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Echte Buhrufe für falsche Ministerin

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
Frauenärzte
Demo auf dem Aachener Markt: Frauenärzte protestieren gegen das neue Honorarsystem. Foto: Schmitter

Aachen. 15 Euro und 96 Cent. Das ist der Betrag an dem sich der Protest entzündet, die Summe, derentwegen sich zahlreiche Gynäkologen aus Stadt und Umland an diesem Vormittag im Schatten des Aachener Rathauses versammelt haben.

Und weil viele von ihnen Kittel tragen, ist der Markt nicht schwarz vor Menschen, sondern weiß. Obwohl das übertrieben ist. Rund 80 niedergelassene Frauenärzte machen ihrem Ärger Luft, Arzthelferinnen und Solidaritätsbekunder lassen die Zahl der Protestler auf etwa 120 steigen.

15 Euro und 96 Cent, dass ist der Pauschalbetrag, den die Gynäkologen pro Patient und Quartal seit der Honorarreform, die am 1. Januar 2009 in Kraft trat, bekommen. Das die Summe viel zu gering ist, lässt sich auf den Plakaten der Frauenärzte ablesen. „For sale: Gynäkologie zum Spottpreis” oder „15,96 Euro All inclusive für drei Monate Arztbetreuung” ist darauf zu lesen. Andere konzentrieren sich mehr auf die Konsequenzen: „Facharzt = Facharsch” steht auf einem Banner, „Ich bin dann mal Weg - Deutschland verjagt seine Fachärzte” auf einem anderen.”

Der Protest auf dem Markt ist der Höhepunkt der Aktion. 90 Prozent der niedergelassenen Frauenärzte in Stadt und Kreis Aachen, sowie in Heinsberg Erkelenz und Düren hatten in den vergangenen zwei Tagen demonstrativ ihre Praxen geschlossen. Für dringende Fälle wurde ein Notdienst eingerichtet. Der Gynäkologen-Protest soll nicht auf dem Rücken ihrer Patienten ausgetragen werden, die hätten unter der Honorarreform ohnehin schon genug zu leiden, findet Ulrich Wissmann.

Wissmann, 54, ist Frauenarzt mit Praxis in Kohlscheid. Er sagt: „Ich schätze, dass zum Beispiel krebskranke Frauen, ein schlechtes Gewissen haben zu uns zu kommen. Sie fühlen sich als Bittsteller.” Denn ihre Behandlung sei zeitaufwändiger und teuerer für die Ärzte, als die des „Standardpatienten”. Trotzdem bekommen die Gynäkologen für die Behandlung einer krebskranken Frau die gleiche Summe. Eben jene 15 Euro und 96 Cent pro Quartal. Wissmann jedenfalls sieht die Arzt-Patienten-Beziehung durch die Honorarreform massiv gefährdet. Dagegen will er auf dem Aachener Markt ein Zeichen setzen.

Der Adressat der Protestaktion ist eindeutig auszumachen. Auf Ulla Schmidt sind die Frauenärzte nicht gut zu sprechen. Fara Maleki, niedergelassene Gynäkologin in Aachen, hält eine Spottrede auf der Bühne, sie hat sich sogar als Bundesgesundheitsministerin verkleidet. Die Buhrufe mit denen Maleki empfangen wird, sind allerdings echt. Applaus gibt es dagegen für Dr. Rudolf Henke.

Der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund möchte nach den kommenden Wahlen für die CDU in den Bundestag einziehen. Dafür müsste er allerdings in seinem Wahlkreis ein Direktmandat holen, die wohl stärkste Konkurrentin dort heißt Ulla Schmidt. „Die Ärzte haben so eine Honorarreform nicht verdient, denen platzt allmählich der Kragen”, sagt Henke. Und: „Seit 2004 wird versprochen, dass es ein transparentes und kalkulierbares Honorarsystem gibt. Wo bleibt das?” Dann nimmt Henke die Unterschriften entgegen, die die Gynäkologen gesammelt haben und die er an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann übergeben soll.

Das damit der Frauenärzte-Protest ein Ende findet, ist nicht zu erwarten. Ab dem 1. April sinkt der Pauschalbetrag nochmals. Die Gynäkologen bekommen dann pro Quartal und Patient genau 13 Euro und 81 Cent.
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