Aachen - Edle Rösser stehlen dem Sinfonieorchester die Schau

Edle Rösser stehlen dem Sinfonieorchester die Schau

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Die Dressuren bei „Pferd & Sinfonie“ lenkten von dem in großer Besetzung aufspielenden Aachener Sinfonieorchester ab. Foto: Steindl

Aachen. Es ist alles gut gegangen: Die letzten Baumaschinen wurden im strammen Marschrhythmus abgezogen und das Wetter zeigte sich gnädig. „Pferd & Sinfonie“, der Erfolgsschlager des Aachener Sinfonieorchesters im Vorfeld des CHIO, begeisterte am Wochenende im frisch renovierten „Deutsche Bank Stadion“ an zwei Abenden insgesamt über 10.000 Besucher optisch und musikalisch.

An schöner Musik und edlen Rössern war kein Mangel, auch wenn die Vierbeiner den Musikern bisweilen die Show stahlen. Ob sich in diesem Umfeld ein so komplexes Werk wie Hector Berlioz‘ „Symphonie Fantastique“ als sinnvolle Vorlage für die pittoresken Reiterspiele eignet, sollte man für die Zukunft überdenken. Den Versuch war‘s wert.

An Abwechslung mangelte es jedenfalls nicht, als der durch seine „Freiheitsdressuren“ international bekannt gewordene Pferdetrainer Jean-François Pignon mit zehn Pferden und später noch dem Pony „Petite Coeur“ und einem Fohlen den Reigen der „Träumereien und Leidenschaften“ zur großen Symphonie nach der Pause einleitete.

Die Ball-Szene füllten die A-Formation des Aachen-Düsseldorfer Tanzsportzentrums und ein Reiterteam um Bruno da Silva und Britta Rasche, die mit mehreren fantasievollen Beiträgen vertreten war. Putzig die Nummer der Tierschule Krüger-Degener mit zwölf Enten und vier Hütehunden zu Berlioz‘ langer „Szene auf dem Lande“, sehr diszipliniert eine von Cornelia Endres geleitete Ponydressurquadrille zum „Gang zur Hinrichtung“ und in magisches Licht getaucht zum finalen „Hexensabbat“ noch einmal Pignons Truppe, ergänzt durch eine Luftakrobatin in bizarrem Kostüm, die mit einem Kran eingeflogen wurde.

Zwischenapplaus brandete immer wieder auf, was Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und das in großer Besetzung aufspielende Aachener Sinfonieorchester freilich nicht in Bedrängnis brachte. Dass schöne Pferde von der Musik ablenken, ist halt unvermeidlich. Auch wenn Roland Pütz auf seinem Alphorn für ungewöhnliche Klänge sorgte und damit einen Bezug zum Partnerland Schweiz herstellte.

Doch das Berliner Lufttanztheater und Britta Rasche auf ihrem Schimmel waren halt zu schön anzusehen. Eine Suite von Telemann bot die Klangkulisse für einen barocken Waffengang. Ansonsten ging es im ersten Teil musikalisch locker zu, als die Rheinische Fahrsportjugend zu Michael-Jackson-Arrangements auffuhr, das Stelzentheater Pantao und die Reitschule Elke Braun „Somewhere over the Rainbow“ choreographierten und zum Höhepunkt die zweimalige Weltmeisterin Joanne Eccles mit ihrer Schwester Hannah eine perfekte Voltigier-Performance zu Freddie Mercurys „Bohemian Rhapsody“ bot.

Insgesamt eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Symbiose von „Pferd & Sinfonie“.

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