestimmten Muster folgend auf dem Dach befestigt werden. Chinesische Baukunst und deutsche Behörden - passt das zusammen? „Durchaus”, sagt Lie, „schon im Vorfeld ist die Arbeit sehr harmonisch abgelaufen.”

Auf der einen Seite steht der Pavillon für die Leichtigkeit der schönen Dinge und dafür, das Leben zu genießen. Auf der anderen Seite richtet sich die Architektur des Pavillons aber strickt nach den Gesetzen der chinesischen Denk- und Lebensart. „Zum Pavillon hinauf führen acht Stufen: Acht ist in China eine Glückszahl”, erklärt Lie. Außerdem muss der Pavillon immer nach den Gesichtspunkten der Feng-Shui-Lehre erbaut werden: Der Mensch in harmonischem Einklang mit seiner Umgebung. Das setzt eine Ortskenntnis des Umfeldes voraus, an dem der Pavillon stehen soll.

In Düren gestaltete sich das natürlich etwas schwierig, weil die Stadt bereits im Vorfeld nach einem geeigneten Standort für den Pavillon Ausschau gehalten hatte. Dass die Wahl auf die alte Stadtgärtnerei fiel, hat ausschließlich praktische Gründe: Hier ist der Pavillon von einem Zaun umgeben und dadurch nachts vor Vandalismus geschützt - ein Problem, mit dem Düren häufig zu kämpfen hat.

Der ursprüngliche Gedanke, dass der Pavillon immer zur Verfügung stehen soll, geht durch die Umzäunung natürlich etwas verloren. Was nun die Anwendung der Feng-Shui-Lehre betrifft, war es Aufgabe des Dürener Servicebetriebes, für die optimale Ausrichtung des Pavillons zu sorgen. Jia Guan-Lie, einer der Facharbeiter, denkt aber, dass das gelungen ist: „Das ist ein guter Platz.”

Löwentanz beim Stadtfest

Im kommenden Jahr besteht die Städtepartnerschaft zwischen Düren und Jinhua zehn Jahre. Dann soll es auch ein Geschenk aus Düren nach China geben. „Ich hoffe, es wird etwas typisch Deutsches”, sagt Lie und lacht. Eingeweiht wird der Pavillon beim Stadtfest mit einem Löwentanz. Auch eine Delegation aus Jinhua wird nach Düren kommen. „Der Löwentanz ist ein ganz besonders festlicher Tanz, der in meiner Heimat zu besonderen Anlässen wie Neujahr aufgeführt wird”, sagt Lie. „Der Tanz soll den Menschen Glück bringen” - ganz so wie der neue Pavillon.
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