Ein 15-Jähriger fährt, sein Vater stirbt: Ermittlungspannen und offene Fragen

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Die L228 zwischen den Heinsberger Stadtteilen Dremmen und Randerath am Nachmittag des 21. September: Der 15-jährige Fahrer wurde schwer verletzt, sein Vater, der Beifahrer war, starb noch an der Unfallstelle. Die Hintergründe sind heute, sieben Wochen später, noch unklar. Foto: CUH

Heinsberg/Aachen. Schon als die Einsatzkräfte am Nachmittag 21. September, einem Donnerstag, am Unfallort eintrafen, war klar, dass es kein Routineeinsatz werden würde, weder für die Polizei noch für die Rettungssanitäter. Der Beifahrer des verunglückten Audis war gestorben, der Fahrer schwer verletzt. Alles musste schnell gehen, ein Rettungshubschrauber wurde gerufen, der Fahrer brauchte dringend ärztliche Hilfe.

Erst später machte sich unter den Einsatzkräften die Gewissheit breit, dass dieser Unfall ein außergewöhnlicher gewesen war. Denn die Polizei stellte fest, dass der Fahrer des Autos erst 15 Jahre alt gewesen war, also gar keinen Führerschein besessen hatte. Und der Beifahrer war der Vater des Jugendlichen gewesen, er wurde 45 Jahre alt.

Fast sieben Wochen später, sind die Hintergründe dieses Unfalls auf der L228 zwischen den Heinsberger Stadtteilen Dremmen und Randerath weiterhin ungeklärt, was ungewöhnlich ist. Der 15-jährige Fahrer lag einige Zeit im Krankenhaus und war zunächst nicht vernehmungsfähig. Die Obduktion der Leiche des 45-Jährigen brachte zwar die Gewissheit, dass der Mann durch den Unfall gestorben war; warum aber sein Sohn am Steuer gesessen hatte und nicht der Vater, konnte durch die Obduktion nicht geklärt werden.

Die Aachener Staatsanwaltschaft teilte unserer Zeitung damals mit, ein sogenanntes chemisch-toxikologisches Gutachten bei der Kölner Rechtsmedizin in Auftrag gegeben zu haben. Damit solle unter anderem geklärt werden, ob der gestorbene 45-Jährige zum Zeitpunkt des Unfalls unter Umständen in irgendeiner Weise berauscht gewesen sein könnte. Entsprechende Hinweise darauf lagen zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vor.

Ermittlungspanne: Ein Gutachten fehlt

Die Erstellung eines solchen chemisch-toxikologischen Gutachtens nimmt in der Regel vier bis sechs Wochen in Anspruch, die Ergebnisse müssten mittlerweile vorliegen. Doch auf Anfrage unserer Zeitung musste die Aachener Staatsanwaltschaft am Montag einräumen, dass es anders als damals angekündigt sofort nach dem Unfall versäumt worden war, ein solches Gutachten zu erstellen beziehungsweise in Auftrag zu geben. Eine Ermittlungspanne.

Als der Staatsanwaltschaft das Versäumnis auffiel, sei dann das Gutachten doch noch in Auftrag gegeben worden. Das sei am 25. Oktober gewesen, also fast fünf Wochen nach dem Unfall, wie Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Montag mitteilte.

Auch der 15 Jahre alte Fahrer des verunglückten Audis sei immer noch nicht vernommen worden, teilte Schlenkermann-Pitts weiter mit. Gegen ihn wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Der Jugendliche lasse sich mittlerweile von einem Rechtsanwalt vertreten, der vor einer Vernehmung zunächst die Einsicht der Unfall- und Ermittlungsakten beantragt habe. Bis die Hintergründe des Unfalls aufgeklärt sind, könnten also noch einige Wochen vergehen.

Der Fahrlehrerverband Nordrhein hatte nach dem Unfall erklärt, dass junge Menschen aus ländlichen Gebieten oft mehr praktische Erfahrung und bessere psychomotorische Eigenschaften besäßen als Fahrschüler aus Großstädten. Das liege vor allem daran, dass Menschen vom Land durchschnittlich früher Erfahrungen mit motorisierten Fahrzeugen sammeln als Städter. Auch der Anteil der Fahrschüler, die etwa im Kreis Heinsberg das Angebot von begleitetem Fahren ab 17 nutzen würden, sei mit ungefähr 50 Prozent wesentlich höher als in Großstädten wie zum Beispiel Berlin (rund 20 Prozent). All das rechtfertige aber nicht, einen 15-Jährigen auf öffentlichen Straßen das Steuern von Autos zu gestatten, hieß es.

Weder bei der Heinsberger Polizei, noch im nordrhein-westfälischen Innenministerium, noch beim Fahrlehrerverband Nordrhein kann sich jemand daran erinnern, dass es in der jüngeren Geschichte einen solche außergewöhnlichen Unfall wie den am 21. September in Heinsberg gegeben habe. Schon deswegen ist die Aufklärung der Hintergründe des Unfalls von einiger Bedeutung.

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