Aachen/Nörvenich - Ehepaar 20 Jahre nach Mord in Nörvenich zu Haftstrafen verurteilt

Ehepaar 20 Jahre nach Mord in Nörvenich zu Haftstrafen verurteilt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ivan Pusnik
Eine Zigarettenkippe vom Tatort führte zu den Tätern: Nach 20 Jahren wird der Fall Ivan Pusnik gesühnt.

Aachen/Nörvenich. „Ein bemerkenswertes Urteil in einer seltenen Situation, hier kommt nach 20 Jahren Jugendstrafrecht zum Zuge.” Die Wertung des Verteidigers Klaus Klingenberg im Nörvernicher Tötungsfall von vor 20 Jahren war am Montag eher von positiver Überraschtheit geprägt.

Das heute 35 und 40 Jahre alte Kölner Paar Andrea und Manfred K. wurde nach Jugendstrafrecht zu viereinhalb (sie) und fünf Jahren Haft verurteilt. Sie seien schuldig, stellte die Große Jugendkammer am Aachener Landgericht (Vorsitz Richter Gerd Nohl) fest, am 10. Dezember 1989 den 61-jährigen Iwan P. getötet zu haben. Der Tatbestand des gemeinschaftlichen Totschlags sei verwirklicht, der angeklagte Diebstahl sei verjährt.

Warum das Gericht der eher milderen Tatvariante zuneigte, ergebe sich aus der Besonderheit des Falles, Nohl: „Wir haben es hier nach so langer Zeit mit einer prozessualen Wahrheit zu tun”. Mit der Schwierigkeit an, nach 20 Jahren genauestens zu rekonstruieren, was damals in der kleinen Mietwohnung geschah. Zwischen dem drogen- und alkoholabhängigen Pärchen und dem sich im Milieu des Kölner Hauptbahnhofs und der Domplatte auskennenden Opfer, der dort junge Sexpartnerinnen suchte, kam es zu einer tödlichen Begegnung. Sie beruhte womöglich auf einem Missverständnis.

„Es war kein Raub geplant”, fasste Nohl die Beweiserhebung zusammen, „beide erkannten sehr wohl die Sexabsichten, machten sich aber wenig draus.” So sei es in den Wertvorstellungen der jungen Leute - sie eine von zu Hause durchgebrannte Punkerin, er aus einer emotional defizitären Familie - durchaus vorstellbar gewesen, dass ein Mann seine Wohnung zum Übernachten und Baden anbot

Erst als das Opfer nackt vor der badenden 15-Jährigen - übrigens ein häusliches Missbrauchsopfer - stand, verselbstständigte sich der tödliche Dominoeffekt. Nach kurzem Gerangel hielt der eher schmächtige 20-Jährige den nackten Mann in der Bettnische des Wohnzimmers fest, die 15-Jährige stieß mit einem Messer, das nie gefunden wurde, sieben Mal zu.

„Kraftvoll und nicht ziellos”, wie der Richter betonte. Mit Stichen in Hals, Brust und Bauch verblutete er in kürzester Zeit. Viel Kopfzerbrechen machte dem Gericht die Fesselung des Opfers. Zur Tatvollendung sei sie „nicht vonnöten” gewesen. Hätte im übrigen ein Geständnis von Andrea K. gefehlt, die sich Mitte 2009 mit ihrem Mann nach der Aufforderung zu einem DNA-Test stellte, wäre eine Verurteilung wesentlich schwerer geworden.

Der Umstand schlug sich im Strafmaß nieder, wie auch „das Leben des Paares ohne jede Delinquenz vor und nach der Tat”, so der Richter. Heißt: Beide lebten mit einem Kind völlig bürgerlich, ließen sich nichts zu Schulden kommen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben, bis zum Strafantritt sind beide in Freiheit.
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