Düsseldorfs Chef-Wagenbauer will Wulff verspotten

Von: Jean-Charles Fays, dapd
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Der Wagenbaumeister des Düsseldorfer Rosenmontagszuges, Jacques Tilly (rechts), steht in der Düsseldorfer Wagenhalle. Neben ihm steht der Zugleiter des Düsseldorfer Rosenmontagszugs, Hermann Schmitz. Für Tilly ist die Wulff-Affaere ein gefundenes Fressen. „Mit seinem Rumgeeier macht sich der Bundespräsident im Moment zur Witzfigur”, sagte Düsseldorfs berühmter 48-jähriger Narr der Nachrichtenagentur dapd. „Klar ist, dass wir Wulff zur Wagenfigur machen. Die Frage ist nur, wie weit wir gehen.” Vor einer Klage des Staatsoberhaupts habe er keine Angst. „Wat kuett, dat kuett. Wir muessen unsere Arbeit machen.” Tilly stehe bei den Düsseldorfern in der Pflicht, einen Wagen mit einer richtig frechen Wulff-Satire zu schaffen. Foto: dapd

Düsseldorf. Jacques Tilly blättert in seiner Künstlerhalle durch eine Mappe mit aktuellen Entwürfen und alten Wagen der rheinischen Konkurrenz. Das seit Mittwoch bekannte Kölner Karnevalsmotiv des „Etappenhasen Christian Wulff” geht ihm gegen den Strich.

„Der Bundespräsident Wulff sieht aus wie der Verteidigungsminister de Maizière”, sagt der Wagenbaumeister des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. „Und wieso nehmen die einen Hasen, wenn sie doch eigentlich das von einer Medienmeute gejagte Unschuldslamm Wulff meinen? Das Bild ist nicht stimmig.”

Auch der „Kölner Stadt-Anzeiger” hatte geschrieben „Eine Karikatur ohne Sinn” und satirische Raffinesse bemängelt. Tilly baut seit 29 Jahren Wagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug. Der 48-Jährige sieht sich als Bildhauer und Satiriker und ist als einer der gefragtesten Wagenbauer Deutschlands besonders kritisch mit der Konkurrenz.

„Unschuldslamm Wulff wird es bei uns nicht geben”

Für Tilly jedenfalls ist klar: „Das Unschuldslamm Wulff wird es bei uns gewiss nicht geben.” Er werde das Thema kritischer behandeln. Zwar könne er beim Komitee aus Geschäftsführer, Präsident und Zugleiter nur Vorschläge einreichen, aber erfahrungsgemäß nehme das Komitee immer die frechsten. „Da bin ich stolz drauf.” In der Domstadt sei die Rücksichtnahme größer, weil zu viele Personen mitreden. „Während es in Köln heißt: Friede, Freude, Eierkuchen, heißt es in Düsseldorf: Immer feste druff.”

Der Düsseldorfer Zugleiter Hermann Schmitz, der in der großen Halle neben Tillys kreativer Künstlerhalle in Düsseldorf-Bilk an einem Wagen bastelt, bestätigt Tilly. „Wir sind brutaler, direkter und frecher als die Kölner.” Während die Jecken in „Düsseldorfs südlichem Vorort” raten müssten, wer mit dem Wagen gemeint sei, könnten die Narren in Düsseldorf die Figuren noch mit 1,5 Promille Alkohol im Blut erkennen.

Wulff wäre nicht der Erste, der mit Anzeige droht

An Karneval gehe es darum, die Obrigkeit aufs Korn zu nehmen. Da herrsche Narrenfreiheit. Und wenn der Bundespräsident keinen Spaß verstehe und nachher mit einer Anzeige drohe, dann würde Schmitz sich darüber sogar freuen. Wulff wäre nicht der Erste, der mit einer Anzeige drohen würde. Tilly hat schon Kardinal Joachim Meisner gebaut, der eine Frau, die abgetrieben hat, auf dem Scheiterhaufen verbrennt, Gerhard Schröder zur Domina gemacht und im vergangenen Jahr einen per Düsenjet ins Kanzleramt rasenden Guttenberg, darunter stand: Merkels 11. September.

Schmitz und Tilly können noch nicht sagen, mit welchem Motiv die Wulff-Affäre verballhornt wird. In drei Wochen bis Rosenmontag kann noch viel passieren. „Und wenn der Bundespräsident am Karnevalssamstag zurücktritt, dann ist der Wagen dazu Rosenmontag im Zug”, sagt Schmitz. Das Motto in dieser Session lautet: „Hütt Dommer Dröwer Lache” (Heute lachen wir drüber). Vielleicht gelte das an Rosenmontag dann ja auch schon für Wulff.

„Wir können nicht mehr viel falsch machen”

Neben den Affären des Staatsoberhaupts bieten sich das geplatzte Guttenberg-Comeback, der FDP-Niedergang, die Euro-Rettung und der Atomstreit mit dem Iran als Themen an. „Vier treffen ins Ziel”, ist Tilly überzeugt.

Einer davon wird wohl Wulffs Wagen sein. Dafür spricht die Furchtlosigkeit des Satirikers. Das Amt des Bundespräsidenten könne er ohnehin nicht mehr beschädigen, weil es eine Persönlichkeit verlange, die Wulff nie gehabt habe, sagt Tilly. „Insofern wurde das Amt schon beschädigt, als Wulff Bundespräsident wurde. Wir können also nicht mehr viel falsch machen.”
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