Ein breites Bündnis, das mit einer Zunge spricht

Von: Daniel Gerhards
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Alsdorf. Ein Zeichen wollen sie setzten. Bei der zweiten Regionalkonferenz antifaschistischer Initiativen formierte sich am Samstag ein breites Bündnis gegen Rechts.

Rund 100 Vertreter von etablierten Parteien, Gewerkschaften, Atomkraftgegnern, kapitalismuskritischen Gruppen oder Jugendgruppierungen diskutierten über die gesellschaftliche Gefahr, die vom Rechtsextremismus ausgehe.

Eine der zentralen Fragen der Konferenz war, ob rechte Gedanken in der Mitte des Gesellschaft verwurzelt ist. Professor Dr. Wolfgang Dreßen, ehemaliger Leiter der Arbeitsstelle Neonazismus an der FH Düsseldorf, erklärte, dass gerade die jüngste Sarrazin-Debatte zeige, dass rassenideologisches Gedankengut im bürgerlichen Kern der Gesellschaft verwurzelt sei. Dabei handele es sich um eine Kontinuität, die seit den 1920er Jahren vorhanden sei.

Nun sind Sarrazin-Befürworter nicht gleich Neonazis. Daher gelte es zu verhindern, dass rechtsextreme Gruppen einen stärkeren Zulauf bekommen. „Wir dürfen die Jugendlichen nicht wegschieben”, erklärte Aachens Bürgermeisterin Margarethe Schmeer. „Jugendliche, die sich minderwertig fühlen, sind in rechten Initiativen schnell jemand.” Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders forderte umfassendere Informationen, „um die Menschen vor den rechten Rattenfängern zu bewahren”.

Um Neonazi-Gruppen entgegenzutreten, bedürfe es eines gesellschaftlichen Schulterschlusses. „Wir brauchen ein gemeinsames breites Bündnis, das mit einer Zunge spricht”, forderte Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt. So nutzten die Konferenzteilnehmer die Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen.

Besonders im „arg von Neo-Nazis gebeutelten” Stolberg müsse man den Rechtsextremisten entgegentreten, erklärte Konferenz-Organisator Kurt Heiler, Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. „Unser Ansatz ist bürgerschaftliches Engagement”, erklärte Stolbergs 2. stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen. „Wir müssen zeigen, dass die ganze bürgerliche Gesellschaft gegen Neo-Nazis ist.” Dafür setzen die Stolberger auf das Engagement ihrer Parteien, Vereine und Kirchen. „Wir machen das schon in den Grundschulen zum Thema”, sagte Nießen.

In einem Arbeitskreis diskutierten einige Konferenzteilnehmer, wie man geplanten Neo-Nazi-Aufmärschen in Stolberg begegnen soll. Man wolle sich die Rechten entgegenstellen und ein effektives Statement setzen, lautete das Fazit des Arbeitskreises. Dafür sei Aufklärung elementar: „Wir müssen den Leuten sagen, warum sie nach Stolberg kommen sollen. Man kann die Neo-Nazis nicht einfach laufen lassen. Ignorieren löst keine Probleme und ist sehr gefährlich”, erklärte ein Diskussionsteilnehmer, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Die Notwendigkeit sich gegen die Aufmärsche zu stellen, wurde in der Abschlusserklärung festgehalten. Dort formulierten die Initiativen auch, dass sie „den Neo-Nazis nicht nur hinterherlaufen wollen”. Sie wollen selber „einen eigenen Beitrag für eine solidarische und nicht rassistische Gesellschaft entwickeln”.
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